1982 gründete Klaus Braun seine Galerie über den Dächern Stuttgarts und blieb seinen Künstlern treu. Heute zeigt er eine Verbindung von beinahe Vergangenem in einer Art Neuauffassung – Arthur Aeschbacher begegnet Cheryl Wassenaar. Diese unscheinbare Verwandtschaft spannt ihren Bogen über die französischen Plakatabreißer bis zur zeitgenössischen Bearbeitung von Reklame in Form eines Substituts künstlerischem Materials.

Die öffentliche Präsentation von Information, Vergnügen und die damit einhergehende künstlerische Gestaltung des formellen Kontexts stellten bereits seit dem späten 19. Jahrhundert nicht nur einen finanziellen, sondern auch kreativen Kanal für Künstler dar. Um dem Plakat die Kommerzialisierung des Alltags zu verwehren, radikalisierten die französischen Plakatabreißer ihr formgebundenes Genre und prägten eine Avantgarde, die heute allzu gerne vernachlässigt wird. Was die Transformation des Bildgrundes, des Materials und der Typografie für Auswirkungen auf die Kunstproduktion hat, wurde durch die objektlose Malerei verbannt und fand nur selten Einzug in die zeitgenössische Kunstproduktion.

Cheryl Wassenaar ist eine dieser Raritäten, die sich noch speziell diesen Themen zuwendet. Sie zerlegt amerikanische Plakattafeln und extrahiert Teile dieser zu neuen Arrangements. Sie konfrontiert sich mit Überbleibseln einer vor-digitalen Werbeindustrie und belebt deren Poesie in einer fast nostalgischen Art innerhalb neuer Konstruktionsmuster. Da diese Teile von ihrem Standort losgelöst sind und dadurch ihren Anspruch im urbanen Feld verloren haben, markiert sie die Werke mit den Ortsangaben wo sie gefunden wurden. Die klare Verfremdung der Form erzeugt durch Übermalungen, Löschungen und Betonungen einen Bericht der Interaktion zwischen einer künstlichen Zeichensprache und verblassten Aussagen. Diese Fragmentierung und Auflösung der Wörter erschafft zugleich eine Annäherung an den Inhalt einer öffentlich transportierten, durch Regeln definierten Sprache. Wohingegen die Plakatabreißer wie Aeschbacher die Transformation in ihrer totalen Entfremdung fanden, sucht Wassenaar einen Zugang zur Neuanordnung von Zeichen mit konkreter Hinwendung an die Bedeutung ihrer Ursprünge und ihrer daraus resultierenden Orientierungslosigkeit im kommerziellen Raum der Werbeindustrie.

Wassennaar zeigt sich im Kontext der französischen Plakatabreißer als eine logische Weiterentwicklung des Genres. Sie konstruiert künstlerische Aussagen auf Grundlage vergangener, unbedeutender Slogans, die jedoch aufgrund ihrer Platzierung und ihres Umfelds eine spezifische Bedeutung generieren. Diese Veränderung des Kontexts von einem kommerzialisierten Werbemittel zu einem künstlerisch-kommerzialisierten Produkt, markiert die Spannung ihrer Arbeiten, welche zu alldem auf elegante Art, fast verlorene Formen der Typografie in sich aufnehmen und reproduzieren.

// Daniel Lippitsch

AUSSTELLUNG

Cheryl Wassenaar  A. Aeschbacher
Es waren einmal die Wörter

Ausstellung 06.02. bis 06.03.2014

Galerie Klaus Braun (Stuttgart)
www.galerie-klaus-braun.de

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