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INTERVIEW MIT EMANUEL LAYR

Mit dem Vienna Gallery Weekend laden in diesem Jahr  21 Wiener Galerien bereits zum 6. Mai zu einem Wochenendbesuch ein (29. – 31. Mai 2015). Galerist Emanuel Layr im Interview über die Kunststadt Wien und das bevorstehende Gallery Weekend …

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Wodurch unterscheidet sich die Kunstszene in Wien von anderen Kunstmetropolen?

Auf den ersten Blick wirkt Wien etwas gediegen, auf den zweiten Blick aber sieht man, dass sich hier sehr viel tut. Vor allem im akademischen und wissenschaftlichen Bereich, den Kunsthochschulen, den Galerien und den sehr gut aufgestellten Institutionen geht viel weiter. Diese Bandbreite an qualitativen Einrichtungen mit den entsprechenden Akteuren sind die idealen Vorraussetzungen Diskurse in Gang zu setzen, oder auch auf aktuelle internationale Geschehen zu reagieren. Aus meiner Perspektive ist das schon einmal ein sehr gutes Umfeld für KünstlerInnen. Wenn man dann noch über die verhältnismäßig günstigen Mieten nachdenkt – also im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten, selbst Berlin, so könnte Wien auch für KünstlerInnen aus dem Ausland langfristig interessant werden und für jene die sich im Moment in Wien aufhalten oder gerade ihre Studien beendet haben, ein Argument sein hier zu bleiben.

Welche Kriterien hast du für eine Ausstellung formuliert, die im Rahmen des Gallery Weekends präsent sein wird? 

Wir machen eine Interview Reihe zu Kulturpolitik und Marketingstrategien für ein besseres Wien. Scherz beiseite, …

Es ist toll, dass wir eine so interessante Künstlerin wie Birgit Megerle zu diesem Zeitpunkt präsentieren können. Birgit Megerle und ich kennen uns jetzt schon seit einiger Zeit und es gab in der Vergangenheit schon verschiedene kleinere Projekte, aber dies ist die erste Einzelausstellung mit ihr. Die Ausstellung wird durch spezielle Führungen während des Weekends nochmals gezielt vermittelt werden. Das ist natürlich unser besonderer Beitrag für das Gallery Weekend. Spezielle Kriterien gibt es keine, also wir hätten diese Ausstellung so oder so gemacht und weder Inhalt noch Zeitpunkt haben etwas mit dem Weekend zu tun. Wir mussten uns leider sehr an gewisse Programmabläufe, Birgits Terminkalender aber auch an Messetermine und anderes halten.

 

Was würdest du als die Qualitäten des Gallery Weekends bezeichnen?

Das Gallery Weekend bietet die Möglichkeit eine größere Öffentlichkeit zu mobilisieren. Zum einen betrifft das die lokale Szene, zum anderen wird ein größeres Publikum nach Wien geholt, das die Gelegenheit nutzen wird, intensiviert Ausstellungen wahrzunehmen und sich darüber bei gewissen Events auszutauschen. Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass so etwas auch jene anspricht, die nicht regelmäßig in Galerien gehen. Auf ganz verschiedenen Ebenen also bietet sich für die Galerien die Möglichkeit ihr Programm und ihre Arbeit besser zu vermitteln.

Beim Gallery Weekend werden kaum Absprachen zwischen den Galerien betreffend dem Programm getätigt. Würde das Sinn machen bzw. inwieweit könnte das Gallery Weekend dahin gehend positiv beeinflusst werden?

Geht es hier um Termine oder Inhalte? Oder Eröffnungen? Wesentlich ist, dass gute Ausstellungen zu diesem Zeitpunkt stattfinden, die GaleristInnen für die BesucherInnen da sind und durch spezielle Formen der Kommunikation mehr Aufmerksamkeit für die Ausstellungen der KünstlerInnen und die Galerien geschaffen wird. Termine sind soweit ich weiss gut abgestimmt und es gibt spezielle Führungen, Präsentationen usw.. Also ich glaube, dass der Galerienverband und die Galerien das sehr gut im Griff haben. So etwas wie einen inhaltlichen Überbau gibt es ja schon zum jährlich stattfindenden Curated by Vienna.

