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Nicht nur die Wiener Galerien starten mit facettenreichen Ausstellungen in das Jahr 2014, sondern auch die Museen haben allerhand zu bieten und sorgen für einen interessanten Start ins neue Jahr. Fanny Hauser präsentiert ihren Überblick. 

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Bereits Anfang Dezember eröffnete das Westlicht seine beeindruckende Ausstellung Die Welt in Heftformat. National Geographic 1888-1950. Gezeigt werden frühe Fotografien aus dem Bildarchiv der National Geographic Society, das insgesamt über 11 Millionen Bilder beinhaltet. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Zeitschrift präsentiert die Ausstellung eine Auswahl fotografischer Highlights von den Anfangstagen des Magazins bis in die 1950er-Jahre.Darunter Fotografien von National Geographic Fotografen wie Ansel Adams, Herbert Ponting, Vittorio Sella oder George Rodger. Die Eröffnung der René Burri-Ausstellung in der Ostlicht Galerie hingegen steht noch bevor: Zu seinem 80. Geburtstag widmet das Ostlicht dem Schweizer Fotografen eine eigene Schau in der vor allem seine Farbfotografien im Zentrum stehen werden. Ein weiterer Schweizer Fotograf, dessen Arbeiten noch bis Mitte Februar bewundert werden können, ist Michael Comte. Die umfassende Ausstellung im Kunsthaus Wien präsentiert die wesentlichen Etappen aus Comtes Schaffen in mehreren Werk- und Themengruppen. So werden in einem Teil die weltberühmten Porträts, Mode- und Werbebilder sowie Akte gezeigt die der Fotograf seit 1979 geschaffen hat. Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich Comtes Engagement für karitative Institutionen und zeigt Bildserien aus Haiti, Afghanistan und Bosnien. Ebenfalls fündig werden Freunde der Fotografie noch bis 23. Februar im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek wo die schönsten, amüsantesten und berührendsten Kinderfotografien aus den Beständen der Nationalbibliothek präsentiert werden. Zum Teil noch nie gezeigte Atelier- und Pressefotos, aber auch Privataufnahmen von Buben und Mädchen lassen die Zeit von ca. 1870 bis in die 1970er Jahre wieder aufleben.

Die Wiener Galerien beschäftigen sich aktuell weniger mit dem Thema der Fotografie, sondern stützen ihr Programm auf die Präsentation vielfältiger Medienkanäle. Die Galerie Ernst Hilger zeigt noch bis 1.2. die comicartigen Acrylgemälde des österreichischen Künstlers Andreas Leikauf. Seine Arbeiten sind vor allem von einer auf maximal drei Farben reduzierten Arbeitsweise und kurzen kommentierenden Slogans geprägt. Unter dem Ausstellungstitel singles and doubles präsentiert die Charim Galerie in der Dorotheergasse die Arbeiten des steirischen Künstlers Erwin Bohatsch. Charakteristisch für Bohatschs Bilder sind sowohl die übereinandergelegten Farbschichten und die meist offengehaltene Bildmitte, durch die die Bildränder zu Grenzen werden die das Bild und den Umraum sowohl verbinden als auch voneinander trennen möchten.

