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Nach einem erfolgreichen Gallery Weekend geht es auch im Juni mit einem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm weiter. Fanny Hauser weiß, was man in Wien auf keinen Fall verpassen sollte.

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Mit Objets Trouvés präsentiert Hofstätter Projekte aktuell drei unterschiedliche fotografische Annäherungen an die Wirklichkeit historischer Kunst- und Gebrauchsobjekte der Sammlung Hofstätter und setzt sich dabei mit den divergenten Sichtweisen auf die Realität auseinander, die durch die scheinbare „Objektivität“ des Mediums eröffnet werden. Den zusammengeführten künstlerischen Positionen liegt die fotografische Auseinandersetzung mit Objekten und den Konventionen musealer Darstellung zugrunde: Während Hannes Böck mit seinen analogen Fotografien nach einer jeweils adäquaten Form für seine bildwissenschaftlichen Untersuchungen sucht, entscheidet Kerstin von Gabain sich in ihrem Ausstellungsbeitrag für eine andere klassische Strategie der künstlerischen Fotografie, der Typologie: Am Beispiel von jeweils sechs Exemplaren der Typen Stuhl und Schrank verweist die Künstlerin auf die Unterschiedlichkeiten im Gleichartigen. Guido Kucskos Schaffen beruht technisch wie auch stilistisch, auf dem perfekten Zusammenspiel mehrerer Faktoren: den Aufnahmen mit einer Kompaktkamera, deren digitaler Nachbearbeitung, dem Ausdruck durch einen 12-Farben-Pigment-Drucker auf Hahnemühlepapier und seiner substantiellen Auseinandersetzung mit komplexen Themen und Inhalten.

Auch die Ausstellung #3 NARRATOLOGY—LA FOLIA im Kunstraum wellwellwell vertritt momentan drei künstlerische Positionen. Während Peter Fritzenwallner sich der