Es ist die erste Messe für Medienkunst in München – mit der UNPAINTED media art fair widmet man sich vom 17.-20. Januar 2014 der Frage, wie sich die Kunst durch die Einflüsse der stetigen Digitalisierung unserer Welt verändert hat. Sabrina Möller sprach mit Anita Beckers über ihre Frankfurter Galerie und die Entwicklung der Medienkunst…

 

Erzählen Sie uns zunächst bitte etwas mehr über Ihre Galerie. Welche künstlerischen Positionen vertreten Sie bzw. haben Sie den Fokus Ihrer Galerie rein auf die Medienkunst ausgerichtet?

Die Galerie existiert seit fast 20 Jahren und schon 1993 haben wir die erste Medienkunst von Alba D´Urbano, einer Assistentin von Peter Weibel aus dem Institut für Neue Medien in Frankfurt gezeigt. Das kontinuierliche Zeigen und Gegenüberstellen von zeitbasierten Medien und traditioneller Kunst seit über 15 Jahren in der Galerie in Frankfurt hat wesentlich zur Akzeptanz und zum Verständnis dieser neuen Kunst beigetragen.

Wir vertreten internationale Video- und Filmkünstler sowie KünstlerInnen die das zeitbasierte Medium in ihre Arbeit integrieren, wie Bjoern Melhus, Stefan Constantinescu, Kota Ezawa, William Lamson, Clare Langan, Katya Bonnefant, Johanna Reich, Peter Weibel u.a.

 

Was hat Sie dazu motiviert, sich innerhalb Ihres Programmes vermehrt der Medienkunst zuzuwenden?

Die Galerie entstand aus einer langjährigen privaten Sammeltätigkeit mit meinem Mann, die noch keine Videokunst beinhaltete. Bjoern Melhus Video „no sunshine“, für das er 1998 den Marler Videokunstpreise erhielt, hatte meiner bisherigen Sichtweise auf die Kunst eine neue Dimension zugefügt, deren Faszination ich mich nicht mehr entziehen konnte.

Galeristen für die traditionellen Medien gab es schon in den 90er Jahren genug, aber Galerien, die dem Bewegtbild den gleichen Raum innerhalb ihres Programms eingeräumt haben, gab es kaum oder gar nicht. Die Neugierde, an dem Entstehen von Neuem teilzuhaben hat mich immer gereizt und diese künstlerischen Positionen brauchten eine zusätzliche Plattform, die über die üblichen Festivals hinausging.

 

Wie hat sich die Kunst durch die Einflüsse der stetigen Digitalisierung in den letzten Jahren verändert?

Wie sie sich verändert hat, daran können ja alle partizipieren, viel spannender ist es, wohin sie sich in der Zukunft unter dem Einfluss der Technik und den social media Plattformen weiterentwickeln wird. Das Bewegtbild ist in die zeitgenössische Kunstproduktion voll integriert, die selbstverständliche Nutzung der Künstler bildet sich inzwischen in allen künstlerischen Techniken ab und es hat die Videokunst endlich aus ihrer „Schublade“ befreit.

 

Die Medienkunst hat nicht nur auf gängigen Kunstmessen, sondern auch allgemein im Kunstmarkt derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Wie beurteilen Sie die derzeitige Rolle der Medienkunst und welche Tendenzen erkennen Sie?

Vorwiegend auf Kunstmessen war das Zeigen von Videokunst in den vergangenen Jahren von Versuch und Irrtum geprägt. Da die Akzeptanz des Mediums aber stetig – auch am Kunstmarkt – zunimmt, taucht die Videokunst auch innerhalb der normalen Messen immer wieder auf, da gerade die etablierten Galerien die Zeichen der Zeit erkannt haben. Die Tatsache, dass wir die erste Biennale für das bewegte Bild in Frankfurt hatten und in München nun die erste Messe für technologiebasierte Kunst stattfindet, zeigt, dass sich auch in Deutschland etwas in der Wahrnehmung und am Interesse im allgemeinen positiv verändert hat.

