Nicht nur die alljährigen Festspiele haben viele Menschen aus aller Welt in die Mozart-Stadt gelockt, sondern auch die jährlich stattfindende Art Salzburg. Doch auch vor Beginn der Salzburger Kunstmesse, strömten zahlreiche KunstliebhaberInnen in die Sommer-Kulturhauptstadt Österreichs, nicht zuletzt um mit der Galerie Thaddaeus Ropac ihr 30-jähriges Jubiläum zu feiern.

Wer die Stadt Salzburg lediglich mit Mozart und dem Salzburger Dom in Verbindung setzt, der irrt, denn auch im Hinblick auf moderne und zeitgenössische Kunst hinkt die Stadt Wien kaum hinterher. Der „Walk of Modern Art“ in der Salzburger Innenstadt führt die Besucher und Besucherinnen der Stadt durch den urbanen Außenraum Salzburgs und beherbergt als einzigartiges Statement zeitgenössischer Kultur Werke von Marina Abramovic, James Turrell, Erwin Wurm oder Brigitte Kowanz. Das von der Salzburg Foundation privatwirtschaftlich finanzierte Projekt beinhaltet rund 12 Skulpturen, die innerhalb der letzten 10 Jahre in der gesamten Innenstadt realisiert wurden. Im Westen der Innenstadt (am Ursulinenplatz) stößt man auf die von Markus Lüpertz bewusst transgender umgesetzte  Bronzeskulptur „Mozart – Eine Hommage“ (2005) und erreicht von dort aus bequem den Mönchsberg, auf dem sich die in unmittelbarer Nähe zum Museum der Moderne die Werke James Turrells („Skyspace“, 2006) und Mario Merz’ („Ziffern im Wald“, 2003) befinden. Als einer der wichtigsten Vertreter der arte povera variierte Merz 2003 sein berühmtes Pavillon-Motiv in Form eines Iglus und nahm dabei das Zahlensystem des mittelalterlichen Mathematikers Fibonaccis in Form von Leuchtziffern auf. Bei Turrells „Skyspace“ handelt sich um einen begehbaren Kunstraum (genauer: einen elliptischen Zylinder), der entlang der Innenwände Sitzflächen für den Betrachter bereithält und nach oben hin geöffnet ist. Der sichtbare Ausschnitt des Himmels mit seinen Licht- und Farbvariationen wird so zum Bestandteil des Werks und erinnert an die aktuelle Ausstellung im New Yorker Guggenheim Museum. Überquert man schließlich die Staatsbrücke, um das nördliche Flussufer zu erreichen, begegnet man unweigerlich Brigitte Kowanz’ „Beyond Recall“ (2011): Auf den Brückensockeln der Salzburger Staatsbrücke installierte Kowanz semitransparente Spiegelkuben, in denen Schriftzüge aus Neon aufleuchten und nimmt so verschiedene Assoziationen auf, die sich mit dem Bauwerk, aber auch mit dem Motiv der Brücke verbinden lassen. Einer der Texte ist dem Gedenken an die Hunderten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, die von 1941 und 1945 gegen ihren Willen an der Errichtung dieser Brücke arbeiten mussten, gewidmet. An der Nordseite der Brücke angekommen stößt man sogleich auf das nächste Werk des „Walk of Modern Art“. „Spirit of Mozart“ (2004) stammt von keiner geringeren Künstlerin als von Marina Abramovic und lädt zur Mediation ein: Inmitten des aus acht, vom Publikum benutzbaren Stühlen bestehenden Ensemble, steht ein monumentaler, 15 Meter hoher Stuhl auf dem der Geist Mozarts zu positionieren ist – der Stuhl besitzt allerdings keine Sitzfläche, sondern bloß die äußeren Konturen eines Stuhles und kann ironisch, oder aber als Akt der Achtung vor jenem Geist aufgefasst werden, der allgegenwärtig über der Stadt Salzburg thront. Etwas weiter nördlich liegt Anthony Craggs „Caldera“, das 2008 vom Künstler am Makartplatz errichtet worden ist. Der restliche Teil des „Walks of Modern Art“ erstreckt sich jedoch auf der Südseite des Innenstadt: Neben den bereits erwähnten Werken, stößt man außerdem noch auf Werke Manfred Wakolbings („Connection“ am Rudolfskai, 2011), Anselm Kiefers („A.E.I.O.U.“ am Furtwänglerpark, 2002), Jaume Plensas („Awilda“ bei der Universität Salzburg, 2010), Christian Boltanskis („Vanitas“ in der Domkrypta, 2009) und – mit einem zweiteiligen Werk vertreten – Stephan Balkenhols („Frau im Fels“ im Toscaninihof und „Sphaera“ am Kapitelplatz, beides 2007). Zu den weiteren Highlights des Skulpturenparks zählen auch die 2011 von Erwin Wurm realisierten „Gurken“: Indem Wurm seine Gurken auf menschliches Maß vergrößert und scheinbar direkt aus dem Asphalt wachsen lässt, inszeniert er sie als Wesen von individuellen Wert.

