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Seite 2/2: Zur Architektur von Otto Wagner

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Ganz unabhängig von der Architekturtheorie und der Geschichte des Baus… Welche Momente der Architektur Otto Wagners Postsparkasse sind für Sie persönlich besonders hervorzuheben?

Darf ich den Fokus auf etwas anderes richten? Ich schätze seine Überlegungen zur Großstadt sehr: Dass eine Metropole einer effektiven Infrastruktur bedarf, die er mit der Wiener Stadtbahn geschaffen hat, die ja teilweise als damals neuartige U-Bahn angelegt war. Auch das konzentrische Wachstum der Stadt in Ringen halte ich für weiterhin gültig, sowie seine Entwürfe zu typischen, also weitgehend anonymen Wohnarchitekturen, grandios umgesetzt in den berühmten Zeichnungen zum 22. Wiener Gemeindebezirk für 150.000 Einwohner.

Gibt es auch Momente in der Architektur, die Sie als problematisch einstufen würden?

Nicht bei der Postsparkasse, die ist perfekt in ihrer ursprünglichen Konzeption. Wagners Entwurf war nicht zuletzt ein Konfliktvermeidungsgebäude. In dem Vorgängerbau herrschten unzumutbare Zustände. Man saß in schlecht belichteten und kaum belüfteten Räumen zu eng aufeinander. Um Streik und Aufruhr abzuwenden, wurde der Neubau als revolutionär menschenfreundliche, gleichwohl hocheffiziente Maschine entwickelt.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit Hagen Stier im Detail? Haben Sie ihm freie Hand gelassen oder ist das Konzept das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit?

Er hatte freie Hand, aber wir waren, während die Aufnahmen entstanden sind, die ganze Zeit über zusammen vor Ort. Um Motive zu diskutieren und Situationen zu entdecken.

Wie beurteilen Sie den Umgang von Hagen Stier mit der Architektur Otto Wagners?

Hagen Stier hat eine Art Hyper-Postsparkasse erzeugt, eine Architektur, die „wagnerianischer“ ist als Otto Wagner. Ein Beispiel: Eines der Splittings zeigt einen von beiden Seiten belichteten Gang. Diesen gibt es in der realen Postsparkasse nicht, aber ich bin überzeugt: Wagner hätte sich gewünscht, eine solche Situation bauen zu können.

Durch die Sanierung im Jahr 2005 wurde die Kassenhalle in eine „leere Hülse“ verwandelt und steht damit im Kontrast zu der Architektur und Planung von Otto Wagner. Inwieweit ist eine Kritik an der heutigen Nutzung den Fotografien eingeschrieben?

Es gibt subtile Momente der Kritik, nicht nur, wenn man sich die Fotos der Kassenhalle genau ansieht. Wir zeigen auch eine Bibliothek mit den Restbeständen der Kataloge der einst sehr renommierten BAWAG Foundation. Die Kunstsammlung der Bank wird derzeit verkauft. Das halte ich nicht für eine nachhaltige Unternehmensstrategie.

Was erwartet die Leser des Parabol Magazins?

Eine Ausgabe, die bisher einzigartig ist. Noch nie hatte ein einziger Künstler ein ganzes Heft zu Verfügung. Das Wichtigste: Viele Fotos „funktionieren“ auf einmalige Weise, indem man die Parabol-Ausgabe wirklich splittet, das heißt buchstäblich aufspaltet und in bis zu fünf Plakate zerlegt. Das Original ist das Heft.

Vielen Dank für das Interview! 

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EXHIBITION: PARABOL ART MAGAZINE „THE SPLITTING ISSUE“

ZUM INTERVIEW MIT HAGEN STIER

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mit freundlicher Unterstützung der BAWAG P.S.K.