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Spätestens seit der Biennale 2011 sollte der 28-jährige Chilene Gianfranco Foschino in der Kunstwelt kein allzu Unbekannter mehr sein. Seine Videoarbeiten bewegen sich hart an der Grenze zur Landschaftsmalerei und verschwinden dann doch in feinfühliger Träumerei.

Auf den ersten Blick zeigt sich bei Foschinos Arbeiten keine wirkliche Überraschung. Eine stark hochformatige, gerahmte Landschaft mit satter Farbwahl erinnert eher an digitale Landschaftsabbildungen vergessener Gegenden unserer Welt als an zeitgenössische Videokunst. Die extreme Aufteilung von Land- und Himmelpartien irritiert vielleicht – aber mehr als ein charmantes Lächeln erzwingt sie dennoch nicht. Erst bei genauerer Betrachtung entfalten die Arbeiten ihre Schwere. Die Wolken ziehen beinahe schleichend über die monotone Landschaft und der Ausdruck des Motivs gewinnt an Intensivität. Die poetischen Videoarbeiten Foschinos zeigen klare Proportionen, beinahe bewegungslos anmutende Flächen, die in seinen ungefähr zehn Minuten dauernden Loops die Stille des Motivs verstreichen lassen. Er zeigt südamerikanische Plätze, Graslandschaften auf den Osterinseln oder abgelegenen Straßen die durch Wälder führen. Plätze die für den Betrachter entweder unbegreiflich oder selbstverständlich sind. Die zeitliche Dimension büßt in seinen anmutigen Videos jeglichen relativen Anspruch zugunsten der Ästhetik des Bildes ein.

Foschinos Arbeiten zeigen keine komplexe Auseinandersetzung mit motivischem Bildaufbau, noch zeigen sie kritische Positionen zum Inhalt. Sie präsentieren beinahe Selbstverständliches, wie Menschen die über einen Platz marschieren, welchen er über Stunden von seiner Wohnung aus gefilmt hat. Dem Gezeigten wird keine klare Bedeutung oder Botschaft eingeflößt, noch werden sie übertrieben in den Vordergrund gesetzt. Es wird nur auf die ästhetische Kraft des Ruhigen, der meditativen Wiederholung und der Präsenz der Bewegung im Unbewegten verwiesen. Diese poetische Herangehensweise an eine, von meist sehr sterilen Inhalten geprägte Kunstform wie der Videokunst, verdeutlicht, dass die Re-interpration eines zeitgenössischen Mediums durch die Anlehnung an eine klassische Sprache wie der Malerei, innovative Darstellungsformen innerhalb der Grenzen seines eigenen Sujets aufzubrechen und weiter zu entwickeln vermag.

Foschinos Arbeiten wurden zuletzt in der Galerie Michael Sturm in Stuttgart in Kombination mit Rebecca Salters Papierarbeiten ausgestellt.

// Daniel Lippitsch

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