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In Wiens berühmten Galerieviertel präsentiert sich die Galerie Michaela Stock mit außergewöhnlichen Künstlern, drei Ausstellungsräumen, der Energie Neues auszuprobieren und dem gewissen Herzblut, das die Galerie authentisch, sympathisch und interessant zugleich macht. Carolina Vinqvist traf sich mit der jungen Galeristin…

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Ihre Philosophie oder besser Ihr Motto ist: „Kleiner Raum mit großer Ausstrahlung“. Dafür braucht man vor allem aussagekräftige Künstler. Nach welchen Kriterien haben Sie Ihr festes Repertoire von 12 Künstlern zusammengestellt?

Angefangen hat es mit Arbeiten, die mich persönlich angesprochen haben. Ich habe dann die Künstler getroffen, mich mit ihnen auseinander gesetzt und mir die Arbeiten erklären lassen. Ihre Werke sind außergewöhnlich. Arbeiten, die einen sofort in den Bann ziehen – das interessiert mich!

Zunächst hatten wir den Fokus in Richtung Skulptur und Installation gesetzt. Das Motto war „Schrill und Bunt“, aber das ändert sich stetig. Die Umstrukturierung im letzten Jahr hat dann noch mal dazu beigetragen, dass wir den Fokus auf kroatische Konzeptkunst gelegt haben. Dieser Markt ist für uns sehr interessant, denn in Kroatien selbst gibt es wenige Galerien, die kommerziell arbeiten. Durch meinen Einstieg eine Ausstellung, für das MSU (Museum of Contemporary Art in Zagreb) zu kuratieren, kann ich den Kunstaustausch zwischen Österreich und Kroatien nutzen und entdecken.

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Momentan zeigen Sie u.a. Lichtinstallationen des Künstlers Hans Kotter. Wie funktioniert bei Ihnen der Prozess der Ausstellungsplanung? Ist es ein gemeinsamer Ablauf oder finden Sie es auch mal interessant, wenn der Künstler eine Ausstellung ganz nach seinen Vorstellungen umsetzen möchte?

Eigentlich sage ich dem Künstler gar nichts! Klar, ich frage ihn: „Wann hast du nächstes Jahr Zeit, ich würde gerne eine Ausstellung mit dir machen.“ In dem Fall hat zum Beispiel Hans Kotter um einen Termin gebeten an dem es dunkel ist, also eher im November bzw. Dezember. Aber alles wie es hier zu sehen ist hat er selbst konzipiert. Bei dem VALIE EXPORT Kubus habe ich dann nur etwas geholfen, weil ich den Raum schon kannte. Da muss man mehr bedenken: was kann man aufbauen und wie kann man das transportieren. Es waren eher Anregungen als Vorgaben. Die Künstler kennen meine Räume und können sie nach eigenen Ideen gestalten. Katharina Struber z.B. hatte eine Ausstellung in der Galerie, bei der ich mich anpassen musste und den Raum für ein 5 Meter großes Bild schaffen musste. Und auch das hat geklappt.

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Sie bieten auch Künstlern außerhalb Ihres festen Repertoires eine Ausstellungsfläche. Das ist toll, so verstarrt man nicht in den Mustern des festen Programms. Zu sehen sind aktuell auch Kate Terry und Lukas Troberg. Wie passen die Arbeiten der Künstler in Ihr Konzept?

Kate Terry ist eine Gastkünstlerin und Lukas Troberg gehört in unser Programm. Vor 2 Jahren war er auch Gastkünstler, aber er hat mich mit seinen Arbeiten so überzeugt, dass ich ihn unbedingt in meinem Programm haben wollte.

Lukas Troberg war bereits eingeplant für eine Ausstellung und ich hatte die Idee, die Beiden zusammen zubringen. Er hatte gerade Skulpturen aus Acrylglas gemacht. Das ist total interessant, weil Kate Terry in ihren Verspannungen auch Acrylteile verwendet. Und es hat auch ein bisschen unsere Ausstellungs-Reihe von britischen Künstlerinnen mit Twinkle Troughton und Tinsel Edwards abgeschlossen, die wir im Juni/Juli gezeigt haben.

