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Nachdem die Galerie Thaddäus Ropac in Paris-Pantin ihre bisherigen Einzelausstellungen deutschen Künstlern wie Georg Baselitz oder Joseph Beuys gewidmet hat, wendet sich die Galerie nun im Rahmen ihres fünften Großprojekts der Portraitkunst des amerikanischen Künstlers Alex Katz zu. Fanny Hauser war vor Ort.

Angefangen bei einer der größten Kunstsammlungen der Welt im Louvre bis hin zu den beeindruckenden Räumlichkeiten des Palais de Tokyo: Die Pariser Kunstlandschaft lässt kaum einen Wunsch offen. Vor allem das allseits beliebte Marais im 3. Arrondissement beherbergt zahlreiche international-renommierte Galerien für zeitgenössische Kunst. Auch der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac ist seit 1990 in der Rue Debelleyme mit einer 4-stöckigen Galerie und einer einzigartigen Sammlung europäischer und nordamerikanischer Kunst vertreten. Im Oktober 2012 eröffnete er schließlich einen weiteren einzigartigen Ausstellungsort in Pantin, einem nordöstlich gelegenen Vorort von Paris. Die rund 4700mund insgesamt acht Gebäude umfassende ehemalige Kesselfabrik wurde von den Architekten Buttazoni & Associates zu einer Performance- und Kunsthalle umfunktioniert, die vier Ausstellungshallen, einen Multimedia-Performance-Raum sowie Archive und Büros umfasst.

Noch bis 12. Juli präsentiert Ropac seine mittlerweile fünfte Großausstellung, die dem amerikanischen Künstler Alex Katz gewidmet ist. Wie der Ausstellungstitel bereits verrät, stehen vor allem die Portraits des in New York geborenen Künstlers im Vordergrund. Präsentiert werden knapp 100 Arbeiten, darunter nicht nur historische Gemälde aus den 1960er und 1970er Jahren, sondern auch jüngere Werke und flüchtige Skizzen. Bemerkenswert sind vor allem die weniger bekannten Arbeiten des Künstlers, die sogenannten „cut-outs“. Als „cut-outs“ bezeichnet Katz seine bemalten bzw. bedruckten Aluminium-Silhouetten, die als autonome Figuren erscheinen. Einerseits zweidimensional in der Einbettung der Linie in die Fläche bleibend, bringen sie gleichzeitig das bildnerische und skulpturale Werk des Künstlers zum Ausdruck. Erstmals 1959 geschaffen, zwingen die „cut-outs“ Malerei und Skulptur in einen faszinierenden Dialog und oszillieren so zwischen zwei- und dreidimensionalen Eigenschaften.

Ob es sich nun um großformatige Ölgemälde, Skizzen oder zurechtgeschnittene Aluminium-Figuren handelt, gemeinsam ist allen Werken eines: „The figure“ – zu übersetzen und zu verstehen als die Silhouette, Form bzw. Linie. Die Mehrheit der Arbeiten zeichnet sich durch die Ambivalenz zwischen präzise getroffenen Gesichtszügen und monochromen Hintergründen aus, wobei die Darstellung oder Wiedergabe des menschlichen Körpers und des Porträts auf unterschiedlichen Bildträgern stets in den Mittelpunkt von Katz’ Schaffen rückt. Sich konstant mit der Neuerfindung des Portraits auseinandersetzend, schuf Katz eine Vielzahl von Gemälden, auf denen hauptsächlich Familienangehörige und Freunde des Künstlers zu sehen sind. Im Laufe der Jahre interpretierte der mittlerweile 87-jährige Künstler seine Lieblingsmodelle stetig neu. Als exemplarisches Beispiel hierfür kann das Doppelportrait Laure and Alain herangezogen werden, das Katz 1964 schuf und 1991 wieder aufnahm. Dem Prinzip der Multiplikation folgend, reihte Katz das 1964 geschaffene Bild neben eine 1991 gemalte Bildtafel, die in Bildaufbau sowie Farb- und Motivwahl große Ähnlichkeit mit dem älteren Werk aufwies. Das Bestreben, ein Werk erneut und identisch abzubilden, erlaubt einen aufschlussreichen Einblick in die malerische Entwicklung des Künstlers.

Die in der Ausstellung präsentierten Werke stammen nicht nur aus öffentlichen und privaten Sammlungen, sondern gleichsam aus Katz’ eigenen Beständen. Einige Werke werden auch zum Verkauf angeboten, doch mutet die umfassende Werkschau weniger kommerziell an. Vielmehr scheint die Ausstellung darum bemüht zu sein, das Oeuvre des Künstlers in seiner Gesamtheit zu präsentieren. Die Gegenüberstellung der Werke aus verschiedenen künstlerischen Schaffensperioden erlaubt es, den BesucherInnen das 45 Jahre umfassende Portraitwerk des Künstlers auf vielfältige Art und Weise näher zu bringen.

     // Fanny Hauser

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ALEX KATZ. 45 YEARS of PORTRAITS 1969 – 2014.

Begleitend zur Ausstellung erscheint der zweisprachige Katalog Alex Katz. 45 Years of Portraits 1969-2014 in englischer und französischer Sprache.

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