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Bei der P/ART producers artfair in Hamburg stehen die Künstler im Mittelpunkt des Geschehens. Galerien sucht man hier vergebens – zumindest unter den Ausstellern, man findet sie wohl aber im bunt gemischten Publikum. Unabhängige KünstlerInnen präsentieren ihre Arbeiten selbst und das bietet die Chance direkt in Kontakt zu treten. Am 11. September geht es los – Carolina hat vorher schon nachgefragt …

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Was ist die P/ART in drei Worten? 

Immer wieder Neuanfang.

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Wie kamt ihr zu der Idee, die P/ART zu gründen? 

Am Anfang war die recht profane Idee, das Konzept der Produzentengalerie aus den 70er Jahren weiterzuentwickeln und daraus eine Plattform auf Messeniveau zu schaffen. Wir wollten KünstlerInnen unabhängig von Galerien eine Spielwiese schaffen, die immer den Bezug zum Kunstmarkt mitdenkt und gleichzeitig den Betrachter und Käufer von künstlerischen Arbeiten in inhaltliche und rezeptionsästhetische Fragestellungen mit einbezieht.

Davon ausgehend ist die Idee allerdings bis heute noch nicht fertig gedacht oder zumindest fertig umgesetzt. Wir sind ein Kollektiv, das an einem Messeformat für KünstlerInnen arbeitet, das stets verformt und verändert werden kann und soll. Das ist für uns reizvoll – auf Ansprüche, Inhalte und Impulse zu reagieren, die ständig neu und anders auf uns einwirken.

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Was erhofft ihr euch von der Messe am 11.09-14.09.2014? 

Unser Erfolg misst sich im Wesentlichen an zwei Parametern. Zum einen an der Besucherzahl, wobei nicht nur die Quantität zählt. Wir wollen durch unser Rahmenprogramm die Auseinandersetzung mit Kunst und den Diskurs fördern. Der Besucher soll in verschiedene Formate eingebunden und auf diese Weise ein aktiver Rezipient werden. Der zweite Parameter sind natürlich die Verkaufszahlen, das Konzept soll sich langfristig selbst tragen. Wir achten bewusst darauf, dass jeder Künstler auch Arbeiten anbietet, die zu erschwinglicheren Preisen angeboten werden, um den Kunstkauf einem breiten Publikum zu ermöglichen.

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Was für Kriterien brauchen Künstler, um bei P/ART aufgenommen und repräsentiert zu werden? 

Das ist von unserem Standpunkt aus schwer zu sagen. Wir haben die finale Auswahl der Künstler ausgelagert und übergeben diese Verantwortung an eine unabhängige Experten-Jury. Natürlich haben wir insoweit Einfluss, als dass wir die Jury zusammensetzen. Wir achten dabei bewusst darauf, verschiedene Expertisen und Strömungen zu repräsentieren. Dieses Jahr waren Julia Jung (Ausstellungsmanagement Sammlung Falckenberg), Henning Kles (Maler und Dozent), Tilman Kriesel (Architekt und Sammler), Merle Radtke (Wissenschaftliche Assistenz Kunsthalle Hamburg) und Inga Wellmann (Kulturbehörde Hamburg) in der Jury vertreten. Wir machen bewusst wenig Vorgaben, aber wenn man mit den Juroren spricht, dann merkt man ganz schnell ein feines Gespür für die Tiefe des jeweiligen künstlerischen Ansatzes.

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Wer ist die Zielgruppe der P/ART? 

Da machen wir grundsätzlich keine Einschränkungen. Jeder, der sich für Kunst interessiert, ist herzlich willkommen. Wie gesagt misst sich unser Erfolg vor allem auch an der Quote der aktiv partizipierenden Besucher. Die Offenheit dafür kann man mitbringen oder aber auch erst auf der P/ART lernen, dementsprechend setzen wir keine Anforderungen bei unseren Besuchern voraus.

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Auf der Website steht folgendes Prinzip: „KünstlerInnen zeigen ihre Werke selbst, bestimmen deren Preise und treten in direkten Kontakt mit dem Publikum“ –  was für Vorteile hat das für die P/ART? 

Wir glauben, dass eine Verkürzung des Kommunikationswegs zwischen Rezipienten und Besucher essentiell ist, um den angesprochenen Diskurs zu fördern. Vielfach empfindet der Kunstinteressierte Barrieren, sich selbstbewusst auf eine Auseinandersetzung einzulassen, weil Meinungen und Aussagen von Kunst oftmals schon determiniert wurden. Wir wollen jedoch einen offenen Rezeptionsprozess anstoßen, und so die Voraussetzungen zu schaffen, dass Kunst von jedem individuell wahrgenommen, verstanden und erlebt werden kann.

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Eure Partner sind namenhafte Unternehmen wie Fritz Kola oder Bauhaus –  was hat sie überzeugt euch zu unterstützen? 

Bei den Sponsorings setzen wir, so wenig erfolgsversprechend es klingt, tatsächlich überwiegend auf Idealismus. Natürlich haben wir auch Möglichkeiten imagefördernde Präsentationsflächen zu bieten, allerdings arbeiten unser Team und viele Helfer auf unentgeltlicher Basis mit viel Idealismus, dieser Funke springt oftmals über.

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Oft hört man von Kritikern, Hamburgs Kunstszene sei tot. Seid ihr der Gegenbeweis? 

Tot ist eine Kunstszene erst dann, wenn nichts mehr passiert. Der Umstand, dass Kritik geäußert wird, spricht dafür, dass noch Leben da ist. Die P/ART ist sicherlich auf fruchtbaren Boden gestoßen, weil es wenige Formate in Hamburg gibt, die flexibel genug sind, verschiedene Personengruppen sowohl auf Produzenten- wie auch auf Besucherseite zusammenzubringen. Wir erwarten von uns selbst eine große Offenheit für alle Ideen und Kooperationen, die an uns herangetragen werden. Einen Beweis für die Lebhaftigkeit stellt die P/ART aber erst dann dar, wenn das Format angenommen wird und weiterbestehen kann.

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Wo seht ihr euch in fünf Jahren? 

Wir halten das Konzept durchaus für so tragfähig, um in anderen Städten bestehen zu können. Es sind sicherlich günstige Umstände gewesen, dass wir uns in so kurzer Zeit etablieren konnten. Das Risiko, bei größeren Strukturen die individuelle Initiative vieler Mitstreiter und Unterstützer einzubüßen, müssen wir langfristig gegen die Vorteile einer größeren Reichweite abwägen. Natürlich besteht auch die Gefahr, dass die inhaltliche Arbeit aufgrund eines größeren Organisationsaufwands in den Hintergrund tritt. In erster Linie wollen wir durch konstante Qualität überzeugen und glauben an eine positive Entwicklung in Hamburg. Insbesondere soll die P/ART auch eine zukunftsorientierte Erwerbsquelle für Künstler aller Genres werden. Mit weiterem Wachstum hoffen wir, dass auch andere Initiativen von einem dynamischen Hamburger Standort profitieren werden, der viele Menschen aller Orte zusammenbringt.

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Vielen Dank für eure Zeit !

// Interview geführt von Carolina Vinqvist

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P/ART producers artfair

PHOENIX FABRIKHALLEN (Hamburg) | 11.-14. September 2014

www.producersartfair.com

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