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Als Jürgen Teller 1991 eine Ausstellung von Nobuyoshi Araki besuchte kam es zu einer Begegnung, die schicksalshaft erscheint. Da treffen tatsächlich zwei Fotografen  irgendwo in Tokio aufeinander, die einen ganz besonderen Blick für die existentiellen Fragen der Menschheit haben, nämlich einen unzensierten Blick durch die Linse auf die Sexualität und die Abgründe unserer Gesellschaft. Araki selbst nennt diese zufällige Begegnung des Schicksals „ito wokashi“ – eine sympathische Übereinstimmung.

Durch diese erstaunliche Übereinstimmung in Thematik und Methodik lag die Ausstellung im Ostlicht „ARAKI TELLER TELLER ARAKI“ quasi auf der Hand und war nur eine Frage der Zeit. Der Dialog dieser zwei Gegenwartsfotografen wurde von Gerald Matt in Zusammenarbeit mit Hisako Motoo und Jürgen Teller kuratiert, passend dazu erscheint ein Künstlerbuch mit über 300 Fotografien. Es ist eine philosophische Frage, die sich Beide stellen: Wo hört die Wirklichkeit auf und wo fängt das Bild an? Die Grenzen sollen ausgetestet, erweitert und überwunden werden. Trotz der vielen Unterschieden in Farbigkeit, Kultur und Alter besteht eine Verbindung zwischen Araki und Teller – ein roter Faden. Die Lust auf das Erzählen lässt beide neue Wege gehen, die nicht dieselben sind, aber trotzdem erstaunlich nah aneinander liegen. Ihre Neugierde für das Hier und Jetzt erinnert an die Anfänge der Fotografie und Alois Auers Mission der fotografischen Eroberung. Beide sind Geschichtenerzähler und verewigen ihre Motive mit einer bestimmenden künstlerischen Radikalität. Erlaubt ist alles, ob in schwarz-weiß wie bei Araki oder in Farbe wie bei Teller, ob in Europa oder Asien, ob jung oder alt. Gezeigt wird, was interessiert. Während Araki ganz dem „Foto-Ich“ verfällt – dem Wechsel zwischen Fiktion, Wahrheit und Wunsch – hinterfragt Teller den Schönheitskult unserer Gesellschaft. Doch beide wenden sich gegen die Perfektion der Gegenwart und lassen bewusst körperliche Makel zu. Die Bildsprache ist also erotisch aufgeladen, aber nicht pornographisch. Die Motive sind ehrlich und sentimental und stellen sich dem Leben mit all seinen Anforderung, Höhen und Tiefen.

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PHOTOGRAPHY IS ALL-INCLUSIVE. WE CAN SHOOT ANYTHING, WHATEVER INTERESTS US.

Nobuyoshi Araki

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Die Fotografie wird in den gezeigten Aufnahmen zum Instrument der persönlichen Weltanschauung und vergegenwärtigen die ambivalente Energie der beiden Fotografen zwischen Gemeinsamkeit und Gegensatz. Durch die wechselseitige Hängung und den souveränen Umgang mit Ängsten, Scham, Schönheit und Tod in Farbe oder in schwarz-weiß, als Collage oder als Foto-Print, verstärkt die Arbeit des Einen die des Anderen. Diese Wechselwirkung entwickelt ihre eigene Energie, wodurch man das Gefühl hat Araki und auch Teller in einem bisher unbekannten Licht zu sehen. Diese ehrliche, erotische und emotionale Ausstellung hat es geschafft einen Blick auf unsere Welt zu geben, wie man sie nur durch die Kunst erfahren kann – die Fotografie konfrontiert uns mit einem Abbild der Gesellschaft, und im besten Fall lernen wir daraus.

// Anna Maria Burgstaller

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Araki Teller Teller Araki

04.04. – 25.05.2014
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Galerie Ostlicht
www.ostlicht.at
 
Öffnungszeiten
Galerie: Mi–So 12–18 h, feiertags: 12 – 18 h, und nach Vereinbarung 
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