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SEVERIN DÜNSER IM INTERVIEW | ROSA RENDL. WHAT YOU DESIRE.

Mit „What you desire“ zeigt die Künstlerin Rosa Rendl im 21er Haus derzeit eine Serie von zehn großformatigen Fotografien, die dem Betrachter durch die Bildsprache der sozialen Netzwerke bereits vertraut erscheinen; die Begehren und Begierde auszulösen vermögen. Doch was macht die Fotografien von Rosa Rendl derzeit so relevant? Mit Kurator Severin Dünser sprach Sabrina Möller über die Arbeitsweise von Rosa Rendl und ihren Bezug zu den sozialen Netzwerken…

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Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Rosa Rendl? Gab es eine konkrete Motivation oder ein auslösendes Moment für die Konzeption der Ausstellung im 21er Haus?

Der 21er Raum, in dem die Ausstellung von Rosa Rendl gezeigt wird, ist eine Programmschiene vom 21er Haus. Einerseits stellen wir dort die Artists in Residence aus, von denen wir jährlich drei nach Wien einladen, und andererseits fünf weitere Positionen aus Österreich. Das sind Positionen, die noch keiner breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Im Rahmen des Programms schaue ich, dass wir am Puls der Zeit bleiben und Positionen vorstellen, die gerade eine Relevanz haben.

Bei Rosa Rendl hat mich der Zugang zur Fotografie interessiert. Ich finde es spannend, wie sie mit dem Smartphone für ein anderes Medium – die Social Networks – fotografiert und wie sie dabei ihre eigenen privaten Fotografien in Ausstellungsobjekte transformiert. Sie holt die Idee der Selbstrepräsentation durch Fotografie, die zunächst für einen Freundeskreis bestimmt ist, in den Ausstellungsort zurück und macht diese einer größeren Öffentlichkeit zugänglich.

Das erinnert mich an Amalia Ulman, die ihre Fotos und Selfies nicht nur in den Social Media Kanälen teilt, sondern ihre dortige Präsenz als Kunstperformance konzipiert. Ist das bei Rosa Rendl ähnlich?

Bei Rosa Rendl beginnt das Kunstprojekt tatsächlich erst im Museum. Es ist nicht wie bei Amalia Ulman, die das Kommunikationsmedium benutzt, vielmehr arbeitet Rosa Rendl eine Bildsprache auf, die bereits in den Social Media Kanälen verwendet wird. Es ist ein Suggerieren von Privatheit, von Nähe, von Zuhause. Es sind Fragen wie etwa, warum Katzenbilder so populär sind… Weil sie etwas haptisches haben. Das hat man im Internet sonst nicht. Man kann sie nicht angreifen, aber es wird suggeriert, dass es angegriffen werden kann.

Mit ihren Fotografien versucht Rosa Rendl die Bildsprache sozialer Netzwerke nachzuempfinden. Wie funktioniert diese Form der Nachahmung im Detail? Entstehen die Aufnahmen mit dem Smartphone eher zufällig im Alltag oder ist es ein dezidiert geplanter Vorgang, ein Nachstellen inspiriert durch bestimmte Aufnahmen aus den Netzwerken?

Rendl macht sehr viele Fotos, die bei ihr teilweise beiläufig im Alltag entstehen. Die Fotos, die sie zeigt, wurden nicht unbedingt schon veröffentlicht – im Sinne von gepostet. Es sind Fotos, die sie irgendwann mal gemacht hat, super fand, bei denen ihr manchmal etwa das Licht oder die Farbe nicht passte und die sie dann teilweise nochmals aufgenommen hat. Natürlich mit Low-Tech Medien. Alle Arbeiten sind mit dem Handy fotografiert und auf ein wesentlich größeres Format aufgeblasen, wodurch die Arbeiten diese Körnigkeit und das Farbrauschen aufweisen.

In der Ausstellung wird das intime Verhältnis zu Smartphones und Laptops thematisiert, genauer werden die Grenzen zwischen physischer und virtueller Welt als fließend dargestellt. Für mich stellt sich die Frage inwieweit man diese „virtuelle Welt“ überhaupt noch als virtuell definieren kann bzw. ist sie vermutlich schon längst nicht mehr nur als „erweiterte Realität“ zu betrachten…

Rendl sieht das als eine zunehmende Entkörperlichung. Als eine Tendenz, dass der eigene Körper eine Erweiterung vom Geist ist. Der Körper ist eher eine Art Werkzeug, genauso wie der Computer durch den man ins Internet schauen kann. Es ist schon so sehr Teil der Realität, dass das physische Leben zurückgedrängt wird. Man ist so viel drin, dass sich die Realität zunehmend entkörperlicht. Das ist allerdings ein Umstand, der wichtig ist um die Bilder zu verstehen.

Auf materieller Ebene wird diese Verschmelzung auch aufgegriffen. Die Arbeiten charakterisieren sich unter anderem durch das beidseitige Bedrucken, wodurch zwei Ebenen bzw. zwei Motive zu einem Bild verschmelzen. Eine bewusste Entscheidung, denn man könnte zwei Bilder ebenso mittels Photoshop übereinander legen. Inwieweit wirkt sich das doppelseitige Bedrucken auf die Wirkung der Arbeit und auf den Betrachter aus?

In dieser Serie von Arbeiten gibt es zwei Ebenen: Das Vorne und das Hinten. Bei einer Arbeit beispielsweise – ein Selfie – ist eine Hand zu sehen. Eine Hand, die quasi von vorne drüber streicht. Eine Metapher für den Screen und das Bedienen vom Screen. Ein Abbilden der Realität, reduziert auf eine Oberfläche.

Es ist fast schon eine Simulation eines Screens. Die Fotos entsprechen den Seitenrelationen des iPhone-Screens. Sie passt die Arbeiten diesem Format an, denn das iPhone selbst macht keine Fotos in diesem Format. Wenn man sich die Fotos auf dem iPhone anschaut, gibt es immer ja diesen schwarzen Balken um die Bilder.//

Seite 1/2: Die Sehnsucht  in den Social Media Kanälen