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Die Tendenz einer Verlagerung des Kunstmarktes in die digitale Welt schreitet stetig voran. ‚Pablo & Paul‘ gliedert sich ein in eine Generation, die durch das Leben im Netz geprägt ist. Mit ihrem (Online) Format bieten sie erschwingliche Unikate und exklusive Editionen an – und das ohne Verzicht auf die gute Betreuung ihrer vertretenen Künstler. Wir sprachen mit Dr. Philipp Bode – Geschäftsführer von ‚Pablo & Paul‘ – über das Konzept und die Entwicklungen … 

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Mit ‚Pablo & Paul‘ bietet ihr erschwingliche Arbeiten junger Künstler an – Unikate und streng limitierte Auflagen. Was ist der Leitgedanke hinter der Gründung von Pablo & Paul? 

Wir machen den Kauf von Kunst zum Kinderspiel. Bei Pablo & Paul kann jeder zeitgenössische Kunstwerke zu erschwinglichen Preisen ab 150 Euro entdecken. Ganz frei von irgendwelchen elitären Hürden und unbezahlbaren Preisen, kann man bei uns nach aufstrebenden und etablierten Künstlerinnen und Künstlern stöbern. Wir bieten eine außergewöhnliche, kuratierte Vielfalt an Malereien, Druckgrafiken, Zeichnungen, Fotografien und Mixed Media-Arbeiten an. Unsere Vision ist es, Kunst einem breiten Publikum einfacher zugänglich zu machen. Wir verbinden die Vorteile einer konventionellen Galerie mit dem schrankenlosen Medium Internet und einem neuen, digitalen Verkaufserlebnis. Das bedeutet, dass wir Kunstwerke neben unserem Online-Shop www.pabloundpaul.de auch auf Touch-Displays in unseren Shop-in-Shops und bald in unseren Läden präsentieren und verkaufen. So wird Kunst auf neue und einzigartige Weise erfahrbar und der Kunstkauf zum Erlebnis.

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Worauf müsst ihr bei der Auswahl der Arbeiten besonders achten, wenn ihr eure Arbeiten ausschließlich digital präsentiert? 

Wenn wir Werke auswählen, beurteilen wir in erster Linie die Qualität der Arbeiten und denken nicht primär an die digitale Präsentation. Natürlich muss man darauf achten, dass die Arbeiten gut fotografiert sind und für die HD Darstellung geeignet sind.

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Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Künstler aus? 

Wir legen Wert darauf, dass jeder unserer Künstler einen besonderen Stellenwert in unserem Portfolio einnimmt. Wir wollen eine Vielfalt an junger Kunst zeigen, unserer konzeptuellen Linie aber dennoch treu bleiben. Dabei stellen wir hohe Anforderungen an Qualität und Aktualität der Kunstwerke. Die Aktualität, sei es das Medium, die Umsetzung oder der Inhalt der Arbeiten, ist es was wir unter „junger Kunst“ verstehen. Vor Vertragsabschluss spricht unser Kuratorinnenteam mit jedem Künstler persönlich. Unsere Entscheidungen sind freilich auch emotional geleitet. Wir wenden nicht einfach einen starren Kriterienkatalog an. Wenn uns eine Arbeit berührt, ist es für uns und unser Klientel immer interessant.

Bereits bei eurer Gründung habt ihr deutlich gemacht, dass ihr euer digitales Angebot um „Ladengalerien“ in verschiedenen Städten ergänzen wollt. Nun habt ihr euren ersten Shop-in-Shop beim dänischen Designmöbelhersteller BoConcept in München eröffnet – herzlichen Glückwunsch! Interessant ist, dass ihr eure Arbeiten hier jedoch auch am Screen präsentiert. Das ermöglicht es dem Kunden, auf das gesamte Angebot zuzugreifen – sehr zeitgemäß. Aber gleichzeitig stellt sich die Frage, ob da nicht was verloren, wenn man die Kunst nicht mehr (oder so wenig) im Original sieht? Wie wichtig ist das heutzutage noch? 

Unsere Erfahrungen auf Messen und in unserem Shop-in-Shop zeigen, dass viele Menschen die Kunstwerke nicht mehr im Original sehen müssen. So betrachten Besucher die Kunstwerke sogar eher auf dem Bildschirm, obwohl das Original mitunter direkt vor ihnen hängt. Da sieht man, dass unsere Interessenten gerne mit unserem Touch-Display arbeiten. Laut einer Studie verkaufen mittlerweile mehr als 89 Prozent der Galerien ihre Arbeiten auch via „jpegs“ in Emails. Sicherlich werden manche Personen weiterhin das Original sehen wollen. Wichtiger ist aber vielen Kunden die persönliche Beratung, die wir sowohl online über unsere Chatfunktion, als auch offline über unsere Servicemitarbeiter vor Ort anbieten. Letztendlich hängt ja nach dem „digitalen“ Kauf ein Original an Ihren Wänden.

