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Trotz eines deutlich spürbaren Schwerpunkts auf österreichische Kunst gestaltet sich das Wiener Ausstellungsangebot in diesem Monat nicht weniger abwechslungsreich als das typische Aprilwetter. Fanny Hauser gibt den Überblick.

Im April 2015 jährt sich die Befreiung Wiens vom Nationalsozialismus zum 70. Mal. Das Künstlerhaus Wien nimmt dies zum Anlass, um den bisher wenig beachteten Aspekt der Zwangsarbeit in den Fokus des öffentlichen Geschichts- und Gedenkinteresses zu rücken. An den Innenwänden des Leitturms im Arenbergpark dokumentieren hunderte Graffitis von europäischen Zwangsarbeitern und jenen aus der Sowjetunion die damalige Anwesenheit einer heute nicht mehr wahrgenommenen Opfergruppe und bezeugen bis heute die Präsenz der Zwangsarbeit. Als einziger Flakturm, der derartige Graffitis beherbergt, ist der Leitturm im Arenbergpark somit ein einzigartiger Gedächtnisort, der der Öffentlichkeit jedoch verschlossen bleibt. Anstelle von Führungen durch den ehemaligen Leitturm Arenbergpark, werden nun ausgewählte Graffitis aus dem Flakturm in der Passagegalerie des Künstlerhauses bei freiem Eintritt zur Schau gestellt.

Die Ausstellung CONDITIO URBANA in der Bäckerstrass4 – plattform für junge kunst präsentiert aktuell Beiträge österreichischer GegenwartskünstlerInnen zum Thema des Erlebensraums und der Morphologie von städtischen Strukturen und der menschlichen Befindlichkeit. Durch die Kooperation von sechs KünstlerInnen aus Salzburg und der Galerie Bäckerstrasse4 konnte ein breites Spektrum an unterschiedlichen künstlerischen Positionen gewonnen werden: Die Arbeiten adaptieren die Thematik in unterschiedlichen Formen – als fotografische Recherche, als Serie von Stadt-Bildern, in Videosporträts oder als Dokumentation von Erfahrungs- und Veränderungsprozessen. Zu sehen sind Arbeiten von Thomas Gänszler, Marianne Lang, Bernhard Lochmann, Judith Saupper, Franz Riedl und Kay Walkowiak.

Auch die Kunsthalle Wien widmet sich mit der Ausstellung Destination Wien 2015 der österreichischen bzw. Wiener Kunstszene und versammelt ausgewählte Arbeiten von KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen und Arbeitsweisen und ermöglicht mit über 70 künstlerischen Positionen einen umfassenden Einblick in die Wiener Kunstlandschaft: An beiden Standorten der Kunsthalle werden ab 17. April die aktuellen Trends der österreichischen Kunstszene sowie Positionen, die an deren Entwicklung maßgeblich beteiligt waren zur Schau gestellt. Neben der Ausstellung im Museumsquartier finden in der Kunsthalle Wien Karlsplatz performative und diskursive Veranstaltungen statt. Das Publikum als integrativer Teil der Rezeption von Kunst wird an beiden Standorten dazu eingeladen, aktiv an den gebotenen Aktionen teilzunehmen. Zu sehen sind u. a. Positionen von Cäcilia Brown, Los Destinados, Christian Falsnaes, Andreas Fogarasi, G.R.A.M. und Constantin Luser. Ergänzend zur Ausstellung beteiligen sich über 50 Wiener Kultureinrichtungen als assoziierte Partner im Rahmen von Destination Wien EXTENDED. In themenspezifischen Ausstellungen und Veranstaltungen widmen sie sich aktuellen kulturpolitischen Fragestellungen und Positionen gegenwärtiger Kunstproduktion in und um die österreichische Hauptstadt.

Auch die Performancereihe #3: as can be seen from im Kunstraum Niederösterreich im 1. Bezirk findet im Rahmen von Destination Wien EXTENDED statt. Ganz im Sinne des 2007 auf Performancekunst gesetzten Schwerpunkts des Kunstraumes, werden – neben der Verleihung des H13 Niederösterreich Preises für Performance – an drei Abenden im April (und Mai) von unterschiedlichen KuratorInnen ausgewählte Performances gezeigt. Unter den Titeln On and beyond a Stage (am 2.4.2015) und SPOT ON ME (am 23.4.2015) widmen sich die beiden ersten Abende im April der Sichtbarmachung und der formalen Umsetzung sowie visuellen Wahrnehmung zeitbasierter Arbeiten. Sowohl der Umgang mit dem Ort und der Architektur als auch die optische und akustische Einbindung des Publikums stehen als zentrale Fragen im Raum und werden von den PerformerInnen unterschiedlich interpretiert.

Nicht unmittelbar in Wien, aber dennoch einen Ausflug wert ist schließlich die aktuelle Ausstellung der Schweizer Video- und Objektkünstlerin Pipilotti Rist in der Kunsthalle Krems. Die Ausstellung zählt zu den bisher größten Einzelausstellungen der Künstlerin und präsentiert ein breites Spektrum aus rund 30 Schaffensjahren. Präsentiert werden frühe, erstmals der Öffentlichkeit gezeigte Objekte und Experimentalfilme der späten 80er Jahre bis hin zu ihren bekanntesten Werken sowie den aktuellen, raumgreifenden Videoinstallationen. Rists Oeuvre besticht neben der Reflexion auf die heutige Medienrealität vor allem durch eine beeindruckende Sinnlichkeit. Indem sie Seh-, Tast- und Hörsinn gleichermaßen ansprechen, aktivieren Rists Videos und Installationen nicht nur das eigene Körperempfinden, sondern laden gleichzeitig dazu ein, gewohnte Sichtweisen in Frage zu stellen.

// Fanny Hauser

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