OLIVER ELSER  |  INTERVIEW

„Corporate Involvement“ ist die Sonderedition des Parabol Art Magazines „The Splitting Issue“. Anlässlich dem 150-jährigen Bestehen der Wiener Ringstraßen wurde der Architekturtheoretiker Oliver Elser eingeladen, sich im Rahmen dieses Kunstmagazines mit dem Paradebeispiel der Wiener Moderne auseinanderzusetzen: die Otto Wagner Postsparkasse. Sabrina Möller sprach mit Oliver Elser bereits vor dem Erscheinungstermin am 19. Mai 2015 über die Ausgabe und die Zusammenarbeit mit dem Fotografen Hagen Stier…

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Sie wurden von der BAWAG P.S.K. eingeladen, sich anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Wiener Ringstraße im Medium eines Kunstmagazins mit der von Otto Wagner realisierten Postsparkasse auseinanderzusetzen. Welche Vorgaben gab es für Sie als Kurator?

Es gab keinerlei Vorgaben. Die Einladung ging allerdings auch gar nicht von der Bank, sondern von section.a aus, den Herausgebern von Parabol. Klar jedoch: Es sollte um das Postsparkassengebäude gehen.

Welche Kriterien hatten Sie sich für die Wahl eines Künstlers formuliert?

In diesem Rahmen – eine Parabol-Ausgabe mit dem Thema Postsparkassengebäude – kam für mich nur die Fotografie als Medium in Frage. Und da die Postsparkasse ein Musterbeispiel für Symmetrie und Rationalität ist, fiel die Wahl schnell auf Hagen Stier.

Aus welchen Gründen haben Sie sich für den Fotografen Hagen Stier entschieden? Ist das für Sie die erste Zusammenarbeit mit Stier?

Momentan geht es in der zeitgenössischen Architekturfotografie eher um Reportagethemen. Hagen Stier geht dagegen einen anderen, sehr eigenen Weg. Seine „Splitting Mies“-Serie zum Werk von Mies van der Rohe ist eine wirklich einzigartige konzeptionelle Arbeit. Es hat mich gereizt, ihm die Möglichkeit zu einer „Splitting Postsparkasse“-Serie zu geben. Es ist unsere zweite Zusammenarbeit, nachdem er 2010–2012 etwa achtzig Architekturmodelle aus der Sammlung des DAM für den Katalog meiner Ausstellung „Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie“ fotografiert hat.

Vor welche besonderen Herausforderungen wird man gestellt, wenn man als Kurator eine zweidimensionale Ausstellung im Medium eines Kunstmagazins bespielt? Was gilt es da zu beachten? Inwieweit wurden Sie dadurch beeinflusst?

Parabol ist sehr speziell. Weniger ein Kunst-Magazin, sondern selbst ein Kunst-Projekt, das zunächst die Frage nach der Größe der Abbildung stellt: Es macht ja einen fundamentalen Unterschied, ob ein Bild mit einer Größe von achtzig mal sechzig Zentimetern reproduziert werden kann, was riesig ist, oder acht mal sechs Zentimeter, wie es in einem üblichen Kunstmagazin normal wäre. Also müssen die Fotos für dieses riesige Format schon in einem technischen Sinne eine besondere Qualität haben. Als Betrachter kann man da richtig hineinkippen. Size matters, denken Sie an die Riesenabzüge der Fotografen aus der Becher-Schule wie Struth, Ruff, Gursky. Hagen Stier hat darüber hinaus das Spiel mit der offenen Bindung des Magazins angeregt: Man kann Parabol in Poster zerlegen, da die Seiten nur lose ineinander gelegt sind. Das passte perfekt zu der Bildstrategie der „Splittings“. Man sieht eine Doppelseite vor sich, aber die Bilder gehen weiter: Sie laufen unter dem Bund, also der Bindung, hindurch und man kann die Doppelseite buchstäblich „splitten“, das heißt in zwei Poster auseinandernehmen. Diese haptischen Möglichkeiten von Parabol, als Objekt, nicht als lediglich flaches Druckwerk, hat vor uns noch niemand ausgereizt.

Welche Assoziationen und Gedanken hatten Sie, als Sie die Postsparkasse – mit dem Gedanken an das Magazin – betreten haben?

Phantastisch, mit diesem grandiosen Gebäude etwas machen zu können! Wunderbar, durch das Projekt so viel Zeit darin zu verbringen!

Worin sehen Sie die Berührungspunkte zwischen dem Format des Parabol Art Magazine und der Architektur Otto Wagners?

Das Magazin wie die Architektur verbindet eine Art von Monumentalität. Man kann auch ein Reklam-Heftchen über Wagner machen, aber im Großformat genießt man ihn doch stärker.

Seite 1/2: Zur Architektur von Otto Wagner

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