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Der Frühling bringt nicht nur Sonnenschein und gute Laune mit sich, sondern auch frischen Wind in die Wiener Museen und Institutionen. Fanny Hauser gibt einen Überblick…

Das mumok präsentiert noch bis Mitte Mai eine Auswahl aus der Sammlung Annick und Anton Herbert. In den späten 1960er Jahren sammelte das belgische Ehepaar bedeutende Werke von amerikanischen wie europäischen Vertretern der Minimal Art sowie konzeptueller Tendenzen – darunter Arbeiten von Carl Andre, Marcel Broodthaers,Donald Judd, On Kawara, Sol LeWitt, Niele Toroni und Lawrence Weiner wie auch von Art & Language, Dan Graham, Bruce Nauman oder Gerhard Richter. Ab Mitte der 1980er-Jahre kamen mit Werken von Martin Kippenberger, Franz West und Mike Kelley noch wesentliche Werkgruppen einer späteren KünstlerInnengeneration hinzu. Der letzte in die Sammlung aufgenommene Künstler ist Heimo Zobernig. Vor allem der provokante, freilich ironisch gemeinte Titel der Ausstellung Musée à vendre pour cause de faillite (Museum zu verkaufen wegen Konkurs) zieht Aufmerksamkeit auf sich: Vom belgischen Künstler Marcel Broodthaers entlehnt, machte das belgische Ehepaar 2013 ihre Privatsammlung in Gent unter dem besagten Titel der Öffentlichkeit zugänglich und startet so eine Art „Gegeninitiative“ gegen das von Macht und Geld geschürte Korsett öffentlicher Häuser.

Eine umfassende Retrospektive widmet die Generali Foundation der in Dresden geborenen Künstlerin Ulrike Grossarth. Grossarth studierte ursprünglich Tanz in Köln, Dresden und Essen, wo sie als Teil der deutschen Fluxusszene einen Ableger von Joseph Beuys’ Free International University leitete. Heute ist sie Professorin für fächerübergreifendes Arbeiten in Dresden, da sie Performance, Installation, Video- und Objektkunst mit neuer künstlerischer Forschung verbindet. Von großer Bedeutung für Grossarths Ouevre sind außerdem die Auseinandersetzung mit Phänomenen der jüdischen Mystik sowie Hannah Arendts Buch Vita activaoder Vom tätigen Leben, in dem die Verfasstheit des menschlichen Lebens durch die drei „Grundtätigkeiten“, Arbeiten, Herstellen und Handeln, bestimmt wird. Die Pressekonferenz, die ursprünglich der Ausstellung Grossarths und der Künstlerin selbst gewidmet sein sollte, offenbarte jedoch noch eine große Neuigkeit, die insbesondere die Wiener KunstliebhaberInnen betrifft: Ab spätestens Anfang 2015 soll der Betrieb der Generali Foundation im 4. Bezirk eingestellt und nach Salzburg in das Museum der Moderne am Mönchsberg verlegt werden. 

Eine Ausstellungserfahrung der ganz besonderen Art bietet noch bis 25. Mai das 21er Haus. Die Ausstellung, die eigentlich dem österreichischen Künstler Franz Graf gewidmet ist, beinhaltet lediglich 21 Werke des Künstlers. Die anderen ausgewählten Exponate der Ausstellungen, ergeben nebeneinander eine besondere Harmonie. Der Dialog zwischen Grafs neuer Werkserie und den übrigen Werken (darunter Arbeiten von u.a. Donald Judd, Marcel Duchamp, Heimo Zobernig, John Cage und Valie Export) rückt die Arbeiten des österreichischen Künstlers immer wieder in ein neues Licht, wodurch sich die Gelegenheit ergibt, die Ausstellung stets aus einer neuen Perspektive betrachten zu können.

Die TBA21 im Augarten setzt mit ihrer mittlerweile fünften Ausstellung auf den indischen Künstler und Filmemacher Amar Kanwar. Die im Augarten gezeigte Multimedia-Installation The Sovereign Forest (2011-) wurde bereits auf der dOCUMENTA 13 gezeigt und kann weniger als bloße Ausstellung, als vielmehr eine sich ständig wandelnde Institution verstanden werden, die aus dem Zusammenschluss einer Gruppe von KünstlerInnen, JournalistInnen, Bauern und AktivistInnen in Indien entstanden ist. The Sovereign Forest beschreibt den Konflikt zwischen der ländlichen Bevölkerung, der Regierung und den Bergbauunternehmen im ostindischen Odisha. Seit Jahren hält Kanwar die destruktiven Folgen der Industrialisierung filmisch fest, die weite Teile der Landschaft teilweise für immer zerstört haben.

In der Wiener Secession werden momentan drei zeitgenössische KünstlerInnen unterschiedlicher Herkunft ausgestellt: Während der baskische Künstler Ibon Araberri seine konzeptuellen Arbeiten zu Landschaft und Skulptur mit lokalen künstlerischen Traditionen verknüpft, bezieht sich der dänische Künstler Ulrik Heltoft mit seiner Videoinstallation Kabinet auf die oft verfilmte sozialkritische Erzählung Eine Weihnachtsgeschichte (1843) von Charles Dickens. Besonders hervorzuheben sei allerdings die Installation der in Wien arbeitenden Künstlerin Lisl Ponger: Im Hauptraum der Secession realisiert Ponger ein lange gehegtes Vorhaben: Das Museum für fremde und vertraute Kulturen, kurz MuKul. In diesem Entwurf für ein eigenes (ethnologisches) Museum kulminieren ihre künstlerischen Interessen. In den vier verschiedenen Räumen des MuKul präsentiert die Künstlerin zwei verschiedene Ausstellungen:  The Vanishing Middle Class, eine Schau, die ganz im Sinne der sogenannten „Rettungsethnologie“ eine vom Verschwinden bedrohte Bevölkerungsgruppe möglichst facettenreich zu erfassen und dokumentieren versucht, und die Sonderausstellung Lisl Ponger. Wild Places mit einer Reihe fotografischer Arbeiten der Künstlerin aus den Jahren 2000 bis 2010.

// Fanny Hauser

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