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Mit der Ausstellung „and Materials and Money and Crisis“ eröffnet das mumok den Raum für eine experimentelle Gruppenausstellungen und einen künstlerischen Diskurs. Die brisante Frage nach Subjekt, Objekt und Kapital ist keine leichte Museumskost und erfordert eine starke Auseinandersetzung mit dem Thema, der Begriffskonstellation und den gezeigten Werken. Es ist anspruchsvoll – vielleicht sogar etwas zu stark auf die Materialität an sich reduziert – sodass der Besuch dieser Ausstellung schnell zur Anstrengung werden kann. Die gezeigten Kunstwerke sprechen nicht deutlich genug für sich, und ohne den begleitenden Katalog würde man den Zusammenhang zwischen Material, Geld und Krise nur allzu schwer erkennen. Anna Maria Burgstaller berichtet …

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Die Idee zur Ausstellung entstand bei einem Symposium im April 2012 in New York, an dem Künstler, sowie auch Wirtschaftsfachleute teilnahmen. Der Kurator Richard Birkett kümmerte sich in Zusammenarbeit mit dem Künstler Sam Lewitt um die Umsetzung der experimentellen Auseinandersetzung aus künstlerischer Perspektive mit Fragen der Materialität und der Rolle des Kapitals im Kunstmarkt. Zu sehen sind Arbeiten von 11 Künstlern, manche eigens für „and Materials and Money and Crisis“  in Auftrag gegeben, oder dafür abgeändert. Das Ganze beginnt zeitlich bei der Entstehung des internationalen Währungsmarktes in den 1970ern – der Kern der Krise des Kunstmarktes – und führt bis hin zur Gegenwart. Seit der immer weiter fortschreitenden Abstraktion von Wertbegriffen wird der Geldfluss jeder materiellen Basis beraubt, was zu einer Unbeständigkeit im Kunstmarkt führt. Die Arbeiten versuchen den Geldmarkt mit der Kunst in direkte Verbindung zu stellen, indem die drei Begriffe Material, Geld und Krise auf ganz unterschiedliche Weise thematisiert werden. Die theoretische Basis zu dieser Ausstellung ist sehr tiefgreifend und spiegelt eine nicht minder brisante Diskussion wieder. Doch ist es schwierig ein solches Thema, das entsprechende Hintergrundinformationen beim Betrachter voraussetzt,  in einer Ausstellung gut nachvollziehbar darzustellen.

In den Arbeiten von Maria Eichhorn und Sam Lewitt wird versucht durch die Verwendung von unbeständigem Material, dass sich durch äußere Bedingungen verändert, die Beziehung zu Werk und Raum aufzuzeigen. Bei Terry Atkinson spielt die Veränderung, unabhängig vom Künstler, ebenfalls eine große Rolle. Er befüllt seine Holzkonstruktionen mit Schmierfett, ein Material das stark auf Temperaturschwankungen reagiert und sich dadurch ohne Zutun des Künstlers stetig verändert und mit dem Raum agiert. Durch dieses Aufzeigen und Betonen der Selbständigkeit mancher Werke sollen diese nicht mehr als Objekt, sondern als selbstständig handelnde Subjekte wahrgenommen werde. Doch bei diesen Arbeiten zeigt sich das Problem an der Umsetzung der Fragestellung nach Material und Wert deutlicher, als die Kritik daran. Indem man hier versucht der Kunst zu viel übermittelbare Information aufzulasten, wird das Ganze zu seinem eigenen Paradox. Die hier gezeigten Arbeiten mit unbeständigen Material sind als Kritik gedacht, üben aber die größte Kritik an ihrer eigenen Existenz, schließlich sind sie zwar in einer enormen Einfachheit konstruiert, aber dadurch auch nicht in der Lage die Problemstellung auf den Punkt zu bringen. Sie bilden also genau diese Werke der Kunst, in denen Wert und Materialität nicht mehr zusammenhängen zu scheinen, die sie eigentlich kritisieren sollten. Die Werke werden zu einer Metapher für die historischen Bedingungen des Künstlerdaseins im 21.Jahrhundert. Cheyney Thompson zeigt mit ihren Broken Volume acht minimalistische Betonskulpturen, die rein auf streng mathematische Algorithmen beruhen. Der sogenannte „Random walk“-Algorithmus fungiert  als Vorzeigemodell für die Volatilität der Finanzmärkte und betont die immer größer werdende Abstraktheit der Tauschwirtschaft, wo das Kapital gänzlich von der Produktion entkoppelt ist. Auch hier kann man sich fragen, ob eine Arbeit, indem sie rein mathematischen Gesetzten folgt, nicht nur die Abstraktheit der Tauschwirtschaft, sondern auch die des Kunstmarktes und vor allem der KünstlerInnen selbst betont. Die so stark angesteuerte Wirkung der Materialität bei den ausgestellten Werken wird bei Henrik Olesen in Produce 1-5 durch die Verwendung von Alltagsgegenständen ausgedrückt. Er versammelt Alltägliches, Verpackungsmaterial, Rechnungen und Ramsch, auf Acrylglasplatten und lässt so ein Archiv des Konsums entstehen, dass unsere Alltagsroutine und die damit einhergehende Abhängigkeit des Kapitalismus aufzeigt. Diese Arbeit ist eine der wenigen, die den Zusammenhang zwischen Material, Geld und Krise ohne große Umschweife auf den Punkt zu bringen scheint. Sie ist denkbar einfach, aber umso aussagekräftiger. Es ist eine der Arbeiten, mit denen man auch ohne großes Vorwissen etwas anfangen kann, weil ihre Aussage nicht versteckt, sondern plakativ preisgegeben wird.

