Zukunftsweisend ist nicht nur, dass die UNPAINTED new media fair die erste Messe für die Medienkunst in München ist, sondern auch, dass die Messe sich unter anderem der Förderung junger künstlerischer Positionen verschrieben hat. In einem kuratierten Bereich können sich die Künstler daher – ohne Anbindung an eine Galerie – selber präsentieren. Sabrina Möller sprach mit der Künstlerin Birthe Blauth nicht nur über die Entwicklung der Medienkunst, sondern vor allem auch darüber, wie sich Medienkünstler heute im Markt positionieren und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen…

 ___

Auf der UNPAINTED wird Künstlern im LAB3.0 – ohne Anbindung an eine Galerie – eine Art Förderkoje zur Verfügung gestellt, um sich im Kontext der Messe zwischen jungen aber auch neben etablierten Galerien zu positionieren. Die Ursache für diese neuartige Förderung stellt die Problematik dar, dass es für Medienkünstler immer noch schwer ist, von einer Galerie vertreten zu werden und damit auch eine internationale Präsentation ihrer Arbeiten mehr als schwierig bleibt. Wie sind Ihre Erfahrungen im Hinblick auf diese Thematik und was muss verändert werden, um die Lage zu verbessern?

Grundsätzlich ist es für Künstler, die experimentell arbeiten – dazu gehört heutzutage die Auseinandersetzung mit den Neuen Medien – und deren Arbeiten schwer zugänglich sind, nie einfach. Was die Sehgewohnheiten bedient, schnell einzuordnen ist, wird leichter verkauft als das, was seiner Zeit voraus ist.

Es würde die Lage verändern, wenn Künstler einen hohen Status in der Gesellschaft als Wegbereiter neuer Denkweisen hätten, wenn die Gesellschaft die Herausforderung zum Weiterdenken, zum anders Wahrnehmen, die in den Arbeiten steckt, annähme. Wir brauchen eine Neudefinition der Rolle der Kunst und der Künstler. Nicht mehr Kunst als Handelsware und Dekorationsobjekt, sondern Künstler als Wegbereiter, Vor- und Querdenker.

Wird ein Künstler von einer Galerie vertreten, werden nicht nur die entsprechenden Vorbereitungen seitens der Galerie getroffen, sondern auch der Verkauf erfolgt vor Ort durch die Mitarbeiter. Wie ist das für Sie, wenn Sie nun auf der Messe in genau diese Rolle wechseln bzw. Künstler, Organisator und ‚Verkäufer‘ zugleich sind?

In meinen künstlerischen Arbeiten steckt viel organisatorische Arbeit, insofern habe ich mit den ersten beiden Rollen kein Problem. Die Verkäuferrolle ist nicht meine Stärke, daher möchte ich sie nicht dauerhaft übernehmen und habe mir auch jemanden zur Unterstützung dafür geholt. Was mich aber sehr interessiert und mich auch in meiner künstlerischen Arbeit weiterbringt, ist das Gespräch mit den Besuchern über meine Arbeit. Wie wird sie wahrgenommen, wie reagieren die Menschen, welche Fragen werden gestellt?

 

Warum haben Sie sich für die Neuen Medien als künstlerisches Medium entschieden? Was fasziniert Sie daran? 

Ich kann meine Fragestellungen besser und formal zeitgemäßer mit Neuen Medien ausdrücken. Ich habe ein riesiges Gebiet an Gestaltungsmöglichkeiten, das sich rasant weiterentwickelt. Aber ich habe auch viele Ideen, die ich nicht realisieren kann, weil es technisch noch nicht möglich oder zu teuer ist.

Die Meinung, dass Medienkunst nur schwer verkäuflich ist, ist nach wie vor weit verbreitet – und das nicht nur beim Laien, sondern auch im Kunstmarkt selber finden sich noch vermehrt solche Ansichten. Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld bzw. können Sie veränderte Tendenzen wahrnehmen?

Es ist eine Zeitfrage, dass der Anteil und die Bedeutung der Medienkunst wachsen werden. Damit verbunden wird die Bereitschaft der Menschen zunehmen, sich damit auseinanderzusetzen. Auch innerhalb der Medienkunst gibt es ein breites Spektrum zwischen dekorativen, wahrscheinlich leichter verkäuflichen Arbeiten und sperrigen.

 

Inwieweit unterscheidet sich die Arbeit mit den Neuen Medien aus der Perspektive des Künstlers von den klassischen Medien wie Malerei und Skulptur? Welchen Herausforderungen müssen Sie sich stellen?

Ich lerne ständig dazu, sowohl inhaltlich als auch technisch. Das ist äußerst anregend und daraus erwachsen wieder viele neue Ideen. Die Neuen Medien bieten mir mehr Dimensionen und Möglichkeiten des Ausdrucks. Das ermöglicht die Entwicklung sehr komplexer und vielschichtiger Arbeiten.

 

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Medienkunst für die kommenden Jahre ein?

Es ist schon heute für sehr viele Künstler normal mit vielen Medien zu arbeiten, natürlich auch mit Neuen Medien. Das wird in einigen Jahren ganz selbstverständlich sein. Der Anteil an Medienkunst in Ausstellungen, Museen und Sammlungen wird steigen.

 

Welche Arbeiten werden Sie uns auf der UNPAINTED präsentieren?

Ich zeige eine mehrteilige Installation mit dem Titel „Driftwood“. Sie besteht aus mehreren Videos, großformatigen Leinwänden und einer begehbaren Litfasssäule. Die Arbeit handelt von unserem Denken, seiner Unschärfe, den ständig auftauchenden Assoziationsketten, der Vermengung des momentanen Erlebens mit der Erinnerung, dem Kreisen um bestimmte, subjektiv ausgewählte Momente aus dem Meer an Möglichkeiten. Wir sind gefangen in unserem Kopf. Innen und außen sind nicht unterscheidbar. Ein Video zeigt einen Gang durch labyrinthisch verschlungene Räume, in denen Postkarten an den Wänden Türen zu neuen Räumen des Erinnerns sind. Ein anderes Video zeigt schemenhafte Gegenstände, die sich assoziativ fortentwickeln in einem Meer von Bildrauschen. An der Wand lehnt ein Stapel großformatiger Leinwandbilder, auf denen jeweils ein Moment detailliert scharfes Bildrauschen abgebildet ist, der ausgewählte, fruchtbare Moment der Erinnerung.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Weil diese Arbeit auf einer zweiten Bedeutungsebene eine Auseinandersetzung mit dem Werkbegriff ist, mit der Wahl der Medien, mit zeit- und nicht zeitbasierten Medien, mit unserem Drang, nicht nur Erinnerungen, sondern auch materielle Objekte wie Bilder zu sammeln. Daher fand ich sie perfekt für die UNPAINTED.
Was erwarten Sie sich von der UNPAINTED?

Ich wünsche mir viel Aufmerksamkeit für meine Arbeit und interessante neue Kontakte.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

 

 

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen zu den Arbeiten von Birthe Blauth finden Sie unter www.bblauth.de

Kontakt: info@bblauth.de

__

[fblike url=“https://www.facebook.com/ArtAndSignatureMagazine“ style=“standard“ showfaces=“true“ width=“450″ verb=“like“ font=“arial“]

__