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Galerien sind Schnee von gestern. Zumindest wenn es nach Jenny Falckenberg ginge. Ihre Ausstellungen finden immer woanders statt. Mal in einer alten Stadtvilla, mal über den Dächern Hamburgs. Dabei gelingt es ihr immer, den hohen Anspruch an sich und ihre Gäste zu halten, erstarrt aber nicht steifer Galeriemanie. Bei den Events darf man lachen, fragen, staunen. Mit ihrem Unique Art Concepts beweist die Tochter des bekannten Kunstsammlers Harald Falckenberg Kreativität sowie den Mut, neue Wege zu gehen. Und das mit Erfolg. Für unsere Redakteurin Carolina Vinqvist nahm sich die junge Kunstexpertin Zeit, um über Hamburg und die Zukunft der Kunst zu sprechen. 

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Hallo liebe Jenny, dein Motto ist: „Unique Art Concepts“. Was macht die Kunstkonzepte deiner Galerie also so einzigartig? 

Die Einzigartigkeit ist, das wir keine Galerie sind (lacht). Mein Konzept basiert eher darauf, neue kreative Räume für die Kunst zu finden und zu schaffen. Das klappt vor allem Dank meines Partners Grossmann&Berger sehr gut.

Grossmann&Berger stellen mir immer ausgefallene und besondere Ausstellungsorte zur Verfügung. Im November haben wir eine sensationelle Ausstellung in einer Stadtvilla in den Hohen Bleichen gemacht. Da konnten wie 600qm für die Kunst nutzten.

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Bei dem steten Ortswechsel – wie funktioniert das Marketing? Woher weiß man, wo die nächste Ausstellung stattfindet? 

Jede Veranstaltung läuft über eine persönliche Einladung. Wir haben immer einen „Preview-Preview“ Abend mit rund 60 Gästen und dem ausstellenden Künstler. Bei der letzten Ausstellung 11, in den hohen Bleichen, wurden die letzten Originale von Andy Warhol ausgestellt und verkauft. Da wir Andy natürlich nicht einladen konnten, kam sein ehemaliger Assistent. Er hat dann aus seinen sieben Jahren Zusammenarbeit mit dem Künstler erzählen können. Dadurch wird den Leuten die Kunst viel näher gebracht. Es ist nicht das typische Galerie Ding, wo man reinkommt und sich kaum traut zu fragen, was das für ein Werk sei. Es soll eine fröhliche, menschliche Atmosphäre sein, wo jeder sich auch trauen kann er selbst zu sein.

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Was war die verrückteste Story, die der Assistent erzählt hat? 

Die lustigste Geschichte war die mit der Gunbullet. Andy Warhol hatte von einem Kriegsveteran eine Patrone aus dem Vietnamkrieg geschenkt bekommen, die er dann in einen Jointhalter umgebaut hat. Von da an hat Andy Warhol seine Joints nur noch aus dieser Patrone geraucht. Sozusagen als eine Hommage an die Kriegsveteranen.

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Was hälst du von der Kombination: Künstler und Drogen? 

Es nehmen sicher viele Künstler Drogen, aber das hat man denke ich bei jedem kreativen Beruf. Wenn der Kopf immer funktionieren muss und man immer neue Ideen liefern muss stößt der Mensch irgendwann an seine Grenzen. Ich denke durch Drogen wird versucht diese Grenze zu übertreten, wobei ich zu bezweifeln wage, dass es hilft. Am Ende des Tages muss ein Künstler zuverlässig sein, seine Arbeit pünktlich abliefern und kann nicht, wie noch vor 80 Jahren, besoffen in die Galerie kommen. Heute wirst Du als Künstler vor allem an deiner Leistung gemessen, die musst du auf dem Punkt abrufen können.

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Deine Künstler kommen meist aus Hamburg bzw. Deutschland. Wie kommt dann die Zusammenarbeit mit Guthrie McDonald aus Texas zustande? 

Guthrie McDonald lebt in Berlin. Ich habe viele Künstler aus Berlin z.b Christian Awe, Andreas Golder und Guthrie Mcdonald. Guthrie habe ich durch Zufall kennengelernt. Ursprünglich ist er auf dem Land in Texas aufgewachsen und ist irgendwann durch seine Musik nach Berlin gekommen und da hängen geblieben. Er ist ein sehr interessanter Künstler aber auch noch im Aufbau. Momentan sind seine Installationen sehr düster, was eine Aufarbeitung seiner innerer Dämonen aus der Drogenzeit ist.

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In einem Interview sagst du „Hamburgs Kunst muss sich nicht verstecken.“ Warum nicht? 

Nicht Hamburgs Kunst, eher Hamburgs Kunstszene. Wir haben einfach tolle Häuser. Wenn man sich anschaut, was die Deichtorhallen leisten, in Harburg war die Santiago Sierra Ausstellung eine wichtige und große Ausstellung oder die Kunsthalle mit der Feuerbachausstellung. Vor allem die dazugehörige Kooperation mit Karl Lagerfeld lockt ein junges Publikum. Aber wir haben auch kleinere sehr gute Galerien, Mathias Günther, die Produzentengalerie oder Levy. Sie alle präsentieren ein spannendes und vielversprechendes Programm und zeigen eine sehr gute Auswahl an Künstlern.

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Was macht Hamburg aus, dass man sagen könnte „Hamburg kann mit Berlin’s Kunstszene mithalten“?

