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Weihnachten steht vor der Türe, doch die Wiener Galerien lassen sich von winterlichen Temperaturen und dem jährlichen Dezemberstress dennoch nicht davon abringen, mit spannenden Ausstellungen zu begeistern. Fanny Hauser gibt den Überblick.

Ende November kuratierte die österreichische Künstlerin Constanze Ruhm zwei Filmabende in der Kunsthalle Wien. Bezugnehmend auf den Essayfilm „PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL“ (Constanze Ruhm/Emilien Awada 2014/15) wurde der Fokus des Filmprogramms auf die beiden dem Film zugrunde liegenden Themen gerichtet: Das Sujet des Vogels in der Filmgeschichte einerseits, und das Verfahren des Castings andererseits. Eine filmische Vorstudie zu „PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL“ ist zur Zeit im Rahmen einer Constanze Ruhm gewidmeten Einzelausstellung in der Kerstin Engholm Galerie zu sehen. Gezeigt werden fotografische Arbeiten sowie zwei kurze Filme, die als Vorversionen für einen geplanten Film fungieren, der sich um ein 1971 abgebranntes französisches Filmstudio sowie der Wohnanlage dreht, die auf dessen Gelände gebaut wurde.

Die Galerie Meyer Kainer widmet ihre aktuelle Einzelausstellung der jungen österreichischen Künstlern Verena Dengler. Der kokett-signifikante Titel verrät bereits, worum es in der Ausstellung primär geht, nämlich um die Künstlerin selbst. Ihre Rolle als Frau, als bildende Künstlerin, als Literatin, als Model und Muse für Künstlerfreunde – die komplexe Gewichtung der verschiedenen simultanen Identitäten ihrer Person werden aufgeworfen, im einzelnen Werk unterlaufen und in der Gesamtinstallation ausbalanciert. In dem ausufernden, von Dengler entwickelten Display überlagern sich verschiedene Bedeutungen und Konnotationen zu einem vieldeutigen Feld rund um die heterogenen Kategorien von Identität und Authentizität der Künstlerin als Kunst–Figur. Die Ausstellung kann noch bis 16.1.2015 besucht werden.

Auch der Titel der aktuell bei Andreas Huber zu sehenden Einzelschau von Michael Part verweist bereits auf den Kern der Ausstellung: e.g., 2005-2014, eine neue Arbeit des Künstlers, bezieht sich auf die Sammlungstätigkeit von Michael Part. Die seit 2005 wachsende „Dead Sea Mineral Collection“ besteht aus kleinen Steinchen bzw. jener Teile in Badesalzmischungen, die sich nicht im Badewasser auflösen lassen. Diese über fast 10 Jahre gesammelten Überreste wurden von Michael Part einzeln abfotografiert. Die dabei entstandenen Kleinbildnegative wurden auf die beschichteten Glasplatten belichtet. Der Beginn dieser indexikalischen Bestandsaufnahme setzt sich auch in der Hängung der Glasplatten fort, die möglichst pragmatisch auf die drei Galerieräume verteilt wurden, wobei eine Glasplatte auch als Dia projiziert wird. In der Vergrößerung durch den Projektor sieht man den Stein, aber auch das grobe Korn der Emulsion. Durch dieses vielschichtige Verfahren wird es Michael Part möglich, den für ihn zentralen objekthaften und unikaten Charakter von Fotografie auch in Form einer Diainstallation wahrnehmbar zu machen.

Für seine bereits dritte Einzelausstellung in der Galerie Krinzinger kreiert Thomas Zipp eine „Raum im Raum“ Situation. Die gesamte Installation umfasst mehrere Wohnräume, welche sich wie ein Bühnenbild zum Betrachter hin öffnen. Die Gemälde im Ausstellungsraum sind als Einzelverweise auf die Thematik der gesamten Installation zu verstehen. Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Schriften über die menschliche Psyche sind charakteristisch für Zipps Arbeiten. Die Assoziation der laborartig-aufgebauten Raumsituationen mit Sanatorien, Universitätsräumen und Laboratorien sind also durchaus gewollt. Das Highlight der Ausstellung ist allerdings die Performance, die sich in den Räumlichkeiten der Ausstellung abspielt:  Reanimationspuppen werden von Akteuren in weißen Schutzanzügen und mit verhülltem Gesicht bewegt und so zum Leben erweckt. Der Ablauf der Performance ist nicht vorgegeben, wodurch ein eine spontane Interaktion mit den leblosen Puppen entsteht.

Bei Martin Janda gibt es noch bis 10.1.2015 die bereits vierte Einzelausstellung von Jakob Kolding zu sehen. Masquerades befasst sich mit verschiedenen Herangehensweisen an das Thema Masken und damit in Verbindung stehenden Akten wie Gestik, Darbietung und Inszenierung. Auch hier bewegt sich das Publikum in einer Szenerie, die vielmehr an ein Theaterbühnenbild als an eine „Kunstausstellung“ erinnern lässt. Lebensgroße Skulpturen aus bedruckten Holzplatten bilden das Zentrum der Ausstellung, und laden die durch den Raum schreitenden BetrachterInnen dazu ein, Teil der Szene zu werden. Ausgehend von Maskeraden verbinden Koldings Arbeiten (Skulpturen, Collagen, u.a.) auf spielerische Art und Weise ein breites Spektrum an Einflüssen, das von Renaissance-Skulpturen über Surrealismus, Psychoanalyse und Traumdeutung zu modernem Theater, klassischer Literatur und poststrukturalistischer Identitätstheorie reicht. Dabei entsteht eine Welt, die permanent Verschiebungen und Veränderungen unterworfen ist.

Anlässlich der Ausstellung Masquerades wird außerdem Jakob Koldings neues Künstlerbuch präsentiert: The Hat ist das erste von zwei Büchern, das Kolding in Zusammenarbeit mit dem Künstlerbuchverlag Cru in Barcelona publiziert hat. Wer also noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk ist, wird vielleicht in der Galerie Martin Janda fündig …

// Fanny Hauser

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