Auch im Sommer 2013 stand Erwin Wurm im Zentrum des Salzburger Kunstgeschehens, ehrte er die Galerie Thaddaeus Ropac zu ihrem 30-jährigen Jubiläum doch mit einer Skulptur der besonderen Art. 1983 mit winzigen Schau- und Verkaufsräumen begonnen, avancierte der Galerist Thaddaeus Ropac zu einem der mächtigsten Galeristen des internationalen Kunstmarkts. Um das 30-jährige Bestandsjubiläum seiner Salzburger Galerie zu feiern, lud Ropac zu sich ein und wurde vom Bildhauer Erwin Wurm reich beschenkt: Von Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann inszeniert und von Schauspielgrößen wie Nicholas Ofczarek und Oliver Masucci darstellerisch umgesetzt, rechnet Wurm mit seiner Wortskulptur „Das Kleine im Großen, das Große im Kleinen“ mit KünstlerInnen, SammlerInnen und dem Kunstmarkt ab: Nicht zuletzt der russische Oligarch Roman Abramowitsch und sein sich alle zwei Jahre wiederholendes „Leerkaufen“ der Biennale in Venedig werden an den Pranger gestellt. Doch auch für diejenigen, die Erwin Wurms Wortskulptur verpasst haben, hat es sich ausgezahlt die Räumlichkeiten Ropacs aufzusuchen, gab es dort doch gleich zwei sehenswerte Ausstellungen zu sehen, die sowohl Rück- als auch Ausblick zugleich geben sollten. Ziel der Ausstellungen war es, einen differenzierten Querschnitt durch das Programm seit der Gründung der Galerie zu schildern und einen Eindruck von deren Ausrichtung und Linie zu vermitteln. Bis 28. August waren in der Villa Kast sowie in der Halle Ropacs Künstler wie Georg Baselitz, Alex Katz, Andy Warhol, Lawrence Weiner und Robert Mapplethorpe zu sehen. Joseph Beuys, der für die Karriere Ropacs eine wesentliche Rolle spielte, wurde im Zeichnungskabinett (neben dem Haupteingang der Villa Kast) sogar eine eigene kleine Ausstellung gewidmet.

Aktuell wird in der Villa Kast eine Ausstellung über den legendären amerikanischen Fotografen Robert Mapplethorne gezeigt. Die Ausstellung findet im Rahmen einer Mapplethorpe gewidmeten Reihe statt, deren Kommissariat jeweils an Künstler wie Cindy Sherman, David Hockney, den Regisseur Bob Wilson und kürzlich (2011) an die Regisseurin Sofia Coppola vergeben wurde. Ziel war es, dem Publikum einen neuen und persönlichen Blick auf das Werk des Künstlers zu eröffnen. Als Ausstellungskomissarin konnte Ropac die französische Schauspielerin Isabelle Huppert gewinnen, die mehr als hundert Fotografien Mapplethornes auswählte. Darunter sind sowohl berühmte Fotografien des Künstlers als auch unbekanntere, teilweise unpublizierte Schnappschüsse und Polaroids zu sehen.