Genau das, worüber wir grade eben gesprochen haben. Die Galeristen und die Ausstellungen sind in Hamburg sehr gut und innovativ, da empfinde ich Hamburg auf Augenhöhe mit Berlin. Der Vorteil hier in Hamburg ist aber vor allem, dass wir auch die Kaufkraft haben.

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Wenn du einen beliebigen Künstler ausstellen könntest, welcher wäre das? 

Ich arbeite sehr gerne mit jungen Künstlern. Es müssen aber einfach der Zeitpunkt und das Bauchgefühl stimmen. Jetzt freue ich mich erst mal auf Andreas Golder, der auch schon eine Einzelausstellung im White Cube hatte. Es ist eine große Ehre mit ihm zusammen zu arbeiten. Aber eine Ausstellung in Hamburg mit David LaChapelle wäre auch wahnsinnig interessant. Mich würde einfach interessieren was die Zuschauer denken und fühlen wenn sie seine Bilder sehen. Wobei es auch echt schwer ist die zu verkaufen.

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Zu hohes Preissegment? 

Ja, es geht ab 500.000 Euro los.

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Bist du denn stolz, dich in der deutschen Kunstszene etabliert zu haben und dich auch ohne den Bezug auf deinen Vater erfolgreich repräsentieren zu können? 

Natürlich freue ich mich, wobei es schwierig zu sagen ist. Ich wurde von vielen Seiten gewarnt, mein Konzept umzusetzen. Deshalb freut es mich umso mehr zu zeigen, dass es funktioniert. Klar hören Leute mir mehr zu, wenn sie meinen Nachnamen hören, aber es öffnet nur eine Tür im Ansatz. Am Ende muss ich sie mir offenhalten und das habe ich jetzt bewiesen. Das macht mich stolz und ich denke auch meine ganze Familie.

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Als Kind hast du sicher viel vom Kunstgeschehen mitbekommen. Hat man da nicht manchmal genug vom Kunst Business? 

Naja, mein Vater hat angefangen Kunst zu sammeln, als ich 14 Jahre alt war. Es fing so an, dass Horst Janssen und mein Vater immer zusammen Skart gespielt hat und Horst Janssen des Öfteren verloren hat. Jetzt hängen bei uns zu Hause wahnsinnig viele Werke von ihm. So fing’s an. Es ist aber nicht so, dass nur Kunst ein Thema bei uns zu Hause war. Wir sind eine große sehr sportliche Familie und dadurch gab es natürlich auch andere Themen als Kunst. Es ist glaube ich in  meinem Job, so wie in vielen anderen auch, man nach Ausstellungen, Messen und Events natürlich auch mal den Wunsch hat, einen Tag nicht an Kunst zu denken.  Das geht aber zum Glück meistens ganz schnell wieder vorbei. Für mich gesehen lebe ich momentan meinen Traum, sowohl beruflich wie auch privat.

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Wenn du dir die Kunstszene und die Kunstkonzepte der vergangen Jahre anschaust – wie werden die der Zukunft aussehen?  

Also ich kenne ein paar Galeristen, die auf mein Konzept umgeschwenkt sind. Wenn man monatlich 10.000 Euro Fixkosten hat und eine Galerie betreibt die im Schnitt Werke zwischen 500 und 5.000 Euro verkauft hat man einen enormen Druck. Den habe ich jetzt nicht in dem Ausmaß. Was die Kunstszene betrifft denke ich wird sie weiterhin aufblühen. Es gibt eine große Bereitschaft Kunst zu kaufen. Und das nicht nur für namenhafte Künstler, sondern auch durchaus für jüngere, unbekannte Künstler. Auch den intellektuellen Ruf, den die Kunst genießt, ist gut für das Geschäft, denn die Leute beschäftigen sich mit Kunst und geben das an die nächste Generation weiter.

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Kommen deine Kinder auch gerne mit zu Ausstellungen? 

Klar, im Schnitt schauen sie sich jede Ausstellung einmal an. Die Jungs sind zwar mehr auf Bälle fixiert aber meine Stieftochter ist ganz fasziniert von Kunst. Wichtig ist erst mal, dass Kinder Fragen stellen und offen sind. Bei uns zu Hause wird es immer lustig, wenn Eva und Adele zum Abendessen kommen und sagen: „Wir kommen aus der Zukunft“ und die Kinder staunen: „Das geht doch gar nicht“. Das ist echt toll und schön zu sehen, dass Kinder sich auf eine spielende Weise mit Kunst beschäftigen können.

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Auf welche Unique Art Concepts darf man sich 2014 freuen? 

Am 28.03 veranstalten wir einen Bal Masqué zu Gunsten der Kunsthalle mit Stefanie Strasburger und Marietta Andreae. Das ist ein richtiger Maskenball mit einem 3-Gänge-Menü wonach auch getanzt werden darf. Das gesamte Geld was dabei zusammen kommt, geht an das Art for Kids Projekt der Kunsthalle. Dieses Projekt animiert Kinder, die es sich sonst nicht leisten können, trotzdem Kunst zu schaffen.

Im April machen wir eine Ausstellung mit Andreas Golder, im Mai ist meine erste Editionsausstellung in Berlin und es kommt auch noch ein großes Artfashion Projekt mit Christian Awe und Strenesse. Geplant ist auch eine Ausstellung mit den Fotografen Franziska Stünkel und Kai Wiesinger und am Ende, im November, findet wieder unsere „11“-Ausstellung statt. Ansonsten schauen wir mal, was sonst noch Spannendes kommt.

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Vielen Dank für das tolle Interview und noch weiterhin viel Erfolg! 

// Carolina Vinqvist