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Sie sagen: „Der Kunst sind in dieser Galerie keine Grenzen gesetzt“. Was für Grenzen gibt es für Sie in der Kunst, die Sie in weiterer Folge in Ihrer Galerie aufheben können?

Das ist schwer! Ich bin für alles sehr, sehr offen. Es ist immer gut dem Künstler seine Vision zu ermöglichen. Manchmal gibt es finanzielle Grenzen. Aber das ist auch gut, dann bewegt man sich langsam aber stetig weiter.

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Wäre es eine Grenzüberschreitung, wenn bei einer Live-Performance Blut fließen würde?

Das hatten wir schon. Slaven Tolj hatte sich bei einer Performance mit einem Penis aus Glas in die Hand geschnitten. Die kroatische Kunstszene hat aber generell eine Tendenz, dass in ihrer Kunst viel mit den Künstlern selbst passiert. Slaven Tolj hatte zum Beispiel auch eine Ausstellung in New York, in der er bei der Performance Globalization Whiskey und Vodka bis zum eigenen Unbewusstsein trank.

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Das erinnert mich an Marina Abramović und ihre Performance, in der sie ein Kilogramm Honig und einen Liter Wein trank…

Ja, genau! Hauptbeeinflusser dieser Art von Performance ist Tomislav Gotovac, den wir auch in unserem Programm haben. Künstler können damit einfach den Schmerz besser ausdrücken. Natürlich möchte ich nicht, dass etwas Ernstes passiert. Aber man kennt den Künstler, weiß wie er arbeitet und kann dann zur Not auch dementsprechend reagieren.

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Der Kunsthistoriker und Die Zeit Journalist Herr Dr. Hanno Rauterberg hatte in einem Oktober Artikel bemängelt, dass viele Künstler sich nicht trauen eine eigene Meinung bzw. Stellungnahme zu machen. Er sagt: „Einen politischen Kopf wie Beuys oder Schlingensief (…) sucht man unter den Gegenwartskünstlern vergeblich.“ Müssen hierfür die Grenzen erweitert werden – und würde das etwas ändern? Glauben auch Sie, dass es in der zeitgenössischen Kunst an politischen Themen mangelt?  

Gerade die kroatischen Künstler wie z.B. Slaven Tolj arbeiten genau in diese Richtung. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und bekommt dadurch auch Probleme. Das was er nicht mag, bringt er auf den Punkt. Klar, dass das nicht jeder gut findet und er das auch zu spüren bekommt. Aber genau das ist auch ein Grund, warum mich die kroatische Konzeptkunst so interessiert. Alle haben noch den Krieg vor Augen, oder ganz aktuell: Die Abstimmung über die gleichgeschlechtliche Ehe – da werden uns sicher wieder spannende Arbeiten erwarten.

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Almuth Spiegler von ‚Die Presse‘ behauptete in einem kürzlich erschienen Artikel, dass die Wiener Kunstszene stillsteht. Wie schätzen Sie die derzeitige Lage der Wiener Kunstszene ein?

Das glaube ich nicht. Sobald man an die Angewandte geht und mit den jungen Studenten redet, stellt man fest, dass sie überaus aktiv sind. Die Frage ist jedoch: Was ist Stillstand? Wird zu wenig ausgestellt oder produziert? Kümmern sich zu wenige Galerien und Museen um junge Künstler? Ich das Projekt „GLEAM“ ins Leben gerufen. Dabei wähle ich einen Kunststudenten aus, der vier weitere Studenten auswählt. Die bekommen dann einen Raum in der Galerie zur Verfügung gestellt, den sie für eine eigenständige Ausstellung nutzen können. Von diesen vier wähle ich dann den nächsten Kurator, der wieder vier Studenten auswählt, und so weiter. Dadurch bekommt man immer wieder neue Perspektiven und gibt jungen Künstlern die Chance gesehen zu werden. Aber so wie sich die Professoren um die Studenten kümmern, kann man nicht von Stillstand sprechen. Vielleicht muss auch einfach nur die Presse mehr berichten!

