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Betritt man in diesen Tagen den großen Ausstellungsraum des 21er Hauses begibt man sich damit direkt in eine andere Welt – die Welt von Franz Graf. Umgeben von einem Sammelsurium aus rund 300 Werken, vereinzelten Bühnen und einem Gerüstbau bis an die Decke, wird schnell klar, dass man sich hier nicht in einer klassischen Ausstellung befindet.

Franz Graf (*1954) hat sich augenscheinlich mit dem Raum, der ihm zur Verfügung gestellt wurde, auseinandergesetzt und ihn bewältigt: Der Raum wird zur Werkhalle und die Besucher steigen mitten in den Entstehungsprozess ein. Durch diese Art von Raumbewältigung scheint das 21er Haus lebendiger als je zuvor. Der bedeutende österreichische Künstler geht neue Wege und präsentiert somit sein ganz eigenes Universum. Dabei werden lediglich 21 Arbeiten von Franz Graf selbst gezeigt, der Rest sind ausgewählte Werke anderer KünstlerInnen, die miteinander eine besondere Harmonie eingehen. Durch die Vielzahl der Ausstellungsstücke und der Verwendung von Malerei, Skulptur, Fotografie und Film wird es möglich die Kunst von Franz Graf in einem ganz neuen Zusammenhang zu sehen und zu verstehen. Er wählt Arbeiten aus, zu denen es eine persönliche Geschichte gibt, nimmt sich dabei jedoch auch ein stückweit selbst zurück, um seine Bühne mit anderen Künstlern zu teilen. Eine kleine ganz persönliche Hommage an jene Künstler, die ihn inspirieren. Es ist ein Raum voller Aktion und Reaktion, nicht zuletzt, weil er sich im Laufe der Ausstellung verändern wird. Das was wir an einem Tag sehen ist nur eine kurzfristige Form, die darauf wartet sich zu verändern. Es wird laufend Performances auf den verschiedenen Bühnen geben, der Raum wird verändert, umgestaltet, lebendig – „work in progress“. Die Prozesse sollen sichtbar gemacht werden, indem man dem Raum die Freiheit lässt eine eigene Dynamik zu entwickeln. Und auch der Katalog wird mit der Ausstellung weiter wachsen. Er ist erst beendet, wenn es die Ausstellung auch ist. Nicht zuletzt ein Grund für die sichtbare Verwendung von Bühnenbauelementen und gelben Sperrholzplatten. Die Präsentation der Arbeiten geht also eine Symbiose mit der Konstruiertheit des Raumes ein und entwickelt so ein spannendes Eigenleben.
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Der Name der Ausstellung „Siehe was dich sieht“ ist ein direkter Hinweis auf die bedeutende Rolle der Interaktion. Wenn ich etwas sehe, werde ich auch gesehen. Dieses Verhältnis der Wechselseitigkeit bringt Franz Graf’s Oeuvre auf den Punkt. Es geht um Spannungen zwischen verschiedenen Opponenten seines Schaffens. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis seiner poetischen Werke mit den restlichen Werken von Künstlern wie Hermann Nitsch, Arnulf Rainer und Otto Muehl, sowie dem gemeinsamen Agieren mit der rohen industriellen Ästhetik des Raums. Man soll sich Wahrnehmungsabläufen bewusst werden und versuchen Dinge nicht nur zu sehen, sondern ihr Wesen zu erkennen. Das Thema der Wechselseitigkeit entspringt den Arbeiten von Franz Graf selbst. Er spielt mit Hell und Dunkel, schwankt zwischen ornamental und geometrisch, experimentiert mit Punkt und Linie, sowie mit Wort und Schrift.

Es ist eine Ausstellung wie ein Kaleidoskop – je nachdem aus welchen Blickwinkeln man es betrachtet wird man Neues sehen und entdecken. Es ist also schwer einordbar, genau wie Franz Graf selbst. Seine eigene Bildsprache findet Ausdruck in seiner ganz eigenen installativen Integration der Werke in den Raum. Es gelingt eine Verschränkung von Kunst und Leben, die erstaunlich einfach in ihrer Idee und doch sehr komplex in ihrer Konzeption funktioniert.

// Anna Maria Burgstaller

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FRANZ GRAF

Siehe was dich sieht – vom 29.01.2014 bis 25.05.2014

im 21er Haus Wien

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