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Wie hat sich die Kunst durch die Einflüsse der globalen Vernetzung und der stetigen Digitalisierung unserer Welt verändert? Dieser Frage widmet sich unter anderem die UNPAINTED media art fair, die vom 17.-20. Januar 2014 in München stattfindet. Mit dem Fokus auf die Medienkunst ist dieses neue Messeformat am Puls der Zeit. Sabrina Möller sprach mit Annette Doms, der Direktorin der UNPAINTED, über die Medienkunst und ihre Entwicklung, die Messe und über das spannende Förderprogramm für junge Künstler…

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Sie haben die UNPAINTED und damit die erste deutsche Messe für Medienkunst ins Leben gerufen. Gab es für Sie einen bestimmten Moment, der Sie dazu motiviert hat oder war dieser Schritt eher die Folge einer langfristigen Beobachtung des Kunstmarktes?

Die UNPAINTED ist nicht die erste deutsche Messe für Neue Medienkunst, auch wenn sie offensichtlich und immer wieder als solche wahrgenommen wird. Ich bin seit Jahren im Kunstmarkt aktiv und persönlich interessiere ich mich vor allem für die künstlerischen Entwicklungen der Gegenwart. Das Internet und die mobile Kommunikation haben unsere Gesellschaft so stark verändert, wie es nicht vorherzusehen war. Schon immer haben Künstler die aktuelle Vorgänge erspürt, darauf reagiert und sich neue technische Entwicklungen als Darstellungsformen zunutze gemacht. Viele dieser neuen Formen gibt es bereits seit Jahren auf den wirklich sehr gute Festivals zu sehen. Dabei fiel mir die stets andersartige und große Anzahl an interessierten Menschen auf. Sie sind meist jünger und neugierig auf die Ausdrucksweisen ihrer eigenen Generation. Aber ich kenne auch einige klassische Sammler, die bereits seit Jahren Neue Medienkunst erwerben. Sie gehören zu den Visionären. Und tatsächlich sagt mir die langfristige Beobachtung, dass der Kunstmarkt bereit für eine Spezialmesse für Medienkunst ist.

 

Worin sehen Sie begründet, dass die Medienkunst auf gängigen Kunstmessen so wenig präsent ist? Ist die Ursache einfach, dass es für diese Medien zu wenige Käufer gibt? 

Meine Perspektive ist eine andere. Mir fällt in erster Linie auf, dass immer mehr Galerien den Mut aufbringen, auch Medienkünstler mit in ihr Programm aufzunehmen. Auf der letzten Art Basel gab es einige herausragende Kunstwerke zu sehen, wenn auch nur vereinzelt. Es mangelt nicht an Käufern für Medienkunst. Es werden täglich mehr und die Generation, die sich eine Welt ohne Computer kaum mehr vorstellen kann, ist bereits erwachsen.

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Was unterscheidet die UNPAINTED – neben dem Fokus auf die Medienkunst – von anderen Kunstmessen? Haben Sie sich an bereits vorhandenen New Media Art Fairs orientiert?

Nein, wir haben uns bewusst an keiner anderen Messe orientiert, aber sehr viel mit Sammlern diskutiert. Schließlich wollen wir, dass diese zur Messe kommen und bei unseren ausstellenden Teilnehmern einkaufen. Bei einer Messe für Medienkunst besteht mehr Erklärungsbedarf als bei einer Messe für antike oder zeitgenössische Kunst. Die Bildungsarbeit ist mir ein großes Anliegen. Im Angebot steht eine Reihe von Aktivitäten, die Licht auf das Thema Kunst und Kultur neuer Medien werfen werden. „UNPAINTED Talk“ bietet eine Plattform für eine konstruktive Debatte um Medienkunst. Dafür haben wir herausragende Diskussionsteilnehmer gewinnen können: unter anderem Internetkünstler Rafaël Rozendaal (New York, Amsterdam), Lindsay Howard (Curatorial Fellow at Eyebeam und Curatorial Director of 319 Scholes, New York), Medienkunstkurator Li Zhenhua (Shanghai), Thomas Girst (BMW, München), Alain Servais (Sammler der Medienkunst, Brüssel), Wolf Lieser (Pionier und Spezialist der digitalen Kunst, DAM GALLERY Berlin|Frankfurt), Peter Weibel (Ausstellungskurator, Kunst- und Medientheoretiker, Leiter des ZKM Karlsruhe) und Dr. Renate Buschmann (Direktorin, imai – inter media art institute, Düsseldorf). Zudem geplant sind Konzerte, Workshops und Zusatzausstellungen. Eine genaue Programmübersicht zur UNPAINTED folgt in den Wochen vor der Messe.

