Herr Michael Kovacek, Sie sind Geschäftsführer des Auktionshauses Im Kinsky und langjähriger, erfolgreicher Kunsthändler in Wien. Ihre Stellung könnte man durchaus als eine Machtposition verstehen, insofern Sie nicht nur die Preisspannen festlegen, sondern auch darauf Einfluss nehmen, was in künftigen Auktionen gezeigt oder nicht gezeigt wird. Auch wenn viele Entscheidungen durch den (inter)nationalen Kunstmarkt mitbestimmt werden, können Sie so bis zu einem gewissen Grad das Angebot und die Nachfrage steuern. Wie geht man Ihrer Meinung nach am Besten vor, um der Nachfrage gerecht zu werden, aber gleichzeitig den Wert der Werke zu halten bzw. vielleicht sogar weiter zu steigern? 

Die Antwort ist ganz einfach: der Kunstmarkt steuert sich selbst. Ein Auktionshaus ist Vermittler, wir beraten unsere Kunden, die die verschiedensten Dinge aller Epochen bringen und bieten Sie einem großen Interessenskreis an. Wir erfinden auch keine Preise sondern richten uns nach den heute sehr transparent zugänglichen Ergebnissen am internationalen Markt.

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Sie beurteilen nicht nur täglich Originale, sondern Sie sind auch sehr mit den aktuellen Marktpreisen sowie deren Entwicklungen vertraut. Welche Empfehlungen würden Sie derzeit aussprechen? Welche (österreichischen) Künstler bieten derzeit die besten Prognosen einer Wertsteigerung? 

Wenn man das so sicher wüsste, wären wir alle Millionäre. Gerade bei den Zeitgenossen ist die Bandbreite so groß, dass es nicht zu seriös ist, hier Prognosen zu stellen. Man sollte vielmehr dem eigenen Auge vertrauen und es auch schulen, die Entwicklung des Künstlers beobachten, seine Ausstellungstätigkeit usw.

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Die Werke von Maria Lassnig haben erstmalig Ende 2014 die gängigen Schätzpreise massiv überschritten. Wie beurteilen Sie diese Tendenz?

Steigend. Maria Lassnig wird weiter gefragt sein und in 10 Jahren werden Sie sehen, was bei ihr – sofern gute Bilder auf den Markt kommen – noch alles zu erreichen ist.

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In den vergangenen Jahren ist Kunst immer mehr zum Anlageobjekt geworden. Wie schätzen Sie die derzeitige Verteilung Ihrer Bieter ein? Wie viele sehen Kunst als Investment und wie viele sind Kunstsammler aus Leidenschaft? 

Kunst als reines Investment ist kein guter Ansatz. Meiner Erfahrung nach ist es primär Begeisterung für ein Kunstwerk, das Sammler bewegt in diesen Markt einzusteigen. Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass sich der Wert vermehren wird, aber er ist in den seltensten Fällen der Impuls für den Erwerb. Das ist auch richtig so.

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Am 24. März 2015 findet die 105. Auktion im Auktionshaus Im Kinsky statt, die sich der zeitgenössischen Kunst nach 1945 widmet. Wo liegt der Schwerpunkt der Auktion?

Wir haben zwei wirklich sensationelle Nachlässe akquirieren können: zum einen der von Helmut Leherb, von dem nur ganz selten etwas am Markt angeboten wird, der aber zweifellos eine der schillerndsten Figuren im Wiener Kunstleben der 70er und 80er Jahre war. Leherb ist auch als einziger Surrealist Österreichs zu bezeichnen, der sein eigenes Gesamtkunstwerk mit Objekten, Fotografien, monumentalen Keramikarbeiten im öffentlichen Raum geschaffen hat. Wir können ein umfassendes Konvolut anbieten, das wirklich sehens- und Sammlungswert ist.

Als zweites Highlight bieten wir 22 Konvolute von insgesamt 289 politische Karikaturen von Paul Flora an. Dieser Meisterzeichner hat in den 50er und 60er Jahren für die Hamburger ZEIT und für die Tiroler Tageszeitung humorvolle wie markige Statements abgeliefert. Die Originalvorzeichnungen waren noch nie am Markt und sind ein echtes Erlebnis.

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Nennen Sie uns drei weitere absolute Highlights der kommenden Auktion! 