Wem das Jubiläums der Galerie Thaddaeus Ropac im Juli allerdings entgangen ist, der war vielleicht etwas später vor Ort, denn am 10. August eröffnete die bisher sechste Art Salzburg – International Fine Art Fair, auf der nationale und internationale Aussteller und Austellerinnen zusammentrafen und Kunstwerke höchster Qualität präsentierten. „Die Art Salzburg […] versteht sich als Treffpunkt der Kunst verschiedener Epochen und Gattungen“, so Dr. Helga Rabl-Stadler, Präsidenten der Salzburger Festspiele. Schlendert man durch die imposanten Räumlichkeiten der Salzburger Residenz und sieht sich das Angebot der AustellerInnen an, so weiß man, das Rabl-Stadler Recht behält: Neben traumhaften Möbeln der Jahrhundertwende aber auch des 16. und 17. Jahrhunderts (Patrick Kovacs Kunsthandel, Kunst und Antiquitäten Moskat, u.a.) sowie hochkarätigen Schmuckkreationen aller Art (Anne Pálffy Jewellery, Henri J. Sillam, u.a.) wurden auch heuer wieder einige Meisterwerke bedeutsamer Künstler gezeigt. Vor allem moderne, aber auch zeitgenössische Kunst standen im Mittelpunkt der Messe, die mit bloß 36 AusstellerInnen strikt an ihrem Konzept „Qualität vor Quantität“ festhielt. Präsentiert wurden österreichische Künstler wie Egon Schiele und Gustav Klimt sowie Max Weiler und Arnulf Rainer, aber auch internationale Künstlergrößen wie Pablo Picasso, Marc Chagall oder Andy Warhol und Anthony Cragg.

Salis & Vertes (Zürich/Salzburg) präsentierten beeindruckende Werke von Wassily Kandinsky und Joan Miró und boten mit einem Gemälde von Marc Chagall eines der teuersten Gemälde der Messe an. Ebenfalls auf die Kunst des 20. Jahrhunderts spezialisiert, stellte die Galerie Française (München) Arbeiten von Pablo Picasso sowie Serge Poliakoff und Marino Marini aus. W&K – Wienerroither und Kohlbacher (Wien/New York) hingegen präsentierten vor allem österreichische Künstler wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Max Weiler, überzeugten aber ebenso mit internationalen Künstlern wie Lyonel Feininger und Paul Klee. Im zeitgenössischen Kontext setzte Gerald Hartinger Fine Arts (Wien) seinen Schwerpunkt auf Ikonen der US-amerikanischen Pop-Art sowie Vertreter der Nachfolgergeneration und zeigte Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Russel Young und Romero Britto. Die Galerie Ruberl (Wien) fokussierte sich vor allem auf Oskar Kokoschka und Arnulf Rainer und bot ferner Werke Hermann Nitschs, Günter Brus’ und des frühen Hundertwassers an. Mit raumbezogenen Kunstformen bereicherte die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman die Messe und präsentierte unter anderem Arbeiten von Michael Kienzer, Jürgen Klauke, Bruno Gironcoli und Thomas Feuerstein. ZS art Galerie (Wien) setzte auf den Werbefotografen Robert Staudinger, dem ab 19. September auch die nächste Einzelausstellung der Galerie gewidmet wird. Staudinger ist auch jener Fotograf, der das diesjährige „Maskottchen“ der Art Salzburg ablichten durfte: Der chinesische Nackthund „Gandalf“ posierte in Dirndl vor der Kamera und zierte sämtliche Plakate der Kunstmesse, sowie das Cover des Art Salzburg Magazins: „Gandalf und sein Dirndl sind ein augenzwinkernder Verweis auf die typische Salzburger Society“, kommentiert Staudinger.

Trotz Salzburger High Society und in Trachten gekleideter Nackthunde sei ein Besuch Salzburgs jedoch wärmstens empfohlen, hat die Stadt neben Mozartkugeln und einer traumhaften Altstadt offensichtlich doch noch einiges mehr zu bieten.

// Fanny Hauser