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INTERVIEW MIT MARIO MAURONER

Mit dem Vienna Gallery Weekend laden in diesem Jahr  21 Wiener Galerien bereits zum 6. Mai zu einem Wochenendbesuch ein (29. – 31. Mai 2015). Galerist Mario Mauroner über die Stärken und Schwächen der Kunststadt Wien und das bevorstehende Gallery Weekend …

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Was ist gegenwärtig charakteristisch für die Wiener Kunstszene? Wodurch unterscheidet sich die Kunstszene in Wien von anderen Kunstmetropolen?

Wien genießt zwar – wie wir aus zahllosen Gesprächen wissen – bei den internationalen Sammlern und Kunstinteressierten wirklich außerordentlich große Sympathiewerte, hat aber erst begonnen durch gemeinsame, konzertierte Aktionen der Galerien dieses Potential zu nutzen.

Leider haben ähnliche, extrem erfolgreiche Initiativen in vielen ausländischen Metropolen die Politik der Stadt Wien noch nicht überzeugt, dass Investitionen in die überaus mobile, sehr einkommens- und dabei ausgabenstarke Zielgruppe wichtig sind.  Genauso wichtig ist, dass die extrem kommunikationsfreudige und vernetzte Zielgruppe der Kunst „Aficionados“ multipliziert und sich die Lebens- und Standortqualität verbessert.

Internationale Anerkennung und Wertschätzung des Kunststandorts Wien trägt außerdem bereits zu einem unmittelbaren wirtschaftlichen Erfolg (z.B. Hotellerie, Gastronomie, Shopping etc.), zur erhöhten Wahrnehmung und damit zur Aufwertung der heimischen Kreativszene bei.

Welche Kriterien haben Sie für eine Ausstellung formuliert, die im Rahmen des Gallery Weekends präsent sein wird?

Aufgrund der Größe unserer Galerie mit über 1.200 m2 und der Möglichkeit bis zu fünf Ausstellungen gleichzeitig zu präsentieren, ist unsere Planung natürlich sehr langfristig. Prinzipiell werden unsere Ausstellungen immer von den Künstlern für den Raum maßgeschneidert, wodurch Thema und Ausführung optimal realisiert werden können.

Für welche Ausstellung haben Sie sich im Rahmen des Gallery Weekends entschieden?

Carlos Aires verführt mit seiner zweiten Wiener Personale mit neuen Arbeiten aus Geldnoten der zwanzig stärksten Finanzmärkte zu „Sweet Dreams“ – so der Titel der Ausstellung – um uns im gleichen Atemzug die Frage zu stellen, ob unsere Träume nur aus Geld bestünden? Die Erkenntnis „Money makes the world go around“ greift auch „Retablo“ auf, eine weitere neue für Wien entstandene Werkserie, in der Aires Pin-Up-Girls dicht ineinander verwoben collagiert und diesen Horror vacui der Erotik auf Blattgold druckt – wodurch der heilige Ikonengrund mit käuflicher Liebe erfüllt wird.

Was würden Sie als die Qualitäten des Gallery Weekends aus Sicht der Galerie bezeichnen?

Synergien durch Zusammenarbeit, womit das Galerie Weekend ein starkes Zeichen für den Kunststandort Wien setzt und dieser weiter international Punkte sammeln kann.

Beim Gallery Weekend werden kaum Absprachen zwischen den Galerien betreffend dem Programm getätigt. Würde das Sinn machen bzw. inwieweit könnte das Gallery Weekend dahin gehend positiv beeinflusst werden?

Mit der ART Week und „curated by_vienna“, wo sich die Galerien ja bereits auf ein gemeinsames Thema verpflichten, gibt es zwei weitere gemeinsame international beworbene Auftritte im Herbst. Ich könnte mir vorstellen einen Termin zum Beispiel explizit zu einem Forum für österreichische Künstler zu machen, wo einem internationalen Publikum eine spannende Begegnung mit der heimischen Szene, den Arrivierten ebenso wie im Besonderen aber auch mit noch wenig bekannten Positionen junger Künstlern ermöglicht wird.

Eine derartige Aufgabenstellung international gezielt zu bewerben und seitens der Stadt und des Bundes zu unterstützen wäre meiner Meinung nach zielführender als durch mehr als 40 Jahre einige wenige, immer gleiche, etablierte Galerien bei den internationalen Top-Messen cozufinanzieren. Entweder etabliert man sich nach – sagen wir 5 Jahren – auch vom finanziellen Erfolg her im Top Sektor, oder eben nicht.

Berlin kann man wohl als paradigmatisch für die Idee eines Gallery Weekends bezeichnen. Worin liegen die Ursachen, dass Wien bei weitem nicht an die Popularität des Berlin Gallery Weekends anknüpfen kann? Gibt es ganz unabhängig von der Größe der Stadt sowie der Anzahl der Galerien interne Strukturen – wie die Vernetzung und die Diskursbereitschaft der Galerien untereinander – die als Ursache in Frage kommen?

Wien hat mit der Terminwahl parallel zu den Wiener Festwochen ein bisher eher nicht bis wenig genutztes Potential von spannenden thematischen Querverbindungen zu Musik und Theater. Hier würden sich Kooperationen über die Galerien und die Bildende Kunst hinaus mehr als anbieten. Aber auch die Festwochen selbst verstehen sich nach meiner bisherigen Wahrnehmung mehr als ein Fest für die Wiener selbst.

Mit einem so für alle Künste offenen und interessierten Intendanten wie zur Zeit Markus Hinterhäuser, der sich schon immer sehr erfolgreich und weitblickend über den Zaun gelehnt hat, wäre meiner Meinung nach sehr leicht ein zielführendes Gespräch über eine gemeinsame Programmatik und Synergien für Festwochen, in denen alle Künste Ihren Platz finden, zu führen.

Mit Destination Wien Extended hat die Kunsthalle Wien bewusst versucht, Dialoge zwischen Institutionen, Galerien, Offspaces und Vereine zu eröffnen. Dialoge, die auch im Rahmen des Gallery Weekends als Panels fortgeführt werden. Wie beurteilen Sie diese Initiative der Kunsthalle Wien?

Je mehr Kräfte sich zu einer gemeinsamen Initiative bündeln – umso besser!

Vielen Dank für Ihre Zeit!

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VIENNA GALLERY WEEKEND 2015

Datum: 29/05 – 31/05/2015

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Carlos Aires | Sweet Dreams (are made of this)

MAM Mario Mauroner Contemporary Art

Eröffnung: 29/05/2015 von 18 – 21 Uhr

Ausstellungsdauer: 29/05 – 01/08/2015

Mehr unter: www.galerie-mam.com