Die Galerie König zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung „as if“ nicht nur eine expressive Auffassung von Figuren in ihrer Fragilität und Auflösung, sondern eine faszinierende Verschmelzung von unerwarteten Materialien zu einem Konvolut aus Formen, Zeichen und Referenzen. ART AND SIGNATURE hat die Künstlerinnen Gabriele Fulterer und Christine Scherrer getroffen, um einen direkten Einblick in die Ausstellung bekommen zu können.

Die Ausstellung „as if“ bietet nicht nur genug Nährboden zur vertiefenden Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen nach Material, Form oder Raum, sondern ermöglicht es eine Verschiebung von bildimmanenten Ver-/Spiegelungen zu erfahren, die in Kombination mit den eingesetzten Mitteln ein Mehr an Interpretationen offenbaren. Der Titel an sich drückt schon eine verheißungsvoll charmante Undefiniertheit aus, die Raum zur Erfassung der verschmolzenen Arbeiten lässt. Ähnlich gewissen Werksaspekten von Fulterer/ Scherrer spielt er mit einer aufgeladenen Verträumtheit, bei der man nicht zu direkt in Versuchung einer klaren Deutung kommen sollte.

Die Exponate an sich präsentieren wiederum eine äußerst spannende Herangehensweise an grundsätzliche künstlerische Positionen und jonglieren mit einem derart lockeren Selbstverständnis, das erst bei intensiver Betrachtung und Konfrontation mit den einzelnen Bildern bzw. ihren Verbindungen ans Tageslicht drängt.

Man sieht fragile Figuren in expressiven Posen, welche sich durch die Positionen im Bildfeld einer regelrechten Transformation unterwerfen. Sie drängen aus dem Bildbereich, verschwinden im malerischen Raum und brechen mit ihrer körperlichen Bestimmtheit. Miessgang spielt in seinem kurzen wortgewaltigen Katalogbeitrag mit der Zersetzung des Körperteils zum Teilkörper – und gerade eben diese Zersetzung bestimmt eine gravierende inhaltliche Konstante der Werke. In weiterer Folge drängen die Figuren daher nicht nur aus dem Bildraum, sondern tauchen in ephemere emotionale Raumgebilde ein, indem sie sich ihrer eigenen Spiegelung unterwerfen.

Die verwendeten Materialien scheinen auf den ersten Blick eindeutig zu sein. Jedoch findet man in den Werken eine omnipräsente Konfrontation mit der Materialität des Stickens. Diese quasi altertümliche Technik setzt sich in Beziehung zu einer tänzerischen Streetart-Ästhetik, die sich in den neonfarbenen Wandmalereien zeigt. Die Technik des Stickens wurde von den Künstlerinnen aber nicht nur auf die Leinwand beschränkt, sondern sie erweitert ihre materielle Eindringung bis auf die unbelassenen Wände der Galerie. Die gezeigten Körper erweitern somit nicht nur ihre materielle Dimension in der Überschreitung des Bildes, in ihrer eigenen Spiegelung, oder in der Übertragung auf die Wände, sondern in ihrer eigenen materiellen Darstellungsweise. Mit angepasster Fadenstärke wird der Ductus eines Strichs nachempfunden, um eine Illusion von materieller Berührung, sowie einer Verschmelzung von Teilkörpern vermuten zu können. Die verwendeten, teilweise geschunden wirkenden Motive ergänzen sich in ihrer Körperlichkeit, in ihrer teils verzweifelten, teils extatischen Haltung. Auch die Prozessualität des Entstehungsvorgangs könnte nicht uneinheitlicher sein, da immer die Problematik der Hintergrundgestaltung mit der technischen Komplexität des Stickens ineinander fällt.

Fulterer und Scherrer präsentieren in der Galerie König eine komplexe, teilweise verstörende aber durchwegs faszinierende Auseinandersetzung von figürlicher Positionierung in diversen Räumen und Geltungsbereichen. Ihre Auffassung der mobilen Integration des Körpers und die Verschmelzung sich quasi selbst ausschließender Techniken, sowie die anregende  Konfrontation mit der Technik des Stickens im Kontext zeitgenössischer Kunstproduktion erinnert nicht nur an die Extrovertiertheit der Arbeiten eines Seth Price, sondern erschafft ein Konglomerat aus Formen, Gedanken und Eindrücken die es gilt für sich selbst zu erfahren.

// Daniel Lippitsch