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Dass die Kunst nicht stillsteht zeigen auch wichtige Kunstmessen. Für die nächste dOCUMENTA 14 ist ein Kurator aus Polen gewählt worden. Glauben Sie das ist auch ein Zeichen für den fortschreitenden osteuropäischen Kunstmarkt?

Das kann schon sein. Gerade die polnische Szene hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit bekommen. Aber die Kuratoren werden eigentlich nach dem ausgewählt, was sie bisher geleistet haben und welche Kontakte sie haben. Man wird dann sehen, wo er den Fokus setzt.

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Was halten Sie von Künstlern wie Jeff Koons, die mit Werken zweistellige Millionenbeträge verdienen? Gibt es da noch eine Message? Oder ist es einfach nur noch Dekadenz?  

Die Frage ist, ob es wirklich für den Preis verkauft wurde oder ob Mittelsmänner das Werk kauften, um die Publicity anzukurbeln. Klar finde ich es etwas übertrieben. Da ist dann wirklich die Frage, was zählt: Der Entwurf und die Signatur des Künstlers. Doch eigentlich ist die Kunstszene ein großer Businessmarkt und viele kalkulieren, ob und wie die Preise steigen. Und das ist eigentlich schade.

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Viele sehen Kunst rein auch als Investment…   

Sehr viele! Auf einem Galeristenkongress sagte eine Journalistin vor kurzem: Nach Gold hat Kunst den besten Anlagewert.

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Was steht 2014 in der Galerie Michaela Stock an? Worauf dürfen wir uns freuen?

Es beginnt mit einer Ausstellung von Viktors Svikis, einem lettischen Künstler,  den kroatische Künstler Slaven Tolj und zeitgleich eine Ausstellung von Alexander Viscio mit einem ganz besonderen Projekt für das Centennial in Sarajevo. Vienna Gallery Weekend mit Marko Zink,  einen montenigrinischen Künstler und im Rahmen des Monats der Fotografie Katharina Struber. Und dann ist auch schon wieder das nächste Jahr. Es ist viel zu organisieren, aber es macht immer viel Spaß und ich bin mit Herz dabei.

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Vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg im nächsten Jahr.

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INFORMATIONEN ZU DEN AUSSTELLUNGEN 2014 IN DER GALERIE MICHAELA STOCK

 

Ausstellungstitel:  nuts and bolts
KünstlerIn: Viktors Svikis (LV)
Dauer der Ausstellung: 17.1.- 8.3.2014

Ort: Galerie Michaela Stock & NEXT DOOR

 

Ausstellungstitel: To my three Z
KünstlerIn: Slaven Tolj (HR)
Dauer der Ausstellung: März-April

Ort: Galerie Michaela Stock

 

Ausstellungstitel: TBA
KünstlerIn: Alexander Viscio (USA) & Patrick Baumüller (A)
Dauer der Ausstellung: März-April

Ort: NEXT DOOR Galerie Michaela Stock & UNTERER STOCK

 

Ausstellungstitel: Olympia
KünstlerIn: Marko Zink (A)
Dauer der Ausstellung: Mai-Juni

Ort: Galerie Michaela Stock – VIENNA GALLERY WEEKEND

 

Ausstellungstitel: TBA
KünstlerIn: Tomislav Gotovac (HR)
Dauer der Ausstellung: Juli-August

Ort: Galerie Michaela Stock

 

Ausstellungstitel: TBA
KünstlerIn: Milija Pavicevic (MN)
Dauer der Ausstellung: September-Oktober

Ort: Galerie Michaela Stock

 

Ausstellungstitel: TBA
KünstlerIn: Katharina Struber (A)
Dauer der Ausstellung: November-Dezember

Ort: Galerie Michaela Stock – Monat der Fotografie in Wien, Vienna ART WEEK

 

 

Galerie Michaela Stock

Schleifmühlgasse 18

1040 Vienna/Austria

T: +43-1-920 77 78

M: +43-699- 1920 77 78

 

Öffnungszeiten:

Di-Mi: 16-19 h

Do-Fr: 11-19 h

Sa: 11-15 h

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