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Alex Katz ist in den Augen Vieler einer der größten Künstler unserer Zeit, dessen Schaffenswerk sich bereits über mehr als ein halbes Jahrhundert zieht. Entwickelte sich sein Stil wohl merklich weiter im Laufe der Jahre, so bleibt die von ihm schon immer fokussierte Offenheit in seiner Kunst deutlich: vorerst waren es die offenen, von der Kunst Jackson Pollocks inspirierten Formen, die seine Bilder in den 1950ern ausmachten. In den 60ern dann veränderte sich sein Stil hin zu klaren Formen, welchen durch feine Linien deutliche Kanten gegeben wurden. Und doch verlor Katz auch dabei nicht die Offenheit darin, sah er sie schließlich eher in der Unbegrenztheit der Bildthemen und der offenen inneren Logik.

Der Großteil seiner Werke entstand unter dem Einfluss seiner Wohnorte – New York und Maine. Zeigen seine New Yorker Bilder bestimmte Aspekte des Lebens in der Großstadt, so sind seine Arbeiten aus Maine von Landschaften bestimmt. Trotzdem sieht Katz nicht unbedingt eine gegenteilige Welt in diesen beiden Lebensräumen, sondern versucht eher die Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, welche sie miteinander verbinden. Anhand der Bilder, welche das Museum der Moderne Salzburg Mönchsberg im Zuge der Ausstellung „Alex Katz – New York/ Maine“ von 9. März bis 7. Juli 2013 zeigte, lässt sich der Einfluss dieser beiden Orte auf die Kunst von Katz besonders gut erkennen. Im gleichnamigen, von Toni Stooss herausgegebenen Ausstellungskatalog vom Hirmer Verlag erlangt man anhand verschiedener Essays sowie Interviews mit dem Künstler selbst einen tieferen Einblick in seine Arbeit. Zusammen mit einer großen Auswahl an Abbildungen der in der Ausstellung gezeigten Bilder verschafft einem diese Publikation ein besonderes Verständnis für die Inspirationen und Motivationen hinter der Kunst von Alex Katz. Carter Ratcliffs Beitrag zum Thema „Die Flüchtigkeit der Dinge – Die Kunst von Alex Katz“ geht dabei deutlich auf die bereits genannte Offenheit in den Bildern des amerikanischen Künstlers ein. Der Vergleich mit der Kunst Jackson Pollocks scheint besonders treffend, lässt sich einigen von Katz‘ Werken ein gewisser abstrakter Charakter nicht absprechen, welcher durch Details jedoch minimiert wird. Ada in a Purple Dress etwa zeigt eine Landschaft, welche, isoliert betrachtet, bloßdurch den blaugrauen, ein Gebirge andeutenden Streifen am Ende der ockerfarbenen Fläche als eben solche zu identifizieren ist.

Veit Ziegelmaier, seines Zeichens Kurator der Ausstellung in Salzburg, beschäftigte sich in seinem Essay „Ein Solitär in bester Gesellschaft – Kunsthistorische Bezüge im Werk von Alex Katz“ mit den kunstgeschichtlichen Referenzen in Katz‘ Arbeiten. Gleich zu Beginn seines Textes erwähnt er hierbei den offensichtlichen Einfluss der Kunst Monets. Die 2009 entstandene Serie Homage to Monet zeigt variantenreiche Seerosen, welche, wenngleich in der Art der Darstellung völlig unterschiedlich, doch recht deutlich auf das von Monet so oft gezeigte Motiv anspielen. Diese sehr rezenten Werke sind jedoch nur der Höhepunkt der Auseinandersetzung Katz‘ mit seinem französischen Künstlerkollegen, beeinflusste dieser doch auch schon seine frühen Arbeiten und scheint Teil seiner Entscheidung hin zu großformatigen Bildern gewesen zu sein, welche für das Werk des Amerikaners jedoch in mehr als einer Weise passend scheinen. Zeigen sie einerseits eben die Anlehnung an Monet, oder auch die Alten Meister, kann man sie andererseits als überaus treffend für die US-amerikanische Kultur und deren Hang zum Großen sehen. Aber auch bei anderen von Katz‘ Werken kann man Parallelen zu anderen Künstlern, wie zum Beispiel Paul Cézanne, erkennen. Betrachtet man etwa Camden, Maine so sieht das mehr oder minder gut geschulte Auge eindeutige Referenzen zu Cézanne. Weiters ließen sich Werke von Künstlern wie Velazquez mit der von Katz ab den 1960er Jahren angewandten Technik der deutlichen abgeschlossenen Formen vergleichen. Bei seinem Bild Paul Taylor beispielsweise setzt sich der helle Körper des Tänzers eindeutig vom dunklen Grau des Hintergrundes ab, ähnlich der Hauptfigur im Gemälde Infantin Maria Teresa von Velazquez aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien.

Lassen sich einige deutliche Referenzen zu seinen Vorgängern und auch Zeitgenossen keineswegs leugnen, betont Ziegelmaier auch, dass Alex Katz dennoch einen unverwechselbaren Stil entwickelt hat, welcher ihn deutlich von anderen Künstlerkollegen absetzt. Besonders bemerkenswerte Erkenntnisse erlangt man jedoch durch die ausführlichen Interviews, welche im letzten Teil des Katalogs zu finden sind. Das Gespräch mit Kurator Toni Stooss etwa verdeutlicht den Einfluss von Film und Fotografie in den Arbeiten von Alex Katz. Die Bedeutung von Rudy Burkhardt lässt sich bereits durch den Beitrag von Katz‘ Sohn Vincent im ersten Teil der Publikation deutlich erkennen. In welcher Weise und Intensität vor allem Filmszenen bei der Entstehung seiner Bilder wirken, erschließt sich dem Leser in diesem Abschnitt. Interessanterweise scheinen es meist Filme mit eher unspektakulären Inhalten zu sein, die durch ihren Schnitt oder ihre Kameraführung in Bildern resultieren, die Alex Katz ansprechen und inspirieren. Ebenso die typisch amerikanischen riesigen Werbeplakate reizten den Künstler und animierten ihn zu einigen seiner großen Arbeiten. Katz stellt im Laufe des Interviews fest, dass es beim Studieren seiner Bilder nicht darum gehen sollte, was ihm beim Malen durch den Kopf ging – seine Werke sollten eher den Betrachter dazu anregen, sich eigene Gedanken zu machen und zu interpretieren. Dennoch ergibt sich durch das Wissen über seine Arbeitsweise eine Ebene an interessanten Deutungen, welche ohne eben diesem vermutlich nicht möglich wären. So entstand Edwin aus dem Jahr 1972 etwa in Anlehnung an eine Filmszene mit Greta Garbo, in welcher sie ein unüblich hysterisches Lachen hatte, welches Katz unbedingt auf malerische Weise verarbeiten wollte. Da sein Modell Edwin ein ebenso hysterisches Lachen besaß, fing er dieses ein und brachte es auf eine großformatige Leinwand. Erkennt man dieses Element im Bild auch ohne die dahinter liegende Geschichte, so verleiht das Wissen um diese der Komposition aber doch einen vielleicht spannenden Charakter.

// LISA RIBAR

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EMPFEHLUNG

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