Sie sammeln Handyfilme junger Menschen im öffentlichen Raum und ordnen sie einem digitalen Archiv ein: Das Künstlerduo Eva Paulitsch und Uta Weyrich – auch bekannt unter dem Namen pw-projekte – präsentiert auf der UNPAINTED new media fair unterschiedliche Loops von Handyfilmen. Innerhalb eines kuratierten Bereichs werden sich die beiden Künstlerinnen – ohne Anbindung an eine Galerie – selber präsentieren. Sabrina Möller sprach mit Ihnen über ihre vielseitige Rolle auf der UNPAINTED, wie sich Medienkünstler heute im Markt positionieren und über die Herausforderungen… 

Auf der UNPAINTED wird Künstlern im LAB3.0 – ohne Anbindung an eine Galerie – eine Art Förderkoje zur Verfügung gestellt, um sich im Kontext der Messe zwischen jungen aber auch neben etablierten Galerien zu positionieren. Die Ursache für diese neuartige Förderung stellt die Problematik dar, dass es für Medienkünstler immer noch schwer ist, von einer Galerie vertreten zu werden und damit auch eine internationale Präsentation ihrer Arbeiten mehr als schwierig bleibt. Wie sind eure Erfahrungen in Hinblick auf diese Thematik und was muss verändert werden, um die Lage zu verbessern?

Im Herbst letzten Jahres haben wir in Frankfurt bei der B3 teilgenommen – der Biennale des bewegten Bildes – die unter dem Motto „Expanded Narration“ erstmals ausgetragen wurde. Wir zeigten eine raumgreifende Videoarbeit im Museum für Kommunikation.
Die gigantischen Besucherzahlen dieses Festivals sprechen eindeutig für das gesellschaftliche Interesse an solchen Veranstaltungsformaten. Wir erleben, dass sich zur Zeit viel bewegt und das finden wir sehr positiv.

 

Wird ein Künstler von einer Galerie vertreten, werden nicht nur die entsprechenden Vorbereitungen seitens der Galerie getroffen, sondern auch der Verkauf erfolgt vor Ort durch die Mitarbeiter. Wie ist das für euch, wenn ihr nun auf der Messe in genau diese Rolle wechselt bzw. Künstler, Organisator und ‚Verkäufer‘ zugleich seid?

Wir arbeiten seit 10 Jahren als Künstlerteam zusammen. Da haben wir uns mittlerweile einen guten Workflow erarbeitet, der all die unterschiedlichen Rollen beinhaltet. Wir fänden es natürlich sehr schön, von einer Galerie vertreten zu sein, das muss aber auch konzeptionell und menschlich passen. Bisher haben wir unsere Unabhängigkeit auch sehr zu schätzen gewusst… und im Direktkontakten stecken häufig überraschende und unerwartete Kooperationspotentiale.

 

Warum habt ihr euch  für die Neuen Medien als künstlerisches Medium entschieden? Was fasziniert euch daran? 

Uns haben schon immer gesellschaftliche Alltagsphänomene fasziniert-  unser Atelier ist quasi die Straße – hier beobachten, suchen und entdecken wir. Das bewegte Bild und Audiocollagen sind da natürlich das optimale Medium um unsere Beobachtungen künstlerisch umzusetzen.
Seit 2006 beschäftigen wir uns mit Handyfilmen von Jugendlichen. Wir sammeln diese im öffentlichen Raum und bauen damit ein einzigartiges digitales Filmarchiv auf, das die Grundlage unserer künstlerischen Arbeit darstellt. Multimediale Installationen, Screenings im öffentlichen Raum und Mobile taggs sind unsere bildnerischen Mittel,  neue Erzählformen zu entwickeln, die die Inhalte der Handyfilme erlebbar machen.
So haben wir 2009 für die Ausstellung YOU_ser 2.0 im  ZKM Karlsruhe bereits mit QR Codes gearbeitet, die unser Handyfilmarchiv auf dem privaten Handy der Besucher  erscheinen ließen.

 

Die Meinung, dass Medienkunst nur schwer verkäuflich ist, ist nach wie vor weit verbreitet – und das nicht nur beim Laien, sondern auch im Kunstmarkt selber finden sich noch vermehrt solche Ansichten. Wie sind die Reaktionen in eurem Umfeld bzw. könnt ihr veränderte Tendenzen wahrnehmen?

Ein gutes Beispiel für „leichte  Verkäuflichkeit“ von medialen Arbeiten sind gerade unsere QR-Code Drucke, die unter anderem vom Kunstmuseum Stuttgart und vom Museum Moderner Kunst Kärnten angekauft wurden. Sie sind gewissermaßen ein Hybrid zwischen Medienkunst und einer klassischen Druckarbeit. Werner Meyer, Leiter der Kunsthalle Göppingen meinte zu den Arbeiten so passend, dass sie eine Popartvariante von konkreter Kunst seien, denn hinter den klassisch anmutenden Drucken verbergen sich unsere Filmloops, die mit dem eigenen Smartphone entschlüsselt werden können.

 

Inwieweit unterscheidet sich die Arbeit mit den Neuen Medien aus der Perspektive des Künstlers von den klassischen Medien wie Malerei und Skulptur? Welchen Herausforderungen müsst ihr euch stellen?

Da sehen wir überhaupt keine Unterschiede – bei jeder künstlerischen Arbeit, egal mit welchen künstlerischen Mitteln sie entstanden ist, geht es ja um das Suchen und Finden von Themen, die es gilt, künstlerisch so umzusetzen, dass sie Ausdrucksstärke und Aussagekraft haben, dass sie für andere von Relevanz sind und etwas auslösen: Sei es Emotionen, Diskussionen oder Irritationen.

 

Wie schätzt ihr die Entwicklung der Medienkunst für die kommenden Jahre ein?

Da lassen wir am besten Max Goldt sprechen, der sagt: „ die Zukunft wird so manches bringen – auch nächstes Jahr schon.“

 

Welche Arbeiten werdet ihr uns auf der UNPAINTED präsentieren?

Wir werden die Multiscreeninstallation true ficton zeigen. Auf scheinbar schwerelos im Raum hängende Projektionsplatten können wir bis zu 40 Filmloops mit nur drei Projektoren gleichzeitig zeigen, In true fiction verschmelzen die heterogenen Filme zu einem Gesamtbild. Der Ausstellungsraum wird zu einer Art sinnlich erfahrbarer »Black Box«, in der sich der Besucher autonom bewegen kann.

 

Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Wir lieben diese Arbeit –  über vier Jahre haben wir zusammen mit dem Projektionisten Philipp Contag-Lada daran gefeilt. True fiction zeigt simultan unterschiedlichste Loops von Handyfilmen mit scheinbar unwesentlichen Dingen und erzeugt ein umfassendes Bild unserer zeitgenössischen Lebenswelt.

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Was erwartet ihr euch von der UNPAINTED?

Unsere eigene Arbeit in diesem Rahmen präsentieren zu dürfen, ist eine tolle Chance und Gelegenheit, auf viele und andere „Medienkunst-Aficionados“ zu treffen und interessante und anregende Gespräche zu führen.

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

 

pw-projekte

Weitere Infos zu pw-projekte findet ihr unter www.pw-video.com