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Das Westlicht verhilft zu einer meditativen Erkenntnis: Der Mensch und seine Welt sind nur ein Teil eines großen Ganzen, ein ganz kleiner Teil. Peter Schilling schickte in einem Lied seinen Major Tom bereits 1982 völlig losgelöst von der Erde, nun versucht das Westlicht seine Besucher in die Weiten des Universums zu ziehen. 

Das tiefe Verlangen unsere Existenz zu verstehen ist schon lange Antrieb für Forschung und Entdeckungsreisen – nicht zufällig zählt die Astronomie zu den ältesten Wissenschaften der Welt. Im Laufe der Menschheit sind wir immer wieder auf Rätsel gestoßen, und mit der Zeit konnten langsam einige davon geklärt werden. So leben wir auf keiner Scheibe und dank Kopernikus wissen wir seit dem frühen 16. Jahrhundert auch, dass die Erde sich um die Sonne dreht, und nicht umgekehrt. Das sogenannte heliozentrische Weltbild hat Kirche und Gesellschaft erschüttert, doch es zeigte auch, wie wenig man über die „Welt da draußen“ weiß. Diese Faszination Firmament ließ sich durch die Erfindung der Fotografie von Joseph Niépce 1826 erstmals einfangen. Einige der größten Fotografien, die seitdem entstanden sind, zeigen den Weg und die Geschichte der Weltraumfotografie. Manche der 150 spektakulären Aufnahmen wurden bis in die 1940er noch mit stationären Teleskopen in schwarz-weiß aufgenommen, doch wurde diese stationäre Fotografie mit der Entwicklung der Raketentechnik von Space-Telescopen abgelöst. Die Ausstellung wurde von Jay Belloli so kuratiert, dass man vom Kleinen ins Große gezogen wird – von unserem Fleckchen Erde in die Unendlichkeit des Weltalls. Bereits am Anfang erinnert eine schwarz-weiß Aufnahme der Erde mit der Aufschrifft „You are here“ daran, dass es um uns Dinge gibt, die fern jeder menschlichen Wahrnehmung sind, und trotzdem ist es Forschern und Fotografen gelungen diese Unwirklichkeit festzuhalten – Abbildungen einer wortwörtlich anderen Welt.

Auf dem Weg durch die Ausstellung kommen einem Bilder unter, die man so noch nicht oft gesehen hat. Wer weiß denn schon, dass der Mars eine Nordpol Eiskappe besitzt? Man kann es sich kaum vorstellen, aber eindrucksvolle farbgesättigte Fotografien beweisen es. Es sind alles Bilder, die man nicht wirklich fassen kann, weil man irgendwo zwischen science und fiction mit seinen Gedanken steckenbleibt. Ähnlich geht es einem bei dem Infrarotbild des NASA-Weltraumteleskops Spitzer, das den Helixnebel zeigt. Dieses kosmische Objekt wird wegen den lebendigen Farben und der Ähnlichkeit zu einem gigantischen Auge gerne von Amateurastronomen fotografiert und besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Gasschichten. Trotz wissenschaftlicher Erklärung, vorstellen kann man es sich nur schwer. Spätestens bei den Bildern des Weltraumteleskops Hubble, die neugeborene Sterne zeigen wie sie aus ihren „Eiern“ schlüpfen, muss man seine Weltanschauung wohl noch einmal in Frage stellen.  Man sieht monströse Säulen aus Gas und Staub, die aus einer Wolke molekularen Wasserstoff hervorragen, doch begreifen kann man diese farbigen Bilder von modernen Hochleistungsteleskopen nicht wirklich. Dass 650 Lichtjahre von uns entfernt ein toter Stern im Sternbild Wassermann im Sterben eine große Menge Gas ausstrahlt zeigt sich in ebenso spektakulären, aber unvorstellbaren Bildern. 

Neben diesen unglaublichen Weltraumfotografien wird die Ausstellung von Fotografien der Mondlandemission Apollo 11 aus der eigenen Sammlung, sowie von zwei fotografischen Installationen von Markus Krottendorfer ergänzt. Die Grenze zwischen Wissenschaft und Science Fiction verschwimmt dadurch noch etwas mehr und macht die Erfahrung umso interessanter. Wer sich also in den Weiten der Stadt verloren fühlt sollte in nächster Zeit unbedingt ins Westlicht um hier an die begrenzte Wahrnehmung der Menschheit erinnert zu werden.

// Anna Maria Burgstaller 

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VÖLLIG LOSGELÖST
DIE GESCHICHTE DER WELTRAUMFOTOGRAFIE

10.04. – 25.05.2014

WESTLICHT
www.westlicht.com 

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