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Welches Format haben Sie für die UNPAINTED gewählt? Wie viele Aussteller wird es geben und werden wir das klassische Format eines Ausstellungsstandes zu sehen bekommen?

Die UNPAINTED ist offen für neue Formate. International etablierte Galerien werden ihr zukunftsweisendes Programm in der Sektion „Great Galleries“ auf bis zu 80 qm großen Standflächen vorstellen. Junge Galerien, die noch nicht länger als 5 Jahre am Markt aktiv sind, werden im  Bereich „Youngish“ präsentiert. Künstler ohne Anbindung an eine Galerie bekommen eine eigens kuratierte Sektion namens „Lab3.0“.

UNPAINTED zeigt mit zirka 50 internationalen Ausstellern historische bis aktuelle Positionen der Medienkunst. Darunter werden auch Museen und das ZKM Karlsruhe sein. Von dem klassischen Format des Ausstellungsstandes lösen wir uns. Die Messekojen werden wir wie gewohnt mit Wänden aufbauen, aber das Gesamtbild wird museal gestaltet sein, um die Präsentation der Medienkunst ideal zu ermöglichen. Die Messe findet in einem historischen Gebäude, dem Münchner Postpalast, statt. Wir werden die ungewöhnliche und großzügige Architektur aufgreifen. Lassen Sie sich überraschen.

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Wie international ist die UNPAINTED ausgerichtet und wen adressiert sie?

Das internationale Interesse an der Messe ist seit ihrer Bekanntgabe ungewöhnlich groß. Uns erreichen täglich hunderte von Emails aus aller Welt und es haben sich Galerien wie auch Künstler aus New York, Mexico, Japan, Istanbul, London, Toronto oder Tel Aviv beworben. Auch einige Münchner werden dabei sein, was mich persönlich besonders freut, denn die hiesige Kunstszene ist vitaler als sie von aussen wahrgenommen wird. Die UNPAINTED ist sowohl an den Kunstexperten als auch an den Kunstlaien adressiert. Die ersten Tickets wurden bereits verkauft. Wir erwarten sehr viel Publikum.

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Welche Erwartungen haben Sie persönlich an die UNPAINTED? Welche Ziele haben Sie sich mit Ihrem Team gesetzt und was möchten Sie mit der Implementierung dieser Messe verändern?

Nachdem die von aussen herangetragenen Erwartungen sehr groß sind, stellt die erste Ausgabe der Messe natürlich eine besondere Herausforderung dar. Ich freue mich über das große Interesse, offensichtlich haben wir bisher schon viel geleistet und den Nerv der Zeit getroffen.  Die Ziele sind, eine Messe zu präsentieren die diesen Erwartungen entspricht. Das bedeutet für mich, eine Messe von hoher Qualität zu zeigen und den Galerien eine Plattform zu bieten, auf die wirklich interessante Käufer eingeladen werden. Wir wollen den Kunstmarkt für die Medienkunst öffnen und mit neuen Ideen einen Dialog zwischen der Medienkunstszene und dem klassischen Markt herstellen. Mein Team ist großartig und offen für neue Entwicklungen. Das Feedback von öffentlicher, privater und institutioneller Seite ist natürlich sehr hilfreich. Die Messe lebt durch den Synergieeffekt.

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Die digitale Kunst besetzt auf dem Markt derzeit noch eine untergeordnete Position. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Medienkunst für die kommenden Jahre ein?

