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Von farbintensiven Fotografien aus den USA, über virtuelle Mondprojekte bis hin zu einer Reise mit dem Orientexpress – der Juni in Wien lässt keine Wünsche offen. Fanny Hauser präsentiert ihre persönlichen Highlights der aktuellen Ausstellungen in Wien.

Das diesjährige Plakat des Wiener Life Balls 2014 stieß bei einigen Wienerinnen und Wienern auf heftige Kritik: Um die zentrale Botschaft für Toleranz und Akzeptanz zu unterstreichen, bedient sich Starfotograf David LaChapelle dem Transgender-Sujet und wirbt mit nackten Transgender-Model Carmen Carrera. Am 2. Juni, bloß zwei Tage nach dem Life Ball, eröffnet das Ostlicht Museum in Anwesenheit des US-amerikanischen Fotografen dessen farbgewaltige Einzelausstellung Once in the Garden, die neben bekannten Klassikern des Bildermachers drei seiner neuesten Werkgruppen zeigt. Fünf Prozent des Nettoverkaufserlöses der Werke von David LaChapelle kommen hierbei dem Verein AIDS LIFE zu Gute, der hinter dem Life Ball steht.

Christine König widmet ihre aktuelle Ausstellung keinem geringeren als dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Die Ausstellung legt ihren Schwerpunkt vor allem auf spielerische und dekonstruktive Aspekte und präsentiert u.a. Fotos, die Ai Weiweis Leben zwischen 1983-1993 in New York dokumentieren und sich wie eine visuelle Autobiographie lesen lassen. Das gemeinsam mit Olafur Eliasson entwickelte interaktive Moon-Projekt (http://www.moonmoonmoonmoon.com), gibt den GaleriebesucherInnen die Möglichkeit, ihre Einschreibungen auf einer digitalen Abbildung des Mondes zu hinterlassen und so auf virtuellem Wege mit dem Rest der Welt zu kommunizieren.

Die Galerie Georg Kargl stellt noch bis 21.6. die Arbeiten von David Maljković vor. Die Ausstellung präsentiert das breite Spektrum seines künstlerischen Schaffens in verschiedenen Medien, das von Animation, Filminstallation, Sound-Arbeiten und Display-Formen über (de)collagierte Inkjet-Drucke bis zu einer Diaprojektionen reicht. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen vor allem Maljkovićs elaborierte Verwendung ästhetischer Strategien sowie sein Interesse an den Codes des Ausstellens und seine Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Inhalt und Form.

In der aktuellen Ausstellung der Galerie Steinek Over again forever von Sébastien de Ganay wird der Besucher/die Besucherin immer wieder auf die Probe gestellt: Ambivalent anmutende Situationen sowie die Virtuosität der reflektierenden Hochglanzoberflächen spielen mit der vorgeprägten Wahrnehmung des sich durch die Ausstellung bewegenden Publikums und fordern stets eine dynamische Interaktion mit dem Betrachter/der Betrachterin. Ebenfalls zentral in den Arbeiten des französischen Künstlers, ist der Einsatz von Punkt- bzw. Blindenschrift mittels derer die Sprache zumindest teilweise codiert und somit unlesbar gemacht wird. De Ganays Arbeiten leben vor allem von den Verknüpfungen zwischen Form und Sprache und dem Neuerleben von Alltagsrealitäten.

Hubert Winter widmet der in Kairo geborenen Künstlerin Nil Yalter ihre mittlerweile zweite Einzelausstellung. Seit 1965 in Paris lebend, nahm Yalter noch einen der letzten Züge des Orient Express vom Pariser Gare de Lyon nach Istanbul. Während dieser Reise entstand die mehrteilige Arbeit „Orient Express“ (1976), eine Installation aus einem 16mm Film, Zeichnungen, Polaroids und Fotografien, die mit künstlerischer Sensibilität und wissenschaftlicher Genauigkeit zwischen Dokumentation und Fiktion angesiedelt ist.  Angeregt von Poesie, Soziologie, Anthropologie und Ethnologie tauchen in Nil Yalters Arbeiten konstruierte Erinnerungen als Gemeinplätze der Immigration, des Exils, der Entfremdung, Durchmischung und Interaktion einer angeblichen “Kultur”, die es zu hinterfragen gilt, auf.

// Fanny Hauser

Art and Signature – Contemporary Art Magazine based in Vienna. Kunstblog. Kunstmagazin Wien.