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Clemens Wolf präsentiert derzeit in der Galerie Steinek  seine imposant eindringlichen Werke unter dem Titel „Untitled – Die Theatralik der Bedeutungslosigkeit“. Die Ausstellung  zeigt einen vernetzten Umgang mit sich selbst ergänzenden Medien, die sich mit der Wahrnehmung eines Raumes unter metaphysischen Barrieren konfrontieren.

 

Die gezeigten Exponate wirken auf den ersten Blick wie robuste Trennungen im künstlichen Raum der Galerie, wie bedeutungslose Destillate einer über-industrialisierten Welt die in ständiger Bemühung um die Aufrechterhaltung ihrer emotionalen, sowie physischen Mauern zu sein scheint. Die methodische Anwendung des Rasters sieht Wolf als einen konzeptuellen Grundgedanken in seinen Arbeiten. Diesen Aspekt übersetzte er nun in eine fortschreitende Form anhand des Gitters in Kombination mit der Materialität gewachsten Stahls. Diese Verbindung zwischen der Funktion des alleinstehenden Gitters als ein sinnloses Zeichen unsere Welt—da es als Überbleibsel jederzeit umgangen werden kann und somit die Aspekte der Trennung relativiert—spielt mit der Funktion des unnachgiebigen Stahls. Die daraus entstandenen Skulpturen werden separat im Raum platziert um als kombinatorische Einheit einer Rauminstallation ihre Position zu finden oder aber an der Wand montiert, um eine sinnliche Leichtigkeit des Materials zu suggerieren. Die gezeigten Wände und Zäune verlieren ihren limitierenden Charakter im Umgang mit dem Raum und den illusionistischen Qualitäten ihrer Installationsweise. Die Arbeiten Wolfs können somit zu Recht in einen malerischen Kontext gesetzt werden, da sie Grundaspekte der Malerei mit in ihre Präsentation einbeziehen und dadurch die Fragen nach dem „Dahinter“ und dem „Davor“ einer Barriere als ästhetische Konsequenz der Annäherung an die Skulptur verstanden werden müssen.

Die Produktionsweise der Skulpturen sieht bewusste Fehler vor, die vom Künstler nachträglich integriert werden. Dieses Spiel mit der maschinellen Produktion, dem unverwüstlichen Material und der Lenkung des Zufalls in Form kleiner Risse, Löcher oder Spuren des Entstehungsprozesses, erweitert sich ebenfalls auf die gezeigte Malerei und Fotografie. In diesen zeigt sich das Thema der Beschränkung in der metaphysischen Konstante einer mentalen Barriere. Die endlose Weite der kalifornischen Wüste präsentiert Wolf anhand komplexer fotografischer Doppelbelichtung als eine Erweiterung des Verständnisses um die Bedeutung einer Begrenzung. Die Weite verliert ihre einschränkenden Qualitäten nicht in Form einer unerschöpflichen Freiheit, sondern behält sie aufgrund ihrer Unüberwindbarkeit.

„Untitled – Die Theatralik der Bedeutungslosigkeit“ rüstet sich nicht nur mit einem aussagekräftigen Titel, sondern erweitert die ästhetische Auffassung des Betrachters auf subtile, teils befremdende Art und Weise. Dieser Effekt wird durch die Kombination aus dem Hauptthema mit den ornamentalen Facetten der Skulpturen, der Verbindung von komplexen Medien, der pragmatisch orientierten Produktionsweise der Exponate, sowie durch die monochrome Abgeschiedenheit der einzelnen gezeigten Formen provoziert.

Wolf wird unter anderem auch auf der VIENNAFAIR von der Galerie Steinek und im Skulpturenpark gezeigt werden, in welchem er mit seinem bekannten Werk „Opened Space“ von 2010, vertreten sein wird. In diesem Werk thematisiert der Künstler auf archaische Weise Kernaspekte seiner Inspiration — Raster, Gitter, Beschränkung — in Anlehnung an seine Street-Art Vergangenheit.

// Daniel Lippitsch

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::: AUSBLICK :::
Im Rahmen der VIENNAFAIR entwickelte die Galerie Steinek eine Ausstellung mit der Künstlerin Gudrun Kampl unter dem Titel „Parakosmos“. Die Künstlerin erforscht in ihrer Einzelausstellung Sphären ihrer eignen Kosmogonien, Labyrinthe der Deutungen und Ornamente der Vergangenheit. Dies erfolgt in Form von malerischen Textilskulpturen die ihre integrative Rolle im Ausstellungsraum durch die Konfrontation des Betrachters mit phantastischen Imaginationswelten herausfordern.

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