RINKO KAWAUCHI | INTERVIEW MIT VERENA KASPAR-EISERT

Rinko Kawauchi – Illuminance nennt sich die erste umfangreiche Mid-Career-Retrospektive der japanischen Fotografin in Europa, die vor kurzem im KUNST HAUS WIEN eröffnet wurde. Die poetischen Fotografien Rinko Kawauchis (*1972) bauen wie die Seiten eines Tagebuches Bild für Bild sequenziell aufeinander auf, während doch auch jedes einzelne seine eigene Geschichte erzählt, den Zauber des Moments wiedergibt. Vom kleinen bis hin zum großen Format – die Magie des scheinbar Unauffälligen zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Werk. Jedes Bild ist wie ein Palimpsest, der sensible Blick Kawauchis auf die Welt und ihre Wunder schimmert stets durch. Anna Maria Burgstaller hat die Kuratorin Verena Kaspar-Eisert zum Interview getroffen.

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Japan ist nicht gerade ums Eck – wie kamen Sie dazu eine Ausstellung mit Rinko Kawauchi zu kuratieren?

Japan ist vielleicht nicht gleich ums Eck, jedoch funktioniert die Kunstwelt, speziell die Fotografie, über unterschiedliche Formen. Sei es über das Internet, das sowieso global funktioniert, oder auch über Bücher. Rinko Kawauchi habe ich persönlich über ihre Bücher kennengelernt, die sie weltweit publiziert. Da spielt dann der Herkunftsort eines Künstlers oder einer Künstlerin eigentlich keine große Rolle mehr, wie das vielleicht früher noch der Fall war.

Ein Raum der Ausstellung widmet sich schließlich auch den zahlreichen Publikationen von Rinko Kawauchi. Warum wurde dem Medium Buch soviel Platz eingeräumt?

Die Buchform ist seit jeher für FotografInnen ein ganz wichtiges Medium. Im Gegensatz zur bildenden Kunst, wo das Abbilden einer Skulptur oder Malerei in Buchform wirklich nur unzulänglich das abbilden kann, was es ist. Für die Fotografie jedoch ist es eine gerade zu geniale Form. Speziell in Japan haben Fotobücher auch eine lange Tradition, man denke nur an Namen wie Nobuyoshi Araki, der bis heute rund 500 Bücher publiziert hat. Aber auch Daidō Moriyama und Hiroshi Sugimoto sind Beispiele dieser großen Tradition. Mit dem Medium Buch hat Rinko Kawauchi ihre Karriere eigentlich auch begonnen, als sie 2001 drei Bücher simultan publizierte. Dies war aber mehr ein Zufall, eigentlich waren es drei verschiedene Projekte, die zeitgleich zu einem Ende  gefunden haben und publikationsreif wurden. Dieser Einstieg hat für sehr viel Aufregung gesorgt und Kawauchi hat auch mehrere Preise dafür gewonnen. Mittlerweile hat sie bereits 17 Bücher publiziert, nicht nur in Japan sondern auch in Deutschland, USA und Frankreich. Das Lesen eines Buches erzeugt mit der Möglichkeit des Vor- und Zurückblätterns eine intime Situation zwischen BetrachterIn und dem Objekt Buch. Dieses Erlebnis wollten wir gerne für unsere BesucherInnen erfahrbar machen, nicht zuletzt weil das Buch für Kawauchi eine wichtige Ausdrucksform ist.

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Die Serie „Search for the sun“ ist extra für die Ausstellung in Österreich entstanden. War das die Idee der Künstlerin selbst? Warum genau fühlte Sie sich vom Gletscher so angezogen?

Die Künstlerin kam auf Einladung vom Kunst Haus Wien im Dezember nach Österreich. Die Orte, die wir gemeinsam mit ihr besucht haben, waren ihre Vorschläge und Ideen. Wenn man  sich das Werk von Rinko Kawauchi anschaut, geht es bei ihr selten um einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit. Der Gletscher ist etwas sehr Altes und Mächtiges, wie auch etwas Zeitloses, das schon lange vor uns da war und auch hoffentlich nach uns noch da sein wird. Die Ursprungsidee für die neue Werkgruppe war eigentlich die Suche nach dem Gold. Sie wollte Gold fotografieren, darum waren wir mit ihr in einer Goldschmelze.  Aber sie hat im Nachhinein gemerkt, dass sie eigentlich nicht auf der Suche nach dem Gold war, sondern nach der Sonne – daher auch der Name der Werkgruppe. Es gibt dazu auch einen schönen Text von ihr, dort spricht sie von der Suche nach der Sonne im Gletscher. Das ewige Eis, die Sonne und das Gold sind starke und ewige Symbole, diese spielen bei ihr auch immer wieder eine große Rolle.

Neben der neuen Werkserie wurde auch die Ausstellungsarchitektur verändert, es fanden einige Umbauten statt. Was waren die größten Veränderungen?

Ja, in der Woche vor der Ausstellung war wirklich viel los im Haus. Vielleicht war die größte Veränderung die Freilegung der Baummieter. Das Kunst Haus Wien ist durch die Gestaltung von Friedensreich Hundertwasser ein ganz spezieller Ausstellungsort und sicherlich kein White Cube, den man sonst so gewohnt ist. Eine der vielen Besonderheiten sind zum Beispiel die vielen Baummieter, also die Bäume die von Hundertwasser in den Fensterraum integriert wurden. Bis vor dieser Ausstellung waren diese Bäume eher verborgen, und wir haben jetzt versucht sie zu integrieren. Gerade bei dieser Ausstellung von Rinko Kawauchi spielt Natur und das ganzzeitliche Verständnis von Welt eine so wichtige Rolle, diese Durchlässigkeit hat sich schließlich auch inhaltlich gut zusammengefügt.

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