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Nachdem die meisten Wiener Galerien ihre Dezember-Schauen noch bis in den Januar hinein verlegten, starten sie nun mit neuen Ausstellungen in den Februar. Fanny Hauser gibt einen Überblick.

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Die Galerie Mezzanin in der Eschenbachgasse zeigt noch bis 1. März die Arbeiten der israelischen Künstlerin Etti Abergel. Die Ausstellung kann als Installation aufgefasst werden, die sich wiederum aus drei kleineren Installationen zusammensetzt: Der erste Raum präsentiert mit The Liberary, eine Aneinanderreihung von Objekten, die in Zusammenhang mit vorangehenden Arbeiten der Künstlerin stehen. Als Sammlung von Momenten formen die Objekte eine Art Lexikon ohne Quelle. Im zweiten Raum stößt man auf die vielschichtige Installation The Chrysalis, eine Sammlung surrealer, parodistischer Objekte, die sowohl an der Wand als auch am Boden und an der Decke des Raumes angebracht sind. Der Titel der dritten Installation, Personal Order, verweist bereits auf ihren sehr persönlichen  Charakter; der Raum wurde als „private room“ konzipiert und ist richtungsweisend für die gesamte Ausstellung. Der Titel der Ausstellung (Animism – An Installation in Three Chapters) verweist auf den Glauben an die psychologische Kraft eines leblosen Objekts, das zu einer subjektiven und spezifischen Skulptur zu avancieren vermag. In der Galerie Meyer Kainer werden im Rahmen der Ausstellung Die Winter Show hingegen Arbeiten des Künstlerkollektivs Gelatin zur Schau gestellt. Präsentiert werden größtenteils weiße Bilder in einem weißen Raum mit abgerundeten Ecken, in denen sich das generische Licht des White Cubes nicht mehr zu einer scharfkantigen Schattenlinie verdichten kann. Die Bildoberflächen werden in einem kollektiven (dennoch nicht gemeinsamen) Verfahren aus weißem Paraffin und Plastilin unterschiedlicher Konsistenz und Tonigkeit aufgebaut. Durch die Plastizität der Werke erinnern diese somit vielmehr an Meereslandschaften oder Korallen und Algen als an Schnee. Im Boltensterm.Raum hingegen werden jene Arbeiten zur Schau gestellt, die die Künstler unter dem Label Gelitin fertigen. Von Struktur und Aufbau an die Schnee-Reihe erinnernd, erinnert das abstrakte schwarze Plastilin-Bild an ein schwarzes Materie-verschluckendes Loch.

In der Einzelausstellung Erased Wing Mirror in der Galerie Martin Janda können noch bis 8. März die Arbeiten von Roman Ondák bewundert werden. In seinen Gemälden kombiniert Ondák meist zwei Ready Mades miteinander. So setzt sich die der Ausstellung titelgebende Arbeit aus einer gefundenen Reliefkarte der Slowakei und einer Schablone zusammen, die der Vater des Künstlers in den 1990er Jahren anfertigte und zur Reparatur eines PKW-Seitenspiegels dienen sollte. In der Installation Third Way hingegen, werden zwei in ihren Größenmaßen stark auseinanderweichende Leitern ineinander verschränkt: Die unterschiedlichen Größenverhältnisse werden in ihrer Absurdität zur Metapher für einen Perspektivwechsel. Um maschinelle Prozesse und die De-Hierarchisierung materieller Bestandteile und Funktionen geht es in der aktuellen Ausstellung THE BIG WHY in der Galerie Krobath. Präsentiert werden die Arbeiten des österreichischen Künstlers Thomas Baumann, dessen Reflexionsprozess von der Frage nach der Divergenz zwischen einem industriellen bzw. postindustriellen Zeitalter sowie zwischen fordistischen und post-fordistischen Arbeitsmodellen begleitet wird. Präzisionsverfahren, die seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert maschinelle Arbeitsprozesse definieren sollten, werden von Baumann in seinen Arbeiten dekonstruiert, sodass die einzelnen Objekte teilweise ihrer ursprünglichen Bedeutung entledigt oder ihnen neue Funktionen eingeschrieben werden. Neben den mit Airbrush maschinell bearbeiteten Bildern, bei denen aufgrund des nicht genau vorhersehbaren Farbauftrages Schlieren und Farbausbrüche entstehen, gibt es außerdem noch Lichtinstallationen und skulpturale Objekte zu bewundern.

