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Scheinbar harte Kanten, die an abgeschlagenen Stein oder an von der Zeit modifiziertes Holz erinnern, divergieren mit einer fast schon samtenen Oberfläche. Intensive Farben changieren, ihre Übergänge sind fließend und legen keinerlei Pinselstrukturen oder ähnliche Verweise auf das Werkzeug frei. Die Sanftheit der Oberfläche kontrastiert mit dem freigelegten Material am äußeren Bildrand, bildet einen Bruch und eröffnet beim Betrachter Fragen nach der Herstellungsweise, nach ihrer Materialität.

Flatten a Wall reflektierte als Titel der Ausstellung nicht nur die Tendenz, Malerei als Flachware zu bezeichnen, sondern legt darüber hinaus die Herstellungsweise der farbintensiven Malereien frei. Die Arbeiten von Markus Amm bestehen aus einer Mischung von Gips und Kreide, die bereits um 1400 zur Grundierung von Holztafeln als auch von Leinwänden verwendet wurde. Eine Grundierung, die nicht nur zum Glätten der Oberfläche dient, sondern die besonders aufnahmefähig für Ölmalerei ist. Amm erweitert diese sogenannten Gesso Boards, indem er den Grundierungsprozess bis zu dreißig mal wiederholt. Die einzelnen Schichten, denen auch Ölfarbe beigemengt wird, werden dabei nicht einfach übereinander gelegt. Der Herstellungsprozess ist vielmehr von einem stetigen Auf- und Abtragen gekennzeichnet: Einzelne Schichten werden partiell wieder abgeschliffen, wodurch nicht nur die Sanftheit der Farbgänge generiert wird, sondern ebenso ihre unglaubliche Farbintensität. Die Kanten seiner kleinformatigen Arbeiten belässt Amm jedoch in einem ungeschliffenen Zustand, wodurch nicht nur der Herstellungsprozess und die Materialität freigelegt wird, sondern die Zweidimensionalität außer Kraft gesetzt wird. Die Grundierung, die von einer stilistischen Funktion stets befreit schien, wird damit zum Kerncharakteristikum seiner Arbeiten erhoben.

Die Arbeiten von Markus Amm, die bis zum 30. April 2015 in der Passage der Sammlung Lenikus am Bauernmarkt ausgestellt wurden, bildeten den Abschluss seiner Zeit als Artist in Residence in Wien. Die Sammlung Lenikus unterstützt seit dem Jahr 2000 bereits KünstlerInnen und stellt Ihnen in Wien Atelierräume zur Verfügung. Neben der Förderung nationaler KünstlerInnen werden jährlich auch international bereits etablierte KünstlerInnen eingeladen, für drei Monate am Bauernmarkt in den Räumlichkeiten zu leben und zu arbeiten – wie Amm, der selber schon von Galerien in Hamburg, Athen, London und Los Angeles vertreten wird. Aktuell und noch bis zum 13. Mai 2015 ist am Bauernmarkt eine Ausstellung von Thea Möller, Carmen Loch und Helmut Heiss zu sehen.

// Sabrina Möller

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SAMMLUNG LENIKUS

Passage Bauernmarkt 9, Wildpretmarkt 6, 1010 Wien

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag, 16 – 18 Uhr

Mehr Infos unter: www.sammlunglenikus.at

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