Die gezeigten Arbeiten sind alles Projekte, aus einem breiten medialen Spektrum, die die Transformation der Materie des Kapitals im Kunstwerk als Thema haben. Die hier aufgezeigten Aspekte der Materialisation sind die direkten Reaktionen des Kunstmarktes auf die fortschreitende Krise der Wertermittlung und auf die Politik der Subjektivität. Leider sind die Reaktionen des Kunstmarktes genauso fiktiv, wie ihre Wertermittlung. Seit sich der Wert und Preis eines Werkes völlig von den materiellen Eigenschaften trennt und utopische Höhen erreicht, befindet sich die Kunst in einer kommerziellen Krise. Spätestens durch den Trend Kunstwerke als Kapitalanlagen zu kaufen ist der Kunstmarkt mit all seinen Medien untrennbar mit der Krise des Kapitalismus verbunden und der klare Zusammenhang zwischen Kunst und Kapital wird unbestreitbar. Die Frage nach der Materie eines Kunstwerkes führt uns direkt zu dem aufkeimenden Verlangen, die Grundlage der Kunstwerke zu erkunden – die Basis der Minimalismus Bewegung. Die Besonderheit der Produktion und Rezeption von Kunst mündet in ihre Form der Präsentation. Aber bei der Präsentation wurde zu sehr an das Problem gedacht, und dabei auf das Publikum vergessen. Die Umsetzung ist leider etwas zu abgehoben, zu sehr auf Spezialisten gerichtet, und zu wenig auf das Essentielle der Kunst konzentriert: die BetrachterInnen.

Vor kurzem verkaufte Banksy, der berühmte Street Art Künstler, seine Bilder zu einem Schleuderpreis im New York Central Park. Da er seinen Namen aber nicht nannte, wurde er seine Bilder nur mühselig los – Bilder die am Kunstmarkt bereits bis zu 1,8 Millionen Dollar einbrachten. (Quelle: http://diepresse.com/home/kultur/kunst/1464846/Banksy-verkauft-im-Central-Park-billig-Bilder, Stand: 22.11.13) Mit dieser Aktion gelingt es Banksy mit einfachen Mitteln dem Kunstmarkt an die Nase zu fassen. Er zeigt, dass es nicht mehr um das Werk an sich geht, sondern bloß um den Namen, der darunter steht. Der Name überschattet die Materialität und ihren eigentlichen Wert und führt so direkt in die Krise der modernen Kunst. Das Erfassen von den technischen Bedingungen und Organisationssystemen wird erst durch inszenierte Brüche deutlich. Erst das Abweichen von der Norm verstärkt den internen Konflikt des Kunstmarktes und macht so die Abhängigkeit von Material, Geld und Krise deutlich. Banksy zeigt, dass dieser Konflikt auch auf einer weniger intellektuelleren, dafür umso menschlicheren Ebene geführt werden kann. Ein Aspekt, der in „and Materials and Money and Crisis“ leider aus den Augen verloren wurde.

 ANNA MARIA BURGSTALLER

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WEITERE INFORMATIONEN

Die Gruppenausstellung and Materials and Money and Crisis ist bis zum 02. Februar 2014 im mumok zu sehen.

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