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Die Sommerpause ist vorbei und die Wiener Galerien starten die neue Saison mit abwechslungsreichen Ausstellungen. Präsentiert werden die Arbeiten nationaler wie internationaler KünstlerInnen, deren Arbeiten unterschiedlicher nicht sein könnten…

Die aktuelle Josef Dabernig-Ausstellung im mumok läuft noch bis 14. September. Parallel dazu bietet die Galerie Andreas Huber in der Schleifmühlgasse die Gelegenheit, sich noch intensiver mit dem Schaffen des österreichischen Filmemachers auseinanderzusetzen. Die Ausstellung, die bereits vor der Sommerpause zu sehen war, wurde nun nochmals eröffnet und kann noch bis 27. September besucht werden. Liegt der Fokus in der umfassenden Dabernig-Retrospektive im mumok primär auf seinen Videoarbeiten, so konzentriert sich Andreas Huber vor allem auf Dabernigs skulpturales Werk. In der Ausstellung 3×3 werden die drei Räumlichkeiten der Galerie durch drei orthogonale Raum-Skulpturen dramaturgisch aufgeladen. Durch das Spannungsverhältnis von An- und Abwesenheit stellt der Raum eine dritte, medienüberschreitende Dimension dar, in der nicht nur Innen- und Außenbezüge sondern auch jene von Subjekt und Objekt in Frage gestellt werden.

Ein paar Hausnummern weiter präsentiert Christine König die vom Künstler und Hochschullehrer Sepp Auer kuratierte Gruppenausstellung On Paper. Im Zentrum der Schau stehen jedoch nicht Papierarbeiten im Allgemeinen, sondern vor allem Bildhauerzeichnungen, die im strengen Sinne zur Vorbereitung und Skizzierung skulpturaler Arbeiten dienen sollten. Im Rahmen der gattungssprengenden Umbrüche im dreidimensionalen künstlerischen Schaffen im 20. Jahrhundert, befreite sich die Bildhauerzeichnung von ihrer funktionellen Werkform. Der Fokus der Ausstellung liegt also auf einer emanzipierten Form der Bildhauerzeichnung, die als offenes System aufgefasst wird und eine Vielzahl von zweidimensionalen Gestaltungsmöglichkeiten zulässt. Zu sehen sind Arbeiten von u. a. Erwin Wurm, Walter Pichler, Bruno Gironcoli und Monica Bonvicini.

Die Galerie Meyer Kainer stellt im September die Installation der georgischen Künstlerin Thea Djordjadze vor. Djordjaze, die in ihren Arbeiten oft physische Prozesse, sowie Aktion und Bewegung thematisiert schafft in ihrer aktuellen Arbeit einen begehbaren, physisch erfahrbaren Parcours, der sich aus unterschiedlichsten Materialien (Metall, Gips, Stroh) zusammensetzt. Durch die Gebrauchs- und Produktionsspuren, die die Künstlerin bei der formalen Gestaltung ihrer Arbeit bewusst sichtbar werden lässt, verwandelt sich die Installation in eine Art Assoziationspfad, der keine wortwörtliche, inhaltliche Bedeutung der arrangierten Objekte zulässt.

Die Galerie Krinzinger präsentiert zwei Künstlerinnen, deren Arbeiten jeweils mit dem Thema „Indien“ in Verbindung gesetzt werden können. Die indische Künstlerin Mithu Sen ist vor allem für ihre – meist erotischen – Zeichnungen bekannt. In der aktuellen Ausstellung A ° Void werden ihre Zeichnungen im Rahmen einer Lichtinstallation ausgestellt, in der abwechselnd Schatten und Licht auf die Seiten einfallen, sodass es dem Zufall und der Positionierung des Betrachters überlassen ist, was sich zu erkennen gibt. In der Ausstellung Kali, eine Reise nach Indien zeigt die Galerie Krinzinger Fotoarbeiten der in Frankreich lebenden Renate Graf, die auf ihren zahlreichen Reisen (u.a. mit ihrem Ehemann Anselm Kiefer) entstanden sind. Die Arbeiten werden von einem indischen Meister in der Dunkelkammer von traditionellen Negativen auf ungarisches Fotopapier gedruckt, was den Prints eine besondere Ästhetik verleiht. Sich selbst nicht als Fotografin bezeichnend, beschreibt Graf ihre Arbeiten vielmehr als eine Form von Sprache.

In der Wiener Secession werden aktuell die aus großformatigen Skulpturen und Wandbildern bestehende Installation der Bildhauerin Diana Al-Hadid gezeigt, die eigens für den Hauptraum der Secession entwickelt wurde. Die in der Ausstellung The Fates (Die Parzen) präsentierten, multimedialen, aus alltäglichen Baustoffen und in vielen Schichtungen zusammengesetzten Arbeiten basieren auf einem offenen künstlerischen Prozess, der sich auf experimentelle Weise traditioneller skulpturaler Praktiken bedient und mit Verschiebungen zwischen der zweiten und dritten Dimension sowie zwischen den Größenrelationen spielt. Das Grafische Kabinett der Secession wird hingegen von der Installation Dust Never Sleeps der brasilianischen Künstlerin Cinthia Marcelle beansprucht. Der Raum ist komplett mit tiefschwarzem Staub überzogen, so dass die Spuren der Zeit und des Verfalls deutlich sicht- und spürbar sind.

Abschließend sei noch auf das von Ines Doujak und Oliver Ressler initiierte Forschungsprojekt Utopian Pulse – Flares in the Darkroom in der Secession aufmerksam gemacht. Das Projekt wird als Ausstellung in sieben Salons gegliedert vereint internationale KulturproduzentInnen mit substanzieller künstlerischer und kuratorischer Praxis. Ab 11. September 2014 werden in der Galerie der Secession rund zwei Monate lang im Wochenrhythmus Arbeiten anderer KünstlerInnen gezeigt und diskutiert, wobei die Beiträge der einzelnen Künstler-KuratorInnen nicht hintereinander gezeigt werden, sondern produktiv miteinander interagieren. Ziel des Projekts ist es also, neue Formen des Austausches zu ersinnen. Die Forschungsausstellung läuft bis 2. November und wird mit verschiedenen anderen Formaten wie etwa großflächigen Plakaten für die Künstler-KuratorInnen auf der Fassade des Hauses verknüpft.

// Fanny Hauser

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