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Why Painting Now? – Zahlreiche Wiener Galerien versuchen dieser Frage in ihren aktuellen Ausstellungen auf den Grund zu gehen: Im Rahmen des Begleitprogramms der Vienna Fair („Curated by 2013“) luden die Galerien internationale Kuratoren und Kuratorinnen zu sich ein, um eben diese Ausstellungen zu konzipieren und zur Reflexion des gegenwärtigen Malereidiskurses anzuregen.

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Die Galerien im ersten Bezirk begeistern nicht nur mit ihren regulären Ausstellungen, sondern wissen auch im Rahmen der VIENNAFAIR zu beeindrucken: So präsentiert die Galerie Mezzanin in der Eschenbachgasse in der von Tyler Coburn kuratierten GruppenausstellungAugust“ Werke von Shannon Ebner, Adam Putnam und Rachelle Sawatsky. Zentrum der Ausstellung bildet eine Broschüre mit Abschriften der Gespräche, welche die teilnehmenden KünstlerInnen bei der Auswahl der Arbeiten führten und das Kuratieren selbst in einen sozialen Prozess verwandelten. Die Galerie Steinek lud die Französin Caroline Smulders zu sich ein, die eine Ausstellung zu Bertrand Lavier konzipierte. Auf unterschiedlichste Art und Weise schafft Lavier es, den reinen Konzeptgedanken zu überwinden und die Malerei auf die Ebene einer universellen Kunst zu erheben. Die Galerie Martin Janda präsentiert in „next to perplexed you“ Werke der Künstlerinnen Magni Borgehed, Sarah Forrest, Virginia Hutchison, Malin Gabriella Nordin und Lucy Stein. Kuratiert wird die Ausstellung von Jan Verwoert, der die von Vanessa Bell (Virginia Woolfs ältere Schwester) gefertigten Umschlagentwürfe für Woolfs Bücher als Inspirationsquelle für die Ausstellung nutzte. Gezeigt werden Arbeiten von KünstlerInnen, die „Adjazenz“ praktizieren, also Nachbarschaften pflegen, Seitwärtsbewegungen ausführen: Während Magni Borgehed die Malerei mit dem Objektschaffen und Musterentwerfen verbindet, wissen Sarah Forrest und Virginia Hutchison ihre konkrete Poesie und Prosa in gewisser Weise mit Blei zu verbinden, handeln ihre Texte doch von Objekten aus Blei und werden die Lettern der Worte allesamt aus eben diesem Material gefertigt. ___

 

Gürsoy Dogtas hingegen, stellt in der Charim Galerie Arbeiten vor, die sich am Schnittpunkt von Malerei und textiler Gestaltung bewegen und so den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden. Zu sehen sind u.a. Werke von Bettina Allamoda, Judith Raum, Birgit Megerle, Wolfgang Wirth und Adele Röder. Für die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman kuratiert die Südtirolerin Marion Pfiffer Damiani und zeigt unter anderem Werke von John M. Armleder, Erik Steinbrecher, Herbert Brandl, Thomas Feuerstein, Günther Förg und Hermann Nitsch. Damiani bezieht sich in ihrer Konzeption vor allem auf die frühe Präsentationsform des Tafelbildes in den akademischen Salons und präsentiert die Galerie Thoman als temporären Schauplatz einer künstlerisch konzipierten Accrochage. In der Galerie Hilger NEXT weiß Lucie Drdovà die Werke von Asgar/Gabriel, Oliver Dorfer, Vladíimir Skrepl und Daniel Vlček in Szene zu setzen und offenbart mit den vier ausgestellten Malereipositionen gleichzeitig auch vier konzeptuell unterschiedliche Ansätze. Werke der englischen Künstlerin Yelena Popova hingegen, kann man in der Knoll Galerie bewundern. Die Ausstellung entstand aus einem fortwährenden Dialog zwischen der Künstlerin Yelena Popova und der Kuratorin Lina Džuverović, um nach neuen Wirkungs- und Entfaltungsmöglichkeiten der Malerei zu suchen. Popovas Kunst kombiniert bewegte Bilder mit Installationen von Malereien. Ihre Bilder erinnern sowohl an die Ästhetik des russischen Konstruktivismus, als auch an jene des Minimalismus und regen einen Diskurs über die Materialität in der heutigen Malerei an. Die Krinzinger Projekte in der Schottenfeldgasse präsentieren bis 21. Dezember die von Antony Hudek konzipierte Gruppenausstellung, in der Werke von u.a. Siegfried Anzinger, Arnulf Rainer, Thomas Feuerstein, Franz West, Jonathan Meese und Albert Oehlen zu sehen sind. Die Ausstellung „Cover-Up“ deckt den Zusammenhang der Malerei mit Wert, Subjektivität und Abstraktion auf. Je mehr ein Gemälde sein Verhältnis zu diesen drei Faktoren thematisiert, desto weniger affirmiert es das Klischee der Autonomie der Malerei, ihr Privileg als kreatives Ausdruckmittel und ihre vermeintliche Transzendenz. „Cover-Up“ wurde nicht nur im Rahmen von „curated by 2013“ eröffnet, sondern steht gleichsam in Relation zu der langfristig angelegten Reihe „Curators Collectors Collaborations (CCC) der Galerie Krinzinger.