Die Medienkunst wird seit vielen Jahren von internationalen Kunstinstitutionen unterstützt (rhizome.org, Ars Electronica, ZKM, u.a.) und eine wachsende Zahl von Museen und Galerien auf der ganzen Welt präsentiert Medienkunst. Das aktuelle Interesse an neuen Medien ist höher als je zuvor. Im Oktober 2013 zeigte die erste Auktion ausschließlich digitaler Werke in New Yorks traditionsreichem Auktionshaus Phillips, dass die Digitale Kunst im Kunstmarkt angekommen ist. In Zusammenarbeit mit Tumblr bot die Auktion „Paddles On!“ Arbeiten von 18 Künstlern, die mit digitalen Technologien arbeiten. Es wurden alle Lose verkauft. Die Kuratorin Lindsay Howard wird auf der UNPAINTED darüber berichten und einige dieser Künstler, werden ihre Arbeiten auch auf der UNPAINTED zum Verkauf anbieten.

Neue Medienkunst ist die Kunst unserer Gegenwart. Für die Sammler der Zukunft wird das Sammeln dergleichen nichts ungewöhnliches sein. Im Gegenteil: Neue Medienkunst von heute wird die Kunst sein, an die man sich später erinnern wird. Die fortwährende Digitalisierung unserer Welt führt automatisch dahin.

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Künstler können sich bei Ihnen direkt – ohne Anbindung an eine Galerie – bewerben. Ihnen wird im Lab3.0 Bereich eine Art Förderkoje zur Verfügung gestellt, die sie damit in einen Kontext mit jungen aber auch etablierten Galerien setzt. Wie schaut das Ganze im Detail aus?

Der Bereich Lab3.0 stellt eine Neuheit dar, die die UNPAINTED von anderen Kunstmessen abhebt: Künstler ohne Anbindung an eine Galerie bekommen in einer eigens kuratierten Sektion die Möglichkeit, in direkter Nachbarschaft zu den teilnehmenden renommierten und jungen Galerien eine Förderkoje zu beziehen und ihre Werke direkt an Sammler und Besucher verkaufen. Die Messe profitiert hier erst beim eventuellen Verkauf der Werke. Für eine Kunstmesse ist das neues Terrain, aber beim Thema digitale Kunst ein notwendiger Schritt. Viele Medienkünstler werden bisher nicht von Galerien vertreten und haben daher nur begrenzte Möglichkeiten, ihre Arbeiten einem internationalen Kunstpublikum zu präsentieren. Lab3.0 möchte genau dort ansetzen und dadurch den noch unbekannten Talenten der Neuen Medienkunst zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen sowie den Galerien Gelegenheit geben, neue Künstler zu entdecken. Somit wird die UNPAINTED wie die Kunstgalerie eine Plattform für Künstler. Aber würden wir nicht an Verkäufe glauben, bräuchten wir auch keine Galerien einzuladen.

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Warum ist es gerade für Medienkünstler so schwer, eine Galerie zu finden?

Der Verkaufsdruck der Galerien ist heute größer denn je. Nach wie vor herrscht die Meinung, dass sich Medienkunst schwer verkaufen ließe. Zudem stellt der Verkauf von Medienkunst neue Herausforderungen dar, die mehr auf einen Dialog basieren. Es müssen Standardverträge geschaffen werden, die die Rechte und Pflichten der Künstler, Galerien und Sammler definieren. Auch der Erklärungsbedarf in Bezug auf Themen wie den Erhalt oder die Präsentation von Medienkunst ist größer. Leider gibt es  nicht viele Galerien, die sich diesen Herausforderungen stellen. Und wie alles Neue in der Kunst braucht es natürlich Zeit bis die Medienkunst in der breiten Masse angekommen ist. Das ist heute nicht anders als früher. Dafür sind die Möglichkeit der künstlerischen Selbstvermarktung attraktiver geworden. Der Internetkünstler Rafaël Rozendaal zählt jährlich über 40 Millionen Besucher auf seiner Seite. Er wird auf der UNPAINTED selbst darüber berichten.

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Haben Sie bestimmte Auswahlkriterien für Künstler und Galerien? 

Wir haben eine internationale Jury eingeladen, die über die Teilnehmer auf der UNPAINTED entscheiden wird.

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Vielen herzlichen Dank für das ausführliche Interview!

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// INFORMATIONEN ZUR BEWERBUNG

Am 21. Oktober 2013 endet die Bewerbungsfrist für die Galerien und Künstler. Anschließend entscheidet ein von der Messe eingeladenes international renommiertes Expertenteam über die Teilnehmer. Als Aussteller können Sie sich hier registrieren: www.unpainted.net/aussteller.

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