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Auch im Mai bringen die Galerien und Museen frischen Wind nach Wien und versorgen uns mit abwechslungsreichen Ausstellungen. Fanny Hauser weiß, was man auf keinen Fall verpassen sollte.

In der Wiener Secession kann man aktuell gleich zwei Ausstellungen bewundern. Während Josef Strau in seinen Installationen komplexe Verbindungen zwischen Texten und Objekten schafft und so alltägliche Ereignisse urbaner Szenen mit persönlichen Perspektiven und literarischen Motiven vernetzt, konfrontiert uns die US-amerikanische Künstlerin Kristin Oppenheim mit einer für sie typischen Soundinstallation. Oppenheim schafft in ihren Arbeiten „Klangräume“, in denen sie Themen wie Erinnerungen oder Traumata thematisiert und das Publikum buchstäblich eintauchen lässt. Die narrative Ausstellung Echo dreht sich primär um Traumbilder und das nächtliche Wachsein, die von der Stimme der Künstlerin sowie von anderen Klangquellen leben und schließlich mit After Hours (2015), einer Serie von Siebdrucken endet. In unmittelbarer Nähe zur Secession präsentiert Kristin Oppenheim eine weitere Arbeit. In der U-Bahn-Passage durchqueren Passanten ihre Soundinstallation Sally Go Round (1995), eine Adaption des Songs Sally Go Round the Roses aus dem Jahre 1963 von The Jaynettes.

Die Galerie Meyer Kainer widmet ihre aktuelle Ausstellung der deutschen Künstlerin Nora Schultz, deren skulpturale Installation aus auf Schrottplätzen und Baumärkten gesammelten Materialien besteht. Durch die Ansammlung dieser teilweise fremdartigen und ausrangierten Materialien betreibt Schultz eine Kontextverschiebung, die jedoch keinesfalls in einer Verfremdung, sondern vielmehr in einer Erweiterung ihrer Deutungsmöglichkeiten kulminiert. Denn die jeweilige Herkunft der diversen Elemente wird keineswegs geleugnet, die Spuren der Geschichte und ursprünglichen Verwendung oder Bestimmung bleiben sichtbar und gehen mit den übrigen Konstruktionselementen eine zum Teil bizarre Verbindung ein.

Noch bis 23. Mai präsentiert die Galerie Andreas Huber die Arbeiten der österreichischen Künstlerin Carola Dertnig, die sich in …at least I did not rob a bank… mit Fragen der Achtsamkeit auseinandersetzt, die unterschiedliche Gattungen (Malerei, Film, Textilkunst, Performance) zusammenführen und sich mit der nach wie vor sehr präsenten Kunstform der Appropriation beschäftigen. Ausgangsmaterial für Dertnigs großformatige Bilder sind nämlich vom Regisseur Ernst Schmidt Jr. selbst übermalte Kopien von Filmstreifenresten, die Dertnig von dessen Bruder, Helmut Benedikt, bekam, kopierte und ebenfalls überarbeitete.

Auch Kerstin Engholm setzt im Mai auf österreichische Kunst: In der Einzelausstellung Autopsie mit Hubwagen präsentiert Hans Schabus eine originelle Kollektion von Plakaten, Werbungen und Souvenirs, die er im Laufe der Jahre zusammengetragen hat und den für Österreich typischen Vornamen des Künstlers beinhalten. Präsentiert wird das skurrile Sammelsurium im „Café Hansi“, einer begehbaren Holzbox, die in den Räumlichkeiten der Galerie  aufgebaut wurde und auf jenes „Café Hansi“ verweist, das sich in der Nähe von Schabus’ Atelier im 20. Bezirk befindet.

Im Rahmen der mittlerweile fünften von Jasper Sharp kuratierten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, präsentiert das Kunsthistorische Museum eine Klanginstallation der schottischen Künstlerin Susan Philipsz, die erneut im Theseustempel im Wiener Volksgarten realisiert wurde. Die Preisträgerin des Turnerpreises für zeitgenössische Kunst beschäftigt sich bereits seit rund 20 Jahren mit dem Medium Klang, dessen skulpturales und psychisches Potenzial sie zu bestimmten Orten in Beziehung setzt, um historische Inhalte zu vergegenwärtigen. Die neue, eigens für den Theseustempel konzipierte Arbeit War-Damaged Musical Instruments (Pair) nimmt ebenfalls Bezug auf die martialische Geschichte des Ortes und integriert zwei im Krieg beschädigte Trompeten aus dem 19. Jahrhundert, die erstmals seit hundert Jahren wieder bespielt werden durften und den Klang von The Last Poet, einem militärischem Signal, das meist zu Ehren gefallener Soldaten gegeben wurde, wiedergeben. Da die Sammlung Alter Musikinstrumente des Museums jedoch selbst keine kriegsbeschädigten Musikinstrumente beherbergt, musste die Künstlerin auf Trompeten des Münchner Stadtmuseums zurückgreifen, die nun in teilweise durch die Schäden stark beeinträchtigten Klängen die Mauern des geschichtsträchtigen Tempels erfüllen.

// Fanny Hauser

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