In der Galerie Emmanuel Layr werden zur Zeit Werke von u.a. Christopher Williams, Morag Keil, Fiona Mackay, Manuela Gernedel und Gerard Byrne präsentiert, deren konzeptueller Charakter vor allem ihre eigenen Herstellungsbedingungen zu reflektieren wissen: So schufen Morag Keil, Fiona Mackay und Manuela Gernedel über zwei Wochen hinweg täglich je zwei Bilder für ihre Installation „84 Paintings“, um die hohe Geschwindigkeit in der heutigen Kunstproduktion zum Ausdruck zu bringen; Christopher Williams hingegen setzte sich vor allem mit dem dokumentarischen Charakter des Mediums der Fotografie näher auseinander.

Auch die Galerien der Schleifmühlgasse laden im Rahmen der VIENNAFAIR zu sich ein: Während Christine König in ihrer von Sophie O’Brien kuratierten Ausstellung Werke von u.a. Cathy Wilkes, Matthew Hunt und Wolfgang Tilmans zeigt, präsentiert Kerstin Engholm mit „Painting beyond paint“ KünstlerInnen, die sich zwischen Kitsch und Erhabenheit bewegen: Ihre Motive erscheinen als Reaktion auf bereits Erlebtes, wobei die KünstlerInnen dennoch neue Bedeutungen zu schaffen wissen. Zu sehen sind Arbeiten von Hendrik Krawen, Katarina Löfström, Monika Marklinger, Glen Rubsamen und Marianna Uutinen. Die Gabriele Senn Galerie zeigt in ihrer von Antonia Lotz kuratierten Ausstellung Werke von David Batchelor und Andy Hope. Während Batchelors Werk Fotografie, Malerei, Arbeiten auf Papier und dreidimensionale Strukturen umfasst, in denen die Auseinandersetzung mit Farbe, Urbanität, Abstraktion und der Tradition des Monochroms fast immer präsent sind, nehmen Hopes Gemälde, Skulpturen, Collagen und Zeichnungen auf verschiedene kunsthistorische bzw. populärkulturelle Quellen Bezug. Vor allem der Aufstieg des Comics als Massenmedium sowie das Ende des Suprematismus und des russischen Konstruktivismus, versucht der Künstler im Sinne einer „Sub-History“ wieder zu beleben und neu zu formulieren. Bei Georg Kargl Fine Arts konzipierte Martin Prinzhorn die Ausstellung „Additive Abstraktion“, in der Werke von Will Fowler, Herbert Hinteregger, Chris Johanson und Manuel Knapp vorgestellt werden. Während die Arbeiten von Will Fowler ihren Ursprung in der Dekonstruktion der zweidimensionalen Bildfläche haben, zeigt Hintereggers Kunst seinen Weg von konzeptuellen Überlegungen hin zur Wahrnehmung des Bildes. Chris Johansons Werke hingegen lassen sich nicht nur auf das Medium der Malerei reduzieren, da Zeichnung, Installation und Skulptur bei ihm völlig gleichberechtigte Rollen haben. Auch Manuel Knapp gehört einer Generation von KünstlerInnen an, die sich nicht mehr auf spezifische Medien reduzieren lässt, gliedert er doch auch Überlegungen aus anderen Bereichen in seine malerische Praxis ein. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 14. November.

Die Galerie Hubert Winter im 7. Bezirk lud keinen geringeren zu sich ein, als den Kunsthistoriker Yve-Alain Bois. In der von ihm kuratierten Ausstellung werden Werke von Martin Barré und dem Bildhauer Fred Sandback  präsentiert, in deren Oeuvre es eine große Parallele zu geben scheint, gingen doch beide Künstler durch eine konzeptuelle Phase, auf die sie anschließend mit einem höchst minimalistischen Stil und der Affinität zu traditionellen Kunstgattungen reagierten.

         // Fanny Hauser

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