HAGEN STIER | INTERVIEW – PART 2

/Seite 2/2: Zur technischen Vorgehensweise

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Sie haben sich der Methodik der Spatial Splittings bedient, wodurch Sie symmetrische Bauteile zunächst zerlegen und anschließend so zusammensetzen, dass etwas Neues entsteht. Wie funktioniert diese Vorgehensweise im Detail?

Die Besonderheit liegt in der Gegenüberstellung zweier unabhängig voneinander aufgenommener Bildräume, welche sich aufgrund der Gebäudesymmetrie ähnlich sind. Dadurch entsteht zunächst der Eindruck, dass es sich bei der einen Bildhälfte lediglich um ein Spiegelbild der anderen handelt.

Da die Räume in der Realität oft weit voneinander entfernt liegen und nicht gleichzeitig betrachtet werden können, erzeugt erst die Bildpaarung die Möglichkeit, sie direkt miteinander zu vergleichen. Neben der offenkundigen Symmetrie sind es dann gerade auch deren Brüche, Abweichungen und Unregelmäßigkeiten, die durch die bildliche Gegenüberstellung zu Tage treten und die mich in besonderem Maße interessieren.

Welche Intention steckt hinter der Verwendung dieser Technik? Was möchten Sie dem Betrachter damit vermitteln?

Es geht mir in erster Linie darum, durch das gezielte Gegenüberstellen von zwei Fotografien, räumliche Informationen abzubilden, die durch ein einzelnes Bild allein nicht transportiert werden können.

Darüber hinaus habe ich durch die Verwendung von speziellen Objektiven zur Perspektivkorrektur oder die Verstellmöglichkeiten einer Fachkamera, die Möglichkeit, die Bildgeometrie so zu steuern, dass die beiden Bildhälften zusammen betrachtet einen neuen fiktiven Raum erzeugen. Konkret verlagere ich hierbei die Fluchtpunkte der beiden Bildhälften so nah zu einander, dass sich eine nahezu korrekte Gesamtperspektive und damit der Eindruck eines kontinuierlichen Raumes ergibt.

Worin sehen Sie die Berührungspunkte zwischen dem Format des Parabol Art Magazine und der Architektur Otto Wagners?

Der Aspekt der Symmetrie in der Architektur Otto Wagners war wie gesagt der konzeptionelle Ausgangspunkt für die vorliegende Fotoserie, wobei es sicher unzählige andere Wege gibt, sich dem Postsparkassengebäude fotografisch zu nähern. Die entstandenen Bildpaare korrespondieren sehr gut mit den Doppelseiten des Magazins, auf denen sie nahezu formatfüllend gezeigt werden. Ähnlich einem Rohrschachtest entfaltet sich das scheinbar gespiegelte Doppelbild beim Aufschlagen der jeweiligen Doppelseite. Das Magazin ist daher einerseits ein ideales Medium für die Präsentation meiner Splittings, die ich im Galeriekontext bisher immer in zwei separaten Rahmen nebeneinander gezeigt habe. Andererseits stellen die Splittings eine direkte Verbindung her zwischen der Symmetrie des Gebäudes und der Symmetrie, die dem Heft durch die Bindung innewohnt.

Wenn man eine zweidimensionale Ausstellung im Medium eines Kunstmagazins produziert. Was gilt es da zu beachten? Inwieweit wurden Sie dadurch beeinflusst?

Die große Besonderheit des Parabol Art Magazine ist in meinen Augen tatsächlich die Idee der Überführung einer Ausstellung aus dem dreidimensionalen Ausstellungsraum in die Zweidimensionalität eines Magazins. Daraus ergeben sich enorme Freiheiten bei der Gestaltung des Heftes, das nicht mehr den Gesetzmäßigkeiten einer konventionellen Zeitschrift unterliegt.

Darüber hinaus eröffnet das ungewöhnlich große Heftformat die Möglichkeit, mit sehr großen Abbildungen zu arbeiten. Durch formatfüllende Fotografien haben wir versucht, beim Betrachter das Gefühl zu erzeugen, sich tatsächlich im Bild zu befinden, statt es nur von außen zu betrachten. Es erfolgt also gewissermaßen eine Rücküberführung aus der Zweidimensionalität des Magazins in die Dreidimensionalität des Bildraumes.

Im Gegensatz zu einem Ausstellungsbesuch, bei dem man sich ja mehr oder weniger frei im Ausstellungsraum bewegen kann, legt das Heft natürlich ganz klar eine Dramaturgie in Form der Seitenreihenfolge fest. Wir haben versucht, uns die offene Bindung des Heftes zunutze zu machen, um die konventionelle Lesart des Durchblätterns von vorn nach hinten stellenweise zu durchbrechen. Hierfür habe ich eigens einige spezielle Bildpaare konzipiert. Sie funktionieren einerseits im normalen Heftzusammenhang auf der Doppelseite. Darüber hinaus bilden sie aber noch einen zweiten Bildraum ab, der erst sichtbar wird, wenn man den Druckbogen aus dem Heft nimmt und ihn wie ein aufgefaltetes Plakat betrachtet.

Wie würden Sie das Ergebnis des Magazines beurteilen?

Ich habe das fertige Heft selbst noch nicht in Händen gehalten und bin daher ebenso auf das Ergebnis gespannt.

Vielen Dank für das Interview!

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EXHIBITION: PARABOL ART MAGAZINE „THE SPLITTING ISSUE“

ZUM INTERVIEW MIT OLIVER ELSER

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