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Auch im neuen Jahr begeistern die Wiener Galerien und Museen mit abwechslungsreichen Ausstellungen und Retrospektiven. Was man im Januar auf keinen Fall verpassen darf, weiß Fanny Hauser.

Christine König eröffnet das neue Jahr mit einer dem in Paris lebenden Künstler Adel Abdessemed gewidmeten Einzelausstellung. Mit Soldaten präsentiert Christine König eine Reihe Kohlezeichnungen, mit denen der Künstler der Omnipräsenz des Krieges in zeitgenössischen Lebens- und Medienwelten Rechnung trägt. Die dargestellten Soldaten können als archetypische Erscheinungen verstanden werden, deren Vorlagen der Künstler in Filmen und fotojournalistischen Bildern gefunden hat. Die aus ihrem narrativen Kontext herausgelösten „Soldaten“ verkörpern Gewalt und das „Mal du Siècle“ einer Epoche, das gewissermaßen in den Zeichnungen ein visuelles Emblem gefunden hat.

Hubert Winter widmet seine aktuelle Einzelausstellung der österreichischen Künstlerin Birgit Jürgenssen. Die Arbeiten, die erstmals 1999 bei Hubert Winter präsentiert wurden, gehen auf eine Aktion der Künstlerin aus dem Jahre 1984 zurück: Um den lähmenden Unterricht an der Akademie der bildenden Künste in Wien entgegenzuwirken, engagierte die in Arnulf Rainers Meisterklasse lehrende Künstlerin drei Aktmodelle, die den Studierenden spielerisch einen Weg zur Kunst bahnen sollten. Jürgenssen dokumentierte die Aktion und bearbeitete die lange verwahrten Fotografien 1999 mit Badegel, die nun ein weiteres Mal bei Hubert Winter bewundert werden können. Zu sehen sind die Arbeiten bis 21. Februar.

Wer nach der Retrospektive in der Albertina noch immer nicht genug von Arnulf Rainer bekommen kann, dem sei ein Besuch im Arnulf Rainer-Museum in Baden ans Herz gelegt. Mit der Ausstellung RAINER UNIVERSALIS sollen gleich zwei Jubiläen gefeiert werden: Arnulf Rainers 85. Geburtstag und das fünfjährige Bestehen des Arnulf Rainer Museums im Frauenbad Baden. Eine konzentrierte Auswahl an Schlüsselwerken aus bisherigen Ausstellungen des Museums wird erstmals einer großen Zahl an übermalten Büchern gegenüber gestellt. Anhand von über 60 Werken bietet die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das malerische Schaffen des Künstlers. Verantwortlich für die Konzeption der Ausstellung ist Prof. Helmut Friedel, der auch die große Retrospektive Arnulf Rainers in der Albertina Wien kuratierte.

Die Galerie OstLicht widmet sich erstmals umfassend den fotografischen Arbeiten Ulrich Seidls. Zu sehen sind ausgewählte Standbilder aus Filmen von den späten Neunzigern bis heute (Models (1998), Hundstage (2001) u.a.). Seidls Tableaus geben nicht bloß flüchtige Einblicke in die oftmals beklemmende Thematik seines filmischen Schaffens wieder, sondern überzeugen vor allem durch ihre klare Ästhetik und strenge Geometrie. Durch ihre kompromisslosen Kompositionen funktionieren Seidls Arbeiten auch völlig losgelöst von seinen Filmen, und offenbaren, in das Medium Fotografie transferiert, als eigenständige Werke den analytisch-scharfen Blick des Filmautors. Das fotografische Auge des Regisseurs dominiert nicht zuletzt in seinem jüngsten Film Im Keller, dessen Bilder ebenfalls einen großen Teil zur aktuellen Ausstellung beitragen.

Abschließend sei noch auf die jüngst eröffnete Ausstellung im Belvedere hingewiesen: Mit Jasper Johns: Regrets präsentiert das Belvedere eine Ausstellung mit neuen Arbeiten des 1930 geborenen US-amerikanischen Künstlers. Präsentiert werden rund 30 Werke, darunter zwei Gemälde, Zeichnungen und Drucke. Mit der gezeigten Serie wird Johns’ persönlicher Ikonografie ein neues Element hinzugefügt: Ein Foto des jungen Künstlers Lucian Freud, das nun Ausgangspunkt für viele weitere Werke des Künstlers geworden ist. Das Foto ist wiederum eine Arbeit des britischen Fotografen John Deakin, der es als Teil einer Serie im Jahr 1964 aufnahm. Die Ausstellung im Belvedere Jasper Johns: Regrets basiert auf einem Originalkonzept des Museum of Modern Art in New York und beherbergt die erste große Einzelausstellung des Künstlers in Wien.

// Fanny Hauser