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Bereits zum dritten Mal fand von 16. bis 21. September die Berlin Art Week statt. Neben einer fulminanten Ausstellungseröffnung an der Akademie der Künste luden auch zahlreiche Berliner Galerien zu Vernissagen ein und präsentierten sich außerdem auf der abc – art berlin contemporary. Fanny Hauser berichtet von einer erfolgreichen Eröffnung und der mittlerweile 7. abc-Kunstmesse.

Schwindel der Wirklichkeit – Unter diesem Motto stand die diesjährige Eröffnungsausstellung der Berlin Art Week. Schwindelig konnte einem an diesem Abend tatsächlich werden: Mit über 4000 BesucherInnen platzte die Akademie der Künste am Hanseatenweg aus allen Nähten. Im Mittelpunkt des Abends stand die aktuelle Ausstellung Schwindel der Wirklichkeit, die ihren Fokus auf die Frage nach Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit in den Künsten legt. Vor dem Hintergrund der Traditionen künstlerischer Auseinandersetzungen seit den 1960er Jahren werden aktuelle Entwicklungen der Game Art hinterfragt. Vor allem die exemplarische Auswahl von Closed-Circuit-Videoinstallationen, Filmen sowie Spiegelobjekten und aktuellen Performance-Projekten möchte die aktuelle Entwicklungen der Game Art hinterfragen und stellt die Wahrnehmung der BetrachterInnen ins Zentrum der Schau. Zu sehen sind u. a. Arbeiten von Marina Abramović, Bill Viola, Tino Sehgal, Valie Export und Bruce Nauman. Wem es aufgrund der Menschenmassen nicht geglückt ist, einen Blick in die Ausstellung zu erhaschen, der hatte hoffentlich mehr Chancen sich dem Rahmenprogramm des Abends zu widmen: Nachdem der jüngst verstorbene Künstler Harun Farocki im Studio der Akademie mit zwei seiner Filme (Ein Bild, 1983 und Ein neues Produkt, 2012) gewürdigt wurde, bespielte Christian Falsnaes die Bühne des Raumes. In gewohnter Manier stellte der dänische Künstler mit der Performance Rise das partizipierende Publikum auf die Probe und bewies einmal mehr seine Fähigkeiten als gnadenlos-treibende Kraft in einer sozialen Masse.

Die auf die Eröffnung folgenden Tage widmeten sich vor allem einem Thema: den Galerien. Während die neu ins Leben gerufene Messe Positions versuchte einen Überblick über die Regionalszene zu geben und die Berliner Liste aufstrebende (und noch bezahlbare) KünstlerInnen präsentierte, luden die einzelnen Berliner Galerien zu Ausstellungseröffnungen in ihren Räumlichkeiten ein (zu sehen waren u. a. Arbeiten von Corinna Wasmuth, Ai Weiwei, Martin Kippenberger und Christian Falsnaes).

Das eigentliche Galerien-Highlight bot allerdings die abc – art berlin contemporary, die am Donnerstag eröffnete. Auf den rund 23.000m2 der denkmalgeschützten Hallen des ehemaligen Dresdner Bahnhofs („STATION-Berlin“) präsentierten sich nationale wie internationale Galerien als Schauplätze für aktuelle Kunst. Auf formaler Ebene gestaltete die Messe sich eher untypisch: Das Fehlen von Trennwänden und eigentlichen Messeständen der Galerien, erlaubte es, die oft überdimensionalen Skulpturen und Installationen der KünstlerInnen auf sehr viel freiere Art und Weise auszukundschaften.

Zu den Höhepunkten des Messe-Parcours zählte mit Sicherheit die Installation von Anna Munteanu Rimnic für PSM. Als Braunbär verkleidet verwüstete die rumänische Künstlerin am Eröffnungstag eine ganze Wochenproduktion an Bleikristall-Vasen aus ihrer Heimat. Zu kaufen gab es sowohl das Bärenkostüm als auch ein Video bzw. Fotografien der Performance. Tobias Rehberger, Künstler der Galerie neugerriemschneider, entwarf eine Wand mit einer bunten, psychedelisch anmutenden Tapete, auf die er in ähnlichen Farben gehaltene Gouachen und Objekte applizierte. Die jeweiligen Objekte konnten um 2000 bis 8000 Euro erworben werden. Dazu gab es einen Stick, mit dem man sich die Tapete schließlich in gewünschter Größe selbst ausdrucken konnte, um das jeweilige Einzelstück auch an der passenden Wand montieren zu können.

„NE TRAVAILLEZ JAMAIS“ – auf diesen in Neonbuchstaben aufleuchtenden situationistischen Aufruf stieß man in der Halle C der Messe: Die Galerie Grieder Contemporary aus Zürich hat dort nämlich eine große Holzhütte des Schweizer Künstlers Kerim Seiler aufgebaut, dessen Arbeit auf eine Reise in Johannesburg zurückgeht. Die doppelstöckige Holzhütte, deren Planken einem eigens entworfenen Farbsystem folgen, fungierte als Träger des Neonschriftzuges und konnte für rund 60.000 Euro erworben werden. Die Arbeit von Judith Hopf, die von der Münchner Galerie Deborah Schamoni präsentiert wurde, überzeugte ebenfalls: Die Künstlerin schnitt in ihrer Arbeit verschiedene Alltagsgegenstände (Hocker, Vasen, etc.) schräg an und setzte sie auf glänzend zerfließende Silikonflächen. In Anspielung an unsere Welt, in der sich alles zu verflüssigen scheint, inszeniert Hopf Objekte, die den Boden unter sich zu verlieren scheinen.

Auch österreichische Galerien bahnten sich ihren Weg zur diesjährigen abc. Die Galerie Krinzinger präsentierte in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Sies + Höke Arbeiten von Jonathan Meese, während Georg Kargl auf die Verdichtungen des vor wenigen Monaten in der Galerie gezeigten David Maljkovic stetzte. Rosemarie Schwarzwälder stellte die Ordnungssysteme Heinrich Dunsts zur Schau, der in seinen Arbeiten Elemente der Sprache, des Bildes und der Skulptur in Verhältnis zueinander setzt.

Ein Highlight stellten die von Christine König vorgestellten Arbeiten des Grazer Künstlerduos G.R.A.M. in der Nähe einer überdimensionalen Hängeleuchte von Künstler Kristof Kintera (präsentiert von der Berliner Galerie Schleicher/Lange) dar: Die auf Wahlplakatgröße aufgezogenen Nachstellungen von Pressefotos, die schlafende oder raufende PolitikerInnen zeigten, zogen nicht nur die Aufmerksamkeit der BesucherInnen auf sich, sondern sorgten auch für schmunzelnde Gesichter in der Messehalle und lassen bereits gespannt auf die Anfang Oktober stattfindende VIENNAFAIR warten …

// Fanny Hauser

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