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Ein erfolgreicher Auftritt auf der VIENNAFAIR, Ausstellungen in Hamburg, Madrid sowie Kopenhagen und die Arbeit als Artist in Residency in Norwegen: Vergegenwärtigt man sich diese Stationen, überrascht es umso mehr, dass die polnische Künstlerin Natalia Załuska erst vor 3 Monaten ihren Abschlussprüfung an der Kunstakademie in Wien absolviert hat. Ihr Ziel scheint klar: Die Kunstmärkte der Welt zu entdecken, zu beeindrucken und zu erobern. Carolina Vinqvist sprach mit Natalia Załuska über ihre Arbeiten und Visionen…

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Du hast dir auf der VIENNAFAIR einen erfolgreichen Auftritt und eine hohe Aufmerksamkeit gesichert. Herzlichen Glückwunsch! Hättest du damit gerechnet?

Damit habe ich gar nicht gerechnet! Meine erste Zusammenarbeit mit Christine König war im Rahmen der Ausstellung Minimal Compact im März 2013. Die präsentierten Arbeiten waren also ursprünglich bei dieser Ausstellung und vor allem bei meinem Diplom gezeigt worden. Dass mich die Galerie bei der VIENNAFAIR damit repräsentiert war eine große Freude und Überraschung!

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Christine König möchte deine Werke auch bei der Artissima in Turin ausstellen. Welche deiner Arbeiten werden dort gezeigt?

Die endgültige Entscheidung trifft Christine König, aber ich gehe jetzt von Mixmedia Arbeiten in Groß- und Kleinformaten aus – ähnlich wie bei der VIENNAFAIR.

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Der Kulturjournalist Thomas Mießgang sagt, dass deine Arbeiten die „revolutionären Formerfindungen der vergangenen Jahrzehnte als Bausteine/ Module neuer eklektizistischer Kunstsprachen“ nutzen. Kannst du dich mit der Aussage identifizieren?

Die Aussage kommt aus einem Text über meine Arbeiten, die er Anfang dieses Jahres geschrieben hat. Der Text ist sehr zutreffend, er bringt meine Arbeit genau auf den Punkt. Er durchschaut meinen Arbeitsschwerpunkt, bei dem der Bezug auf die vergangene Sprache der Avantgarde immer eine Rolle spielt. Ich hatte schon immer großes, allgemeines Interesse für Kunst gehabt. Zunächst habe ich Kunstgeschichte fertig studiert, und das obwohl ich eigentlich nie als Kunsthistorikerin arbeiten wollte. Das Verständnis für Kunst war schon immer wichtig für mich. Andererseits denke ich bei der Arbeit vor allem über die Arbeit selbst nach und meine Bilder sollten immer ganz individuell betrachtet werden, auch wenn da eine Verknüpfung in die Kunstgeschichte existiert.

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Kunstgeschichte hast du deiner Heimatstadt Krakau studiert, jetzt arbeitest du in Wien. Was hat dich an Wien so fasziniert?

Wien ist ganz besonders – ich fühle mich hier wohl. Nachdem ich schon in Krakau studiert habe, wollte ich unbedingt in einem anderen Land leben und die Kultur näher kennenlernen. Der Grund für den Umzug war aber allein das Kunststudium. Die Kunstakademie hat mich mit den guten Professoren überzeugt und auch meine zwei Auslandssemester in Wien machten die Entscheidung leichter.

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Die VIENNAFAIR hatte zahlreiche Galerien aus Osteuropa eingeladen. Es entsteht der Eindruck, dass die ehemaligen kommunistischen Länder sich mit der neugewonnenen Autonomie auf dem wirtschaftlichen Vormarsch befinden. Warum bist du trotzdem in Wien und unterstützt nicht die Wirtschaft aus dem eigenen Land?

Das ist ganz einfach. Erst seit Juni bin ich mit dem Studium fertig – hier ist jetzt mein Lebensmittelpunkt. Mit meinem Atelier im 12. Bezirk und der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Christine König habe ich mir hier ein Stadtbein aufgebaut.

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Ist es für dich denn generell ausgeschlossen zurück nach Polen zu gehen?

Nein überhaupt nicht – ich halte mir alle Alternativen offen. Ich kann mir vorstellen in Polen zu leben und zu arbeiten. Im Moment möchte ich aber in Wien bleiben.

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Kommen wir zurück zu deinen Werken. Die dominierenden Farben sind eigentlich keine: Schwarz und Weiß. Geht es hier um Anonymität oder die Nichteingenommenheit der Emotionen?

Das mit den Farben sehe ich anders. Meine Farbpalette ist zwar stark reduziert und doch benutze ich viele Farbtöne. Sie sind versteckt und man muss sich vielleicht Mühe geben, um sie zu entdecken aber sie sind für mich sehr wichtig. Deshalb benutze ich sie mit so großer Selektion. In jeder Arbeit geht es mir um die Konstruktion und Komposition der Arbeit. Das Thema ist die Malerei selbst und die Emotionen spielen dabei keine Rolle.

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Du sagtest gerade „Das Thema ist die Malerei“. Dabei liegt dein Fokus doch auf Collagen…?

In Bezug auf die Technik arbeite ich mit unterschiedlichen Mitteln die jedoch ganz simpel sind: Ölfarbe, Karton oder Papier. Collagen habe ich schon immer gerne gemacht und seit einigen Jahren habe ich mich mit der Technik noch stärker auseinandergesetzt. Aber es ist klar: Alle meine Arbeiten sind Malerei, auch wenn sie unterschiedlich konzipiert sind.

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Was inspiriert dich? Und verfolgst du auch die polnische Kunstszene?

In meinem nahen Umfeld finde ich immer Dinge die mich inspirieren. Es können Landschaften oder Abstrakte Ausschnitte vom Alltag sein. Inspiration ist jedoch etwas flüchtig. Natürlich werde ich inspiriert, aber ich nehme mir viel Zeit über meine Arbeit nachzudenken, bevor sie ausgearbeitet werden. Wie davor erwähnt versuche ich alles Wichtige in der Kunstszene zu verfolgen. Die polnische Kunstszene versuche ich dabei besonders im Fokus zu behalten. Mit der polnischen Kunst bin ich aufgewachsen und auch polnische Künstler sind für mich wichtig. Aus der älteren Generation fallen mir Edward Krasinski oder Stefan Gierowski ein. In der jüngeren Generation Polens beeindruckt mich Monika Sosnowka oder Rafal Bujnowski.

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Deine nächsten Haltestellen sind Norwegen, Dänemark und Italien. Gibt es schon Pläne, wie es danach weiter geht? 

Genau. Zuerst verreise ich nach Norwegen für meine Residency. Dort möchte ich mich auf meine neuen Projekte konzentrieren und die Ruhe und Konzentration ausnutzen, da ich auch einiges für 2014 geplant habe. Danach fahre ich nach Kopenhagen zur Ausstellungseröffnung exTRAct, wo auch meine Arbeiten gezeigt werden. Vor allem freue ich mich auf meine erste Soloausstellung in Berlin bei der Galerie Jochen Hempel im Herbst 2014. Das sind meine nächsten Pläne und Ziele. Wer weiß wo ich sein werde, wenn ich die erreicht habe. Ich konzentriere mich gerne auf das jetzt.

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Vielen lieben Dank für deine Zeit und das Interview.

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WEITERE INFORMATIONEN

Mehr Informationen zu den Arbeiten von Natalia Załuska findet man auf ihrer Website unter www.nataliazaluska.com

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