Es ist die erste Messe für Medienkunst in München – mit der UNPAINTED media art fair widmet man sich vom 17.-20. Januar 2014 der Frage, wie sich die Kunst durch die Einflüsse der stetigen Digitalisierung unserer Welt verändert hat. Sabrina Möller sprach mit dem Wiener Galeristen Georg Peithner-Lichtenfels über die Entwicklung der Medienkunst, sowie über die Künstler Anna Werzowa und Jürgen Pass… 

 

Erzählen Sie uns zunächst bitte etwas mehr über Ihre Galerie. Welche künstlerischen Positionen vertreten Sie bzw. haben Sie den Fokus Ihrer Galerie rein auf die Medienkunst ausgerichtet?

Die Galerie besteht seit mehr als 5 Jahrzehnten. Ende der 90er Jahre habe ich nun den Fokus auf die zeitgenössische Kunst gelegt. Hierbei vertrete ich aber keine geschlossenen isolierbaren Positionen, sondern zeige vielmehr verschiedene künstlerische Ansätze, die wachsen und die sich verändern (können). Es gibt zwischen den von mir vertretenen KünstlerInnen keinen formalen gemeinsamen Nenner. Die Kunst, die ich ausstelle, bewerte ich nach der Prämisse, ob sie den BetrachterIn zu bewegen und zu irritieren vermag. Dies geht naturgemäß über die Kriterien der Zuordenbarkeit einem bestimmten Medium hinaus.

 

Was hat Sie dazu motiviert, sich innerhalb Ihres Programms vermehrt der Medienkunst zuzuwenden? 

Die KünstlerInnen, die ich vertrete, sind nicht nur in einem Medium tätig, sondern äußern ihre Gedanken vielfältig. Der Vorteil der zeitgenössischen KünstlerInnen besteht darin, dass sie nicht mehr „schubladisiert“ werden. Ganz im Gegenteil, es wird viel ausprobiert und je nach der Ausdrucksstärke das geeignete Medium gewählt. Diese Offenheit und Durchlässigkeit beeindruckte mich und ich tastete mich an die Medienkunst heran. Mein Galerieprogramm versuche ich nun so zu gestalten, dass darin auch ungewöhnliche Methoden Eingang finden, die nach Innovation und zukunftsweisenden Ideen streben.

 

Wie hat sich die Kunst durch die Einflüsse der stetigen Digitalisierung in den letzten Jahren verändert?  

Bestimmt sind wir eine Bilderkonsumgesellschaft geworden. Alles wird bilderlastig vor- und zubereitet, um möglichst groß und lang aufzufallen. Ich halte es jedoch für übertrieben, dies einstimmig zu verdammen. Die Digitalisierung hat enorme Vorteile: Ich kann auf der Messe in Istanbul etwas zeigen, meinem aus St. Petersburg stammenden Kunden umgehend eine Abbildung in bester Qualität auf sein iPod senden und meine Galerie in Wien um eine ergänzende Bilderrecherche bitten. Ist doch herrlich!

Ferner muss es ja auch nicht unbedingt heißen, dass das Auge übersättigt wird und kaum etwas wahrnimmt. Ich werde es auch nicht bewerkstelligen, das früher im Gedächtnis gespeicherte Bild automatisch durch ein neu aufgetauchte zu ersetzen.

Die Digitalisierung ermöglicht überdies, dass die Kunst für eine breitere Masse ersichtlich wird. Es gibt unzählige Wiener, die noch nie im Leopold Museum waren, über dessen Ausstellung „Der nackte Mann“ können sie aber aufgrund der Bilderverbreitung mitreden.

 

Die Medienkunst hat nicht nur auf gängigen Kunstmessen, sondern auch allgemein im Kunstmarkt derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Wie beurteilen Sie die derzeitige Rolle der Medienkunst und welche Tendenzen erkennen Sie? 

Die Medienkunst wird auf den Messen registriert, allerdings spürt man noch ein gewisses Zögern.  Um so wichtiger ist es, dass hier Museen und Kunstinstitutionen den Ankauf wagen und den Weg ebnen.

 

Inwieweit unterscheidet sich die Arbeitsweise aus der Perspektive der Galerie durch die Beschäftigung mit Medienkunst im Vergleich zur Arbeit mit klassischen Medien? 

Im Grunde genommen nicht sehr. Der einzige Unterschied ist, dass man für die Präsentation der Medienkunst Equipment auf dem höchsten Level benötigt, um den Ausdruck und Aussage angemessen zu transportieren. Solche Präsentationen dulden keine Provisorien und keine halbe Sachen.

 

Welche Künstler werden Sie uns auf der UNPAINTED präsentieren? 

Ich zeige Jürgen Pass und Anna Werzowa.

 

Warum haben Sie sich für diese Künstler entschieden bzw. was zeichnet die Arbeiten dieser beiden Künstler besonders aus? 

Das Besondere an den Arbeiten von Jürgen Paas ist, dass er der Farbe einen Körper verleiht und zugleich lässt er den Raum selbst zum Farbkörper werden. Alleine aus Farbe und mit Farbe gestaltet er seine Bilder bzw. Objekte. Bei den Objekten bedient er sich oftmals der industriellen Anfertigung, um der Dominanz des Pinselduktus entgegenzuwirken. Die maschinelle Herstellung und die reduzierte Ästhetik verdrängen keinesfalls die Möglichkeit der künstlerischen Entscheidungsgewalt. Jürgen Paas reagiert durch und durch subjektiv, in dem er im bestimmten Raum und mit bestimmten Materialien und bestimmter Ästhetik agiert.

Anna Werzowa ist auf der Messe mit Cybugs vertreten. Sie stellt mit unglaublicher (und zum Teil ungeheuerlicher) Akribie aus Teilen der toten Insekten die sogenannten Cybugs her. Dem herkömmlichen Begriff nach, bezeichnet ein Cyborg ein Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine. Zumeist werden damit Menschen beschrieben, deren Körper dauerhaft durch künstliche Bauteile ergänzt werden. Bei Anna Werzowa werden nun die Insekten neu zusammengestellt und mit Technik in eine symbiotische Verbindung gebracht. Mittels gesteuerten magnetischen Wirkung oder mithilfe von Ventilatoren werden die faszinierenden Objekte in den Glaskugeln in Bewegung gesetzt.

 

Welche Erwartungen haben Sie an die UNPAINTED? 

Ich wünsche mir für meine Künstler interessiertes Publikum und neue Perspektiven.

 

Auf welche Aussteller sind Sie besonders gespannt?

Ich hoffe sehr, dass ich mir für alle Stände ausreichend Zeit nehmen kann.

 

Vielen herzlichen Dank!

 

 

WEITERE INFORMATIONEN

Für weitere Informationen über die Galerie Peithner-Lichtenfels in Wien besuchen Sie www.peithner-lichtenfels.at