Auch die GaleristInnen der Schleifmühlgasse bereichern die Wiener Kunstszene mit ihren aktuellen Ausstellungen:  Im Rahmen der Ausstellung New Year’s Resolution präsentiert Gabriele Senn die Arbeiten von Kathi Hofer, in denen subjektive Projektionen mit kollektiven Ritualen der Wunschproduktion miteinander verknüpft werden. Reale Gegenstände wie Geschenkpapier, Gefäße, Display- und Dekorobjekte werden mit fotografischen Reproduktionen derselben Gegenstände kurzgeschlossen. Christine König stellt noch bis 8. März die Arbeiten von Thomas Hartmann vor, sowie die aktuellsten Arbeiten des Künstlerkollektivs Graulicht (August Kocherscheidt und Rupert Zallmann). Charakteristisch für Hartmanns Arbeiten sind die ausgeprägte Sensibilität für Formen, Farben und Bildaufbau zwischen Malerei und Zeichnung. Für Thomas Hartmann sind Kategorien wie Abstraktion und Gegenständlichkeit irrelevant: Er liest aus den formlosen Konfigurationen des Malgrundes Figuratives heraus und er transformiert konkrete Objekte in der seriellen Auffächerung in abstrakte Zeichen. Cementipiede, die vor Ort entstandene Sitz-Skulptur aus Beton, zählt zu den aktuellsten Arbeiten des Kollektivs Graulicht. Als Wolke geformt, bietet ihre 10m² große Oberfläche Bereiche für alle Körpergrößen und Körperhaltungen. Der Betrachter wird dazu aufgefordert, sich ein beliebiges Stück aus dem raumfüllenden Objekt schneiden zu lassen. Nur so kann die Skulptur den Ausstellungsort verlassen. Unter dem Ausstellungstitel Texte in der Kunst stellt Georg Kargl Arbeiten von u.a. Carl Andre, Richard Artschwager,  Robert Barry, Andreas Fogarasi, Joseph Kosuth und Marcel van Eeden zur Schau und bietet mit den vertretenen Künstlern eine breite Palette an verschiedenen Arbeiten und Positionen von den 1960er Jahren bis heute. In der Georg Kargl BOX hingegen liegt der Fokus bloß auf einem Künstler, nämlich dem österreichischen Künstler Franz Graf. Graf’s primäres Konzept basiert auf einer Verkettung und Überschneidung unterschiedlicher Medien und Materialien (abstrakte oder figurative Zeichnungen, literarische Textfundstücke, etc.), die zu einer neuen offenen Struktur im Werk führen. Aus einer neokonzeptuellen Haltung heraus entwirft Franz Graf Abstraktions- und Assoziationsketten, deren Elemente aus der Vergangenheit zur Ergänzung der Erinnerung und Bewertung der Gegenwart genutzt werden und  an unterbewusste Prozesse appellieren. Ein weiterer österreichischer Künstler wird im Februar in der Galerie Andreas Huber vertreten: Florian Schmidt. Skip, das Auslassen oder Überspringen von etwas, ist gleichzeitig Ausstellungstitel und Titel der zentralen sechsteiligen Serie. In Schmidts Werken verschmelzen zweidimensionale und skulpturale Elemente, bildhauerische und malerische Arbeitsweisen. Es geht ihm nicht um eindeutige Definitionen, sondern um die Untersuchung der Bedingungen und Grenzen von Malerei und Skulptur, klassischen Medien der Kunst.

Die Galerie Krinzinger stellt in der Ausstellung EGO – SUBKUTAN die neusten Skulpturen und Arbeiten von Werner Reiterer vor. Darunter sind sowohl die Site-Specific Mobiles – verschieden formatige Arbeiten (derzeit gibt es ca. 70 Werke) als auch die 1996 begonnene Serie der gezeichneten Ausstellungen, die fortlaufend ergänzt und erweitert wird. Die Bleistiftzeichnungen zeigen Arbeiten, die als Skulpturen und Installationen ausgeführt wurden, aber auch solche, die nicht verwirklicht wurden beziehungsweise gar nicht für eine solche Ausführung gedacht waren und somit ausschließlich in der Idee der Grafik funktionieren. Bei den Site-Specific Mobiles wurden Entwurfszeichnungen, wie auch Fotografien der realisierten Objekte und Texte kombiniert. Als offene Serie beschäftigt sie sich ausschließlich mit Projekten und Interventionen im öffentlichen Raum. Mit der Ausstellung Ersatz Utopia hingegen, präsentiert die Galerie Krinzinger die Arbeiten und Kioskmodelle von Tamás Kaszás, denen eine intensive Auseinandersetzung mit der Architektur der Moderne, insbesondere dem Russischen Konstruktivismus zugrunde liegt.

Abschließend sei noch auf die aktuelle Ausstellung in der Galerie Hubert Winter verwiesen. Jedes Jahr widmet die Galerie der 2003 verstorbenen Birgit Jürgenssen eine Einzelausstellung. Die Ausstellung Das Alphabeth der Birgit Jürgenssen. Arbeiten aus den Jahren 1970-72 befasst sich vor allem mit jenen Arbeiten der Künstlerin, in denen das Verhältnis von Bild und Schrift im Zentrum steht. Gezeigt wird eine Auswahl früher Grafiken, Zeichnungen und Fotoarbeiten, die oftmals nicht zu enträtseln sind. Ferner umfasst die Schau eine außergewöhnliche Serie noch nie gezeigter Farblithografien auf Büttenkarton.

// Fanny Hauser

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