Julia Soekeland aus Hamburg und ich haben aus organisatorischen Gründen die Videoplattform blinkvideo.de produziert, die sich ganz schnell zu einem international  stark frequentierten research tool entwickelt hat. Dadurch kann auf das zeit- und kostenintensive Verschicken von Preview DVD`s verzichtet werden, andere Galerien können ebenfalls ihre Künstlervideos einstellen und so entstand in kurzer Zeit bereits eine Art „Bibliothek“ von über 1.500 Videos, die passwortgeschützt online zu sehen sind.

 

Inwieweit unterscheidet sich die Arbeitsweise aus der Perspektive der Galerie durch die Beschäftigung mit Medienkunst im Vergleich zur Arbeit mit klassischen Medien?

In erster Linie würde ich die Investitionen und den Zeitaufwand zum Betrieb einer Galerie mit Bewegtbild mindestens doppelt so hoch ansetzen, als bei einer Galerie mit traditionellen Medien. Die niedrigeren Transportkosten werden durch den hohen Technikbedarf mehr als nivelliert UND die Verkaufserfolge liegen in der Regel immer noch weit unter der traditioneller Kunst. Eine Videogalerie erfordert zusätzlich geschultes Personal sowohl in der Galerie als auch bei der Realisierung von Ausstellungen.

Mein persönliches Fazit: Die von uns seit über 15 Jahren zusätzlich betriebene Videogalerie hat sehr vielen internationalen KünstlerInnen Ausstellungsmöglichkeiten eröffnet, in denen sie außerhalb des Festivalbetriebes ihre Werke der bildenden Kunst gegenüberstellen und somit auch an einer anderen Rezeption teilnehmen konnten.

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Welche Künstler werden Sie uns auf der UNPAINTED präsentieren?

Peter Weibel

und

Jack + Leigh Ruby, produziert von Eve Sussman und Simon Lee, NY

 

Warum haben Sie sich für diese Künstler entschieden bzw. was zeichnet die Arbeiten dieser Künstler besonders aus?

Peter Weibel ist der Pionier der Medienkunst schlechthin und hat sie nicht nur als Künstler, sondern auch ihre Entwicklung theoretisch und kuratorisch weltweit mitbestimmt.

Eve Sussman und Simon Lee sind bekannte amerikanische Medienkünstler, die neben ihrer eigenen Arbeit mit ihrer Rufus Cooperation auch Werke anderer Künstler produzieren. Wir zeigen eine Installation von Jack + Leigh Ruby, in der verschiedene Entwicklungsschritte, die zu der auf der B3 Biennale in Frankfurt gezeigten Raumpräsentation Car Wash Incident geführt haben und die auch als Einzelarbeiten präsentiert werden können.

 

Welche Erwartungen haben Sie an die UNPAINTED?

Ich habe viele Jahre auf eine derartige Messe gewartet und bin sehr gespannt, ob das Publikum sie annehmen wird. Ich erhoffe mir Kontakte zu einem auf der Höhe der Zeit stehenden Interessentenkreis.

 

Auf welche Aussteller sind Sie besonders gespannt?

Ich bin interessiert künstlerische Werke zu entdecken, die mir bisher nicht begegnet sind. Auch erwarte ich, dass sich eine Kontinuität der jüngeren Entwicklung dieser technologiebasierten Kunst durch die verschiedenen Aussteller abbildet und das durch die Panel-Veranstaltungen Wissensdefizite ausgeglichen werden.

Die ZERO Gruppe erfährt gerade jetzt ihre erste internationale Anerkennung durch die bevorstehende Retrospektive im Guggenheim Museum. Vielleicht können die bei UNPAINTED gezeigten Kunstwerke, die teilweise ebenfalls schon in den 60er Jahren und früher entstanden sind, ihre kunsthistorische Relevanz und deren Fortschreibung in die Gegenwart belegen.

 

Vielen herzlichen Dank!

 

INFORMATIONEN

Mehr Informationen zur Galerie Anita Beckers gibt es unter www.galerie-beckers.de