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Seit dem Interview mit Bruno Brunnet, welches Monopol in der Juli Ausgabe führte, kursiert dieses Zitat. Dass die Kunstszene einen gewissen elitären Wahn entwickelt hat, sich einige Künstler wie Pop-Sternchen fühlen und Auktionshäuser mit ihren Wahnsinnspreisen den Kunstmarkt in ein Hollywood ähnliches Szenario verwandelt haben, kann man vermutlich nicht gänzlich abstreiten. Doch haben die Künstler nicht seit jeher einen gewissen Hype? Werden sie nicht seit Jahrzehnten vergöttert und umschwärmt, imponiert nicht seit Generationen ihre Kreativität und das scheinbar freie Leben fernab gesellschaftlicher Normen?//

Ja, es gibt sie, diese Rockstars unter den Künstlern. Ebenso wie es einige gehypte Super-Manager oder Modedesigner gibt, die als Paradigma einer Branche fungieren, Klischees erfüllen und Neue erschaffen. Typen wie Jonathan Meese, die ihre Aufmerksamkeit nicht immer primär für die Kunst an sich bekommen, sondern deren Medienpräsenz in erster Instanz Ergebnis von Auftreten und Charakter ist. Dass dieses Zitat jedoch von dem Galeristen von CFA Berlin stammt, die als eine der größten Produktionsmaschinen von Künstler-Stars in Deutschland fungiert – die auch Meese erst groß gemacht haben – überrascht dann doch. Die teilweise wenig mitfühlenden Kommentare auf Facebook als Reaktion verwundern so kaum.

Die Galerien als Profitgeile, die massig Gewinn erzielen und die Preise künstlich in die Höhe treiben? Ein Statement, dass man vielleicht einem Künstler zuschreiben würde, der sich als Opfer eines solchen Systems verstünde. Doch in diese Kerbe schlägt der Kunstberater Stefan Simchowitz rein. Da möchte man nur noch fragen: Entschuldigen Sie bitte, wer ist denn hier bitte abgefuckter? Denn im Vergleich zu einem Kunstberater, der die Werke der Künstler zwar vertreibt (nachdem er diese sehr günstig eingekauft hat), sind Galerien auch um Etablierung der Künstler und ihren Aufbau interessiert. Statt einfach nur wahllos zu verkaufen und Geld zu beschaffen, präsentieren sie die Künstler auf internationalen und teuren Messen, platzieren sie möglichst in wichtigen Ausstellungen und stellen sie selber regelmäßig mit einem entsprechenden Aufwand aus. Anders als ein Kunstberater, der zwar die Arbeiten in (privaten) Sammlungen platziert und verkauft, sich aber in den meisten Fällen um die sonstigen Belange der Künstler herzlich wenig bemüht. Wenn der Umsatz einer Galerie also auch den gehörigen Geld- und Zeitaufwand für den Aufbau und die Etablierung des Künstlers decken muss, fällt dieser Posten beim Kunstberater, der sich dieser Funktion eher entledigt, weg. Das mag im Interesse seiner Kunden sein, doch sicher weniger im Interesse der Künstler.

Der Galerist Brunnet hat so also einen Punkt. Sie investieren viel Zeit und Geld in die Platzierung der Künstler am Markt. Wenn dann ein Künstler in der Blüte seiner Zeit die Galerie verlässt, und sich zu Größerem berufen fühlt – wie bei Meese – kann man über die Starallüren schon mal zu meckern beginnen. Und sich in einer von Party’s und Lifestyle regierten Kunstszene auch schon mal fragen, warum es eigentlich nicht mehr um die Kunst  an sich geht. Oder sich wie Gerhard Richter über die absurd hohen Preise seiner Werke in Auktionen beschweren. Vielleicht ein Luxusproblem. Doch für den Großteil der Künstler und Galeristen, die tagtäglich um ihr Überleben kämpfen, wirklich abgefuckt.

// Sabrina Möller

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Kunstblog – Art and Signature – Kunstmagazin für Wien / Zeitgenössische Kunst