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Sous le plus grand chapiteau du monde


Als eine der bedeutendsten Institutionen und Sammlungen für Bildende Kunst, beherbergt der Pariser Louvre nicht nur eine bemerkenswerte Antikensammlung, sondern auch bahnbrechende Werke der italienischen und französischen Renaissance- und Barockmalerei.  Mit dem Bau der umstrittenen Glaspyramide durch den chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei setzte das Museum neue Maßstäbe und wird nun auch gelegentlich zu einem Ausstellungsort zeitgenössischer Kunst.

Als der damalige Staatspräsident François Mitterand den chinesisch-amerikanische Architekten Ieoh Ming Pei mit dem epochalen Umbau des Pariser Louvres beauftragte, stoß dieser mit seinem Vorschlag auf großen Widerstand von Seiten der KuratorInnen und DenkmalschützerInnen. Die rund 180 Tonnen schwere Glaspyramide, deren Proportionen auf die große Pyramide von Gizeh zurückgehen, wurde im Innenhof des Louvres aufgebaut und signalisiert den zum größten Teil unterirdischen Eingang des Museums. Anfänglich umstritten, entwickelte die Pyramide sich nach ihrer Eröffnung im Jahre 1989 allerdings schnell zu einem Wahrzeichen von Paris und zählt heute zu den wenigen Beispielen eines gelungenen Dialogs zwischen einem Baudenkmal von Rang und einem zeitgenössischen Element, das nicht nur als kurzfristige Sensation fungiert. In ihrer zeitlosen Klassizität ist Peis Pyramide eine bemerkenswerte Symbiose mit dem ehemaligen Königsschloss eingegangen und beherbergt nun auch gelegentlich die Arbeiten und Installationen zeitgenössischer Künstler.

Nach Künstlern wie Tony Cragg, Wim Delvoye und Loris Gréaud, präsentiert das Museum nun bis 2015 Claude Lévêques Sous le plus grand chapiteau du monde, Partie 1 (Unter dem größten Zelt der Welt – Teil 1). Die Installation wurde in situ, eigens für die knapp 22 Meter hohe Glaspyramide geschaffen und kann als Prolog einer im Herbst 2015 stattfindenden, dem französischen Lichtkünstler gewidmeten Einzelausstellung im mittelalterlichen Teil des Museums verstanden werden. Für die nächsten Monate wird die Glaspyramide des Louvres nun von einem blitzartigen, roten Neonlicht von innen beleuchtet. Mit Hilfe des Neonlichts, einem der beliebtesten Materialien des Künstlers, beschwört Lévêque eine Art Blitz herauf, der genau an der Achse der Pyramide ausgerichtet ist und die antike Form in eine Art Vulkan verwandelt. Das immense Lichtvolumen der Neonröhren ermöglicht eine Reflexion der umgebenden Architekturen zu jeder Tageszeit. Das Werk ist sowohl auf die wiederkehrenden, dreieckigen Figuren in dem ihn umgebenden Raum, als auch auf weiter entfernte architektonische Elemente, wie dem Obelisken auf dem Platz de la Concorde aufgebaut und steht so – ähnlich wie die Glaspyramide und das Museum selbst – in stetigem Dialog  mit seiner Umgebung.

Die Installation greift in ihre Umgebung ein und macht sich die Energie des Neonlichts zu eigen und möchte so ein kraftvolles Bild und eine Art visuellen Schock evozieren. Claude Lévêques Arbeit vermischt Klänge, Licht und Gegenstände, um die antike Symbolik kunstvoll in Szene zu setzen und kann so als Lévêques ganz persönliche Interpretation des ikonischen Museumseingangs gelesen werden.

           // Fanny Hauser

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