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Monarchie mal anders: Am 06. November 2013 eröffnete der Fotograf Alfred Weidinger seine Ausstellung Könige in der Leica Galerie in der Walfischgasse 1, Wien. Innerhalb von vier Jahren hat Weidinger 118 Monarchen einer anderen Welt fotografiert.

Alfred Weidinger, hauptberuflich stellvertretender Direktor des Kunstmuseums Belvedere in Wien, hat eine besondere Leidenschaft: „Es begann in Somali mit der Porträtierung eines Sultans, der so charismatisch war, dass ich dachte: Da musst du eine Dokumentation machen.“ Danach reiste er nach Ghana und traf Könige.

In seiner jetzigen Ausstellung hält er an den letzten Königen Afrikas fest. Einige dieser Herrscher regieren über eine Fläche so groß wie Belgien, andere über eine Fläche von fünf Lehmhütten mitten in den Bergen. Spricht man von Königen, so haben diese oft keinen direkten hohen politischen Einfluss. Indirekt jedoch haben sie einen enormen Einfluss auf ihr Herrschaftsgebiet und somit auf die Wählerstimmen ihres Volkes. Dabei leben viele von ihnen ganz bescheiden, anders als es aus europäischen Königshäusern bekannt ist. Dennoch zeigen sie sich auf den Fotografien stolz und majestätisch. Weidinger zeigt in seiner Arbeit eine „aussterbende“ Dynastie von Königen. Diese sind nicht politisch eingesetzte Könige, sondern solche dessen Stammbaum teilweise bis ins 14. Jahrhundert reicht. Dass sie die letzten Könige sind hat einen politisch-religiösen Grund. Die islamischen Nachbarländer wie z.B. Saudi Arabien bemühen sich eine Islamisierung der afrikanischen Länder durchzusetzen. Die potenziellen Nachfolger der Könige haben aber kein Interesse die Thronfolge zu übernehmen, da sie befürchten wegen ihrer anderen Religion gegenüber dem islamischen Volk machtlos zu sein. Somit können die Fotografien schon jetzt als ein Blick in die Vergangenheit gedeutet werden. Ein weiteres Zeichen des Aussterbens wird deutlich, wenn man den hoheitlichen Schmuck betrachtet: dieser ist nicht aus Gold, sondern aus Stoff und den Afrika-typischen Glasperlen. Früher schmückten sich die Könige noch mit wertvollerem Material. Zwei Kronen aus den Jahren 1930 hat Weidinger mitgebracht, und auch in Wien wirken sie majestätisch.

Die Größe der ausgestellten Fotografien lässt schließen, dass der Fotograf auf Qualität statt Quantität setzt. Während seiner Reisen fotografierte Weidinger jeden König bis zu höchstens 12 Mal und macht sich nicht von dem Automatismus der digitalen Kameras abhängig, sondern stellt bevorzugt selbst die Belichtungszeit sowie den Fokus ein. Einige der Fotografien wirken verschwommen, da der Fokus auf dem Gesicht des Königs ist und dieses in einigen Fällen nicht mehr als 10 Prozent der Fotografie ausmacht. Im Rahmen der Aufstellung lässt Weidinger den Königen Freiraum zur Selbstinszenierung. „Nach einer halben Stunde verharren sie, haben Vertrauen zu mir gefasst und das ist der Moment, wann ich mit dem Fotografieren beginne.“ So zeigen die Fotografien, dass ein König es als repräsentativ empfand sich auf einem Tierfell zu portraitieren, einen anderen störte es nicht, wenn neben ihm noch eine Plastiktüte lag. Dadurch bleiben die Werke authentisch. Alfred Weidinger betonte dabei immer wieder es sei ihm wichtig zu dokumentieren. Deshalb sollen 90 weitere Könige folgen, damit die abgeschlossene Serie als ein dokumentarischer Buchband am Ende des kommenden Jahres erscheinen kann.

Die Dokumentation findet im Rahmen von Schwarz-Weiß-Fotografien statt. Weidinger wählt diese Form mit voller Absicht. „You have to touch the soul“ ist sein Hymnus. Und das gehe am Besten mit Schwarz-Weiß-Fotografien. Hier achtet der Betrachter mehr auf das Gesicht. Es werden Dinge sichtbar die sonst in Farbe untergehen.

Weidinger berührt die Seele der Könige und jeder, der sich seine eigene Seele berühren lassen will, sollte Ausstellung bis zum 25.01.2013 in der Leica Galerie nicht verpassen.

// Carolina Vinqvist

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