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Sind wir noch nicht bereit für einen rein digitalen Kunstmarkt? 

Der Online-Kunstmarkt wächst mit rund 20 Prozent pro Jahr sehr stark, aber von einer sehr kleinen Basis. Online Touchpoints sind also wichtig, aber Offline Touchpoints ebenso. Knapp 90% der Deutschen kaufen immer noch in Stationärgeschäften ein. Das spiegelt sich auch im Kunstmarkt wider. Aus unserer Sicht schätzen die Menschen die digitale Vielfalt und weiterhin das stationäre Einkaufserlebnis. Kunst ist auch mehr als reine „Flachware“.  Wir zeigen in unsere Läden zum Beispiel auch Aktionen wie Live-Paintings. So fertige die Künstlerin Yuliia Koval in unserem Shop-in-Shop bei BoConcept eine große Wandarbeit in 3 Tagen an. Das ist online so nicht möglich. Wir haben festgestellt, das unser Klientel durch solche Performances einen leichteren Zugang zu Kunst findet.

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Ein möglicher Kritikpunkt bei dem Shop-in-Shop könnte sein, dass die Kunst dadurch sehr kommerzialisiert wird und zu einer Art Dekoration als Ergänzung beim Möbelkauf wird. Das ist aber nur eine mögliche Perspektive – wie seht ihr das? 

Unser Ansatz, Kunst in Wohnwelten zu zeigen, verdeutlicht den Besuchern wie Kunst Ihr Leben verschönern kann. Durch die Qualität und die Präsentation unserer Arbeiten stellen wir sicher, dass diese nicht als Dekokunst eingeordnet wird. Insbesondere durch Unikate und limitierte Editionen können kreative, individuelle Akzente gesetzt werden können. Die Künstler sind sehr aufgeschlossen für neue Präsentationsmöglichkeiten, es gilt ja auch Menschen mit Kunst zu erreichen, die sonst nicht zum klassischen Galeriepublikum zählen.

Inwieweit unterscheidet sich eure Zusammenarbeit mit den Künstlern, von jener mit „klassischen“ Galerien? Betreut ihr eure Künstler auch in Hinblick auf ihre Vermarktung wie der Platzierung in wichtigen Ausstellungen und die Vertretung auf Messen? 

Wir zeigen unsere Künstler in der Tat auf Messen, wie u.a. der ARTMUC oder Affordable Art Fair und Ausstellungen und platzieren sie in renommierten Zeitschriften. Wir wollen Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt eine Präsentations- und Verkaufsplattform bieten, damit sie ein größeres Publikum erreichen, Bekanntheit erlangen und internationale Sammler auf sie aufmerksam werden. Gerade unsere internationalen Künstler aus Argentinien, Italien, Kanada etc. profitieren vom Zugang zum deutschen Markt.

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Wie nehmen die Kunden das Konzept an? 

Wir erhalten sehr positive Rückmeldungen von Kunden. Insbesondere freut uns, dass wir Wiederkäufer haben und viele Kunden bei uns ihr „erstes Kunstwerk“ kaufen.

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… und die Künstler? 

Wir sind sehr stolz, dass viele, außergewöhnliche Künstler auf unserer Plattform sind. Die große Anzahl an Künstleranfragen zeigt uns, dass unser Konzept sehr positiv angenommen wird.

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Versteht ihr euch rein als (Online-) Shop oder wird es künftig auch (digitale) Ausstellungen geben? 

Ausstellungen sind ein zentraler Aspekt unseres Konzepts. In unserer aktuellen Vernissage bei BoConcept in München zeigen wir die beiden Künstlerinnen Evelyn Dragan und Yuliia Koval.  Ab Mitte September folgen der Fotograf Robert Götzfried und die Mixed-Media Künstlerin Julia Schewalie. In unserer Ausstellung „Beyond I like“ zeigen wir vom 17. bis 28. September in München (Buttermelchstraße 5) Arbeiten von 7 internationalen Künstlern, die von unseren Facebook-Followern im Rahmen unseres Art World Cups ausgewählt worden sind. Die Ausstellung wird sich durchaus kritisch mit der Frage nach dem wachsenden Einfluss von Online-Communities und der Notwendigkeit von interaktiven Angeboten und Partizipation beschäftigen.

// Interview geführt von Sabrina Möller

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