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Das MAK zeigt Franz von Zülows Liebe zu Papier. Aus dem Nachlass des umfangreichen Werks sind Grafiken und dreidimensionale Papiergebilde zu sehen. Der Witz und Charme, der in allen Arbeiten gegenwärtig ist, wird anlässlich des 130. Geburtstags und des 50. Todestags des Künstlers wieder ins Gedächtnis gerufen. Wanda Spahl hat sich die Ausstellung genauer angeschaut…

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Vita zwischen Wien und Haugsdorf

Im Ausstellungskatalog beleuchten sechs AutorInnen ausführlich die verschiedenen Aspekte von Zülows Schaffen. So leistet die Kuratorin Kathrin Pokorny-Nagel einen wichtigen Beitrag zur biographischen Aufarbeitung. Ausführlich schildert sie das Leben des Malers und Grafikers. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts arbeitet er für die Wiener Werkstätte und ist im Dialog mit der Wiener Secession. Zeitlebens beschäftigt Zülow das einfache, bäuerliche Sujet. Die niederösterreichische Mutter kommt aus einer Bauernfamilie in Haugsdorf; sie und der Sohn verbringen dort viel Zeit. Die Beziehung  Zülows zur bäuerlichen Lebenswelt wird von Roland Girtler im Katalog analysiert.

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Einzigartige Monatshefte

Besonders spannend sind die sogenannten „Monatshefte“: Zwischen 1909 und 1915 gibt  Zülow jene handgemalten, oder in geringer Auflage gedruckten, Mini-Bildbände heraus. Abonnenten sind unter anderem Egon Schiele, Josef Hoffmann und Gustav Klimt. Das MAK zeigt nicht nur publizierte, sondern  auch die unveröffentlichte Vorlage des letzten Heftes wird präsentiert. Die in ihrer Kleinteiligkeit faszinierenden Arbeiten sind von bäuerlichen Motiven geprägt. Vor dem Hintergrund der Entwicklung digitaler Abonnements verweisen jene Arbeiten  auf eine langsamere und gemütlichere Welt. Sie drücken eine Sehnsucht der heutigen Zeit aus und gerade das macht sie so aktuell. Die „Monatshefte“ zeichnen sich durch die besondere Haptik dieser gefalteten Bilder und das Wissen um die endliche Reproduzierbarkeit, beziehungsweise die Einzigartigkeit des Gemalten, aus. Es drängt sich der Gedanke auf, dass diese Hefte gerade heute Erfolg im Vertrieb hätten.

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Kunst für Kinder

Die Ausstellung gibt auch einen Einblick in die dreidimensionalen Papierfiguren Franz von Zülows. Diese erschaffen kleine, farbenprächtige Welten und laden zu einer längeren Betrachtung ein. Keine Fotografie kann die kindliche Faszination solcher Gebilde wiedergeben. Sie machen Lust,sich selbst seine eigene kleine Welt zu erbauen. Friedrich C. Heller widmet sich im Ausstellungskatalog den Arbeiten von Zülows, die als Kunst für Kinder entstanden sind. Dieser zitiert den Kenner der Wiener Kunstszene Joseph August Lutz 1905:

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[quote style=“boxed“ float=“left“]Bei dem jungen Maler Zülow, der in dieser Ausstellung das erste Mal an die Öffentlichkeit tritt, haben es die Leute wohl leichter. […] Seine naive Darstellungsweise ergötzt jedes kindliche Anschauungsvermögen. Wandbilder für Schule und Haus, Bilderbücher, Kunst fürs Kind oder das unverbildete Volk – keiner könnte es besser darin als der junge Zülow.[/quote]

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Anwendung der Angewandten Kunst

Der lange Raum der Ausstellung deckt verschiedene Seiten von Zülows ab. Neben dem bereits erwähnten sind Zeichnungen und aber auch Fotografien mit Zülow in Wien oder Abbildungen seiner Raumgestaltungen zu sehen. Beim Betrachten bleibt für mich eine vage Irritation bestehen. Gerne würde ich die Objekte berühren, sie verschieben oder die „Monatshefte“ selbst entfalten. Doch diese Diskrepanz einer Ausstellung von Angewandter Kunst lässt sich wohl nur schwer auflösen. Dennoch möchte ich auf folgende Beobachtung verweisen: Der Mitherausgeber des Katalogs, Christoph Thun-Hohenstein, bezeichnet den Künstler als eine Art personifizierte Durchsetzung des Secessionsgedankens. Er durchdringt den Alltag der Menschen mit Kunst.

// Wanda Spahl

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AUSSTELLUNGSTIPP

„Franz von Zülow. Papier“: 27.11.2012 – 11.05.2014 im MAK – Österreichisches Museum für Angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien

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[1]          Lux, Joseph August nach Heller, Friedrich C.: „Dort geben aber die Kinder keine Ruhe…“ In: Thun-Hohenstein, Christoph / Pokorny-Nagel, Kathrin (Hrsg.): Franz von Zülow. Papier. Paper. MAK Studies 22. Verlag für moderne Kunst Nürnberg. 2013. S. 26.

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