Michaela Stock zeigt ab 17.1. die Arbeiten des lettischen Künstlers Viktors Svikis. Svikis Werke erinnern an Collagen in denen sowohl inhaltliche Ebenen zusammengefügt als auch unterschiedliche Techniken miteinander verknüpft werden. Einen besonderen Fokus setzt die Schau allerdings auf das jüngste zeichnerische Werk des Künstlers in dem vor allem die taktilen und haptischen Fähigkeiten des Papiers zum Tragen kommen: Eine raumgreifende, am Boden platzierte und vom Publikum zu betretene Zeichnung in der Galerie macht dies besonders deutlich und möchte die Grenzen zwischen BetrachterIn und Kunstwerk endgültig zu Fall bringen. Die Galerie Krinzinger stellt noch bis 16.1. gleich zwei bedeutende Künstler aus, nämlich Chris Burden und Gottfried Bechtold. Burdens Schaffen ist von Skulpturen und Installationen geprägt die von seiner großen Faszination für Technik zeugen. Sein Ende der 90er Jahre aufgekommenes Interesse für Brückenkonstruktionen reflektiert seine Faszination anhand des menschlichen Triebs Barrieren zu überwinden und die Kräfte der Natur kontrollieren zu wollen. Burdens Arbeiten werden in den Räumlichkeiten der Galerie gezeigt, während Bechtolds Arbeiten ferner im Palais Coburg einzusehen sind. Bechtolds REZ-Projekt, das er seit 1994 mit Hubert Matt betreibt, findet in der Parterre Galerie allerdings eine weitere Niederlassung. Die Künstler legten Titel, Absichten und Konstitutionsbedingungen eines miteinander zu realisierenden Kunstwerkes, sowie die zentralen Kriterien seiner Gestaltung innerhalb eines zeitlich und räumlich, durch eindeutige Parameter limitierten Rahmens fest. Seither arbeiten die beiden Vorarlberger unter strengster Geheimhaltung an einer sich in aller Öffentlichkeit sukzessive visualisierenden immateriellen Skulptur. Die Notwendigkeit der Geheimhaltung beruht wesentlich auf der fragilen Konstruktion des zu schaffenden Werkes, dessen Zustandekommen durch die Offenlegung seiner Konstruktionsprinzipien gefährdet wäre. Die Panamera-Skulptur (2009-12), mit der Bechtold den Skulpturenbegriff ausweiten möchte, kann als Nachfolger von Bechtolds „Betonporsche“ (1971) gesehen werden. Die Skulptur changiert zwischen klassischer Skulptur und Gebrauchsobjekt und kann im Palais Coburg besichtigt werden.

Emmanuel Layr präsentiert noch bis 25.1. die Arbeiten des in Wien lebenden Künstlers Andy Boot. Die Skulptureninstallation des gebürtigen Australiers nimmt Bezug auf die Farbe des Universums, welche Wissenschaftler der John Hopkins University als „Cosmic Latte“ identifizierten und betitelten (das Word „Latte“ nimmt hierbei Bezug auf die Farbe eines Caffè Lattes bei Starbucks, den der Wissenschaftler Peter Drum trank, als ihm die Ähnlichkeit zwischen der Farbe des Getränks und jener des Universums auffiel). Boot möchte mit seinen Skulpturen eben dieses „Cosmic Latte“ hervorheben und bedient sich dafür an Bildern aus dem Internet. Er schneidet die Bereiche die dieser bestimmten Farbe gleichen aus, vergrößert sie und wandelt sie anschließend in dreidimensionale Skulpturen um.

Die Galerie Steinek präsentiert Werke des französischen Künstlers Emmanuel Régent, dessen Arbeiten „Lücken“ erzeugen wollen, die es mit dem Blick zu ergänzen gilt. Dies erzielt Régent durch monochrome, abgeschliffene Bilder auf Leinwand, versilberte oder vergoldete Objekte sowie Papierskulpturen.

Abschließend sei noch auf die aktuelle Gruppenausstellung des mumoks hingewiesen, die nur mehr bis 2.2. zu sehen ist: Die vom New Yorker Kurator Richard Birkett im Dialog mit dem Künstler Sam Lewitt kuratierte Ausstellung and Materials and Money and Crisis setzt sich in experimenteller Form mit Kapital als Material auseinander. Sie stellen sich die Frage wie diese Relation im Kunstwerk existiert und präsentieren Arbeiten von insgesamt elf KünstlerInnen. Darunter Terry Atkinson, Maria Eichhorn, Melanie Gilligan, Gareth James, Pratchaya Phinthong, Sam Lewitt und Emily Wardill.

          // Fanny Hauser