Unbedingt zu nennen ist das Angebot von mehreren Franz West Stücken, unter anderem ein Lampenschirm, der ein Unikat ist. Genial ist auch das tiefblaue Bildobjekt von Rudolf Stingel, ein Südtiroler, der in Amerika Karriere machte und heute Toppreise erzielt. Ein hervorragendes Beispiel für den amerikanischen abstrakten Expressionismus bringen wir mit einer Arbeit von Paul Jenkins!

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Was macht diese Arbeiten aus kunsthistorischer Sicht so spannend?

Zum einen wurden sie alle von Künstlern gemacht, die Kunstgeschichte geschrieben haben bzw. noch schreiben. Und dann sind es Werke, die die künstlerische Idee oder auch Vision überzeugend transportieren. Sie ziehen unmittelbar Aufmerksamkeit auf sich, sie regen an, nachzudenken, machen neugierig, also alles Kriterien, die für die Moderne im Speziellen wesentliche Intentionen sind.

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Bei Auktionen weisen die Schätzpreise häufig enorme Preisspannen auf. Auch in der kommenden Auktion gibt es Werke, deren Preissegment dadurch nicht eindeutig festgelegt ist: etwas die Drahtskulptur von Franz West (EUR 25.000 – 50.000) oder die großformatige Arbeit von Hans Staudacher (EUR 35.000 – 70.000). Wie kommt es zu diesen enormen Spannen? Worin sehen Sie die Ursachen solcher Schwankungen, oder ist es vielleicht eine gängige Marktstrategie? 

Der obere Schätzpreis zeigt im Grunde an, dass nach oben keine Grenzen gesetzt sind. Er bedeutet ja nicht, Stopp, hier soll man nicht mehr weiterbieten. In einer Auktion entwickeln sich oft solche Dynamiken, da sind Schätzpreise dann hinfällig. Das macht Auktionen aber eben auch so spannend.

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In der kommenden Auktion werden auch zwei Steine „zur Meditation“ von Karl Prantl angeboten. Was ist das Charakteristische an diesen Arbeiten? Können Sie die Arbeiten für uns kunsthistorisch verorten? 

Karl Prantl ist zweifellos einer der bedeutendsten Bildhauer des vergangenen Jahrhunderts, was mit der Ausstellung in der Albertina ja auch eindrucksvoll zu erleben war. Er hat einen einzigartigen Weg gefunden, Stein zu bearbeiten und deren innewohnenden Strukturen freizulegen. Die Suche der frühen Moderne nach dem Archaischen, Ursprünglichen des Lebens hat bei Prantl eine besondere Antwort gefunden. Es geht auch eine große Ruhe von diesen Steinen aus, da sie einfach für sich stehen und keine andere Form darstellen müssen.

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In welchem Preissegment findet in den zeitgenössischen Kunstauktionen das meiste Geschäft tatsächlich statt?

Was die Menge betrifft, würde ich sagen, zwischen € 5.000 – 20.000. Aber ich muss nur einen Wotruba für € 150.000 verkaufen und Sie haben ein ganz anderes Verhältnis.

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Welchen Umsatz erwarten Sie sich von der 105. Auktion?

Um die 2 Millionen.

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Es gibt unterschiedliche Methoden, um neue Werke für Auktionen zu akquirieren. Welcher bedienen Sie sich? Bzw. wie intensiv arbeiten Sie direkt mit Sammlern, Galerien und Händlern? 

Wir arbeiten mit allen intensiv zusammen, können aber auf einen überwiegenden Anteil von privaten Sammlern verweisen. Werbung ist wie bei jedem Geschäft sehr wichtig, Beratungsreisen natürlich und die Betreuung persönlicher Kontakte.

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Nicht nur für Galerien ist der Verkauf übers Internet zunehmend wichtiger, auch die Auktionen werden zunehmend internationaler. Beobachten Sie auch eine zunehmend internationale Käuferschaft?

Ja natürlich. Der Markt ist global geworden.

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Wie oft kommen Ihnen Fälschungen unter? Sei es bewusst oder unbewusst…

Diese werden natürlich bewusst oder unbewusst angeboten, aber wir haben viel Erfahrung in Bezug auf Qualität und der Handschrift eines Künstlers. Ausserdem ziehen wir immer die relevanten Experten hinzu, sichern ein Werk genau ab, bevor wir es anbieten.

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Vielen Dank für das Interview!

// Interview  von Sabrina Möller

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AUKTIONSHAUS IM KINSKY

Palais Kinsky Freyung 4
A-1010 Wien
www.imkinsky.com
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105. Kunstauktion – Zeitgenössische Kunst

24. März, 16.00 Uhr 

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