Berlin kann man wohl als paradigmatisch für die Idee eines Gallery Weekends bezeichnen. Worin liegen die Ursachen, dass Wien bei Weitem nicht an die Popularität des Berlin Gallery Weekends anknüpfen kann? Gibt es ganz unabhängig von der Größe der Stadt sowie der Anzahl der Galerien interne Strukturen – wie die Vernetzung und die Diskursbereitschaft der Galerien untereinander – die als Ursache in Frage kommen?

Das sind ja ganz andere Vorraussetzungen und in den meisten Bereichen kann man das ja überhaupt nicht vergleichen. In Berlin gibt es viel mehr Galerien mit teils spektakulären Räumen. Darüber hinaus nehmen die teilnehmend Galerien sehr viel Geld in die Hand mindestens 10mal so viel wie wir hier in Wien. Dann gibt es die interessante junge Stadt, die KünstlerInnen, tolle Ateliers, also eine idealer Zeitpunkt um nach Berlin zu fahren, um das alles kennen zu lernen und somit auch das ideale Format für diese Stadt. Jetzt könnten wir noch weiter überlegen, was denn ein ideales Format für eine Stadt wie Wien wäre?

Das Wiener Gallery Weekend funktioniert den aktuellen Einsatz an Mitteln entsprechend ganz gut.  Ich glaube aber auch nicht dass man in Wien mit viel mehr Geld an ein vergleichbares Ergebnis in Berlin herankommt. Wie gesagt ich finde den Vergleich nicht gut und die Frage eigentlich auch nicht. In Bezug auf das Untereinander: In Wien bestehen gute Verbindungen zwischen den Galerien. Jeder kennt jeden und wenn es ein relevantes Problem gibt oder eine gute gemeinsame Idee, dann bespricht man das und wenn sich das als sinnvoll herausgestellt hat, wurde es in der Vergangenheit auch realisiert. Unter anderem Curated by Vienna, viennacontemporary, die Vienna Artweek wurden teils von Galerien initiiert oder wenn nicht dann gut zumindest aufgenommen. Es gibt dann doch schon sehr viele Grossprojekte in Wien.

Wie könnte man Wien international noch besser positionieren?

Gallery Weekend, Curated by, Viennacontemporary strahlen sehr gut. Wie schon gesagt, sind KünstlerInnen für eine Stadt sehr wichtig. Es gibt natürlich tolle KünstlerInnen und AbsolventInnen in Wien, wahrscheinlich mehr denn eh und je und da geht es darum jene hier zu behalten und als Standort so attraktiv zu sein. Zuzüge aus dem Ausland würden im besten Falle auch zu einem guten, lebendigen Austausch führen und eventuell auch noch sowas wie eine Szene oder „Szenen“ erzeugen. Das heisst ich finde eigentlich das Modell Berlin relevanter als Vorbild, als das Gallery Weekend Berlin. Ob es zuerst mehr junge Galerien und Räume braucht, oder mehr Aktivität und Austausch auf anderen Ebenen, das weiss ich nicht. Fakt ist es fehlen noch mehr junge Galerien die international agieren.

Mit Destination Wien Extended hat die Kunsthalle Wien bewusst versucht, Dialoge zwischen Institutionen, Galerien, Offspaces und Vereine zu eröffnen. Dialoge, die auch im Rahmen des Gallery Weekends als Panels fortgeführt werden. Wie beurteilst du diese Initiative der Kunsthalle Wien?

Begrüssenswert.

Herzlichen Dank für deine Zeit!

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VIENNA GALLERY WEEKEND 2015

Datum: 29/05 – 31/05/2015

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BIRGIT MEGERLE. SUITE.

GALERIE EMANUEL LAYR

Ausstellungsdauer: 30/04 – 06/06/2015

Mehr unter: www.emanuellayr.com