//

„Die Stadt ist ins Bett übersiedelt.“ – Curated by_vienna findet mittlerweile zum sechsten Mal statt und legt diesmal den von Beatriz Colomina verfassten Aufsatz „The Century of the Bed“ sowie ihre impulsgebenden Überlegungen zu den Schnittstellen zwischen Kunst und Architektur als Ausgangspunkt fest. Die Architekturhistorikerin und –theoretikerin thematisiert darin vor allem die Konsequenzen und Veränderungen durch neue Medien: Arbeitstage im Bett und der wahrgewordene (Alb-)Traum häuslicher Konnektivität. Bis einschließlich 8. November können die von den internationalen Kuratoren und Kuratorinnen konzipierten Ausstellungen nun besucht werden. 

Shimmering heißt die von Rike Frank kuratierte Ausstellung in der Galerie Krobath. Die Kuratorin versteht das Bett hierbei als einen Raum, der zwischen der Medialität einer gesellschaftlichen Bühne und der Vorstellung der Existenz eines uneinnehmbaren Ortes oszilliert. Das Changieren zwischen persönlicher und kollektiver Architektur wird dabei als Hauptmerkmal des Bettes festgelegt. In diesem Zusammenhang werden u. a. Arbeiten von Eric Bell & Kristoffer Frick, Julian Göthe, Dorit Margreiter, Sarah Pierce, Kirsten Pieroth und Isa Genzken präsentiert.

Dirck Möllmann, Kurator von Das kleine i bei Gabriele Senn, versteht das Bett hingegen als einen Ort der Ruhe, als Gegenpol zu Arbeit und Aktivität. Indem es Arbeit und Nichtstun in sich vereint, suspendiert es den täglichen Konflikt um Bedeutung und die unablässige Arbeit am Sinn. Von diesem Leitgedanken beflügelt werden zwei Generationen von KünstlerInnen präsentiert, die sich zwar nicht das Motiv des Bettes zu eigen machen, jedoch das außer Kraft gesetzt-sein zum Inhalt ihrer Arbeiten machen. Gezeigt werden Werke von James Cabot, Lana Čmajčanin, Paul Etienne Lincoln und Saskia Noor van Imhoff.

Mit Sleepless Nights hatten wohl bereits auch die in der Galerie Hubert Winter ausgestellten KünstlerInnen zu kämpfen. Die in Paris lebende Kuratorin Abigail Solomon-Godeau interessiert sich vor allem für die grundsätzliche Unkommunizierbarkeit von Schlaflosigkeit, die in einer permanenten Herausforderung für die Kunst resultiert. Während die Romantik oder der Surrealismus sich primär auf die Untersuchung von Traummechanismen fokussierte, nähern sich die KünstlerInnen der Gruppenausstellung dem Thema unter einem bewusst sachlichen, bisweilen sogar physischen Blickwinkel an. Zu sehen sind vor allem Video-, Film- und Multimedia-Installationen von u. a. Daniel Eisenberg, Juan José Herrera, Thomas Israël, Birgit Jürgenssen, Anne Lindberg, und Eric Vernhes.

Maja und Reuben Fowkes verlegen die von ihnen kuratierte Schau in der Knoll Galerie gewissermaßen #underthestars. Die Ausstellung thematisiert ökologische Alternativen zur tragisch-passiven Figur des immateriellen Arbeiters, der seine Tage Email-schreibend und auf sozialen Netzwerken surfend im Bett verbringt. Das Übernachten im Freien stellt hier eine gegenläufige Position dar, entscheidet man sich unter den Sternen doch eindeutig gegen ein technologisiertes Leben und die illusorischen Sicherheit, die die moderne Architektur verspricht. Die gezeigten KünstlerInnen (Tibor Horváth, Oto Hudec, Renata Poljak und Davor Sanvincenti) setzen bei einer ökologischen Kritik des „Century of the Bed“ an und scheinen sich unter freiem Himmel ebenfalls zuhause zu fühlen.

Good Night, Mister Procrustes heißt es ab 2. Oktober in der Galerie Steinek, die für ihre Ausstellung den New Yorker Psychiater Peter Stastny eingeladen haben. In Anlehnung an die griechische Mythologie (Prokrustes gilt als Inbegriff des Bösen, der Pilger in seinen Eisenbetten folterte), wird das Konzept von Beatriz Colomina aus psychologischer Sicht hinterfragt. Das Prokrustesbett versteht sich in der Ausstellung als Metapher für den Zwang unserer Gesellschaft, sich in vorgegebene Ordnungen einzufügen. Davon ausgehend, beziehen u. a. Jim Shaw, Katrin Sigurdardottir, Kiki Smith, Francis Alys und Jana Sterbak Position zum Thema und präsentieren ihre Arbeiten.

Nicht verpassen sollte man außerdem die Ausstellung in der Galerie Meyer Kainer (kuratiert von Liam Gillick und Rachel Harrson) sowie die von Sabeth Buchmann konzipierte Schau in der Galerie Mezzanin (zu sehen sind u. a. Arbeiten von Félix González-Torres). Martin Janda stellt in der Gruppenausstellung A Mouse Drowned in a Honey Pot u. a. Arbeiten der New Yorker Künstlerin Jill Magid vor und holte sich dafür Hilfe von der in Mexiko City lebenden Kuratorin Magalí Arriola.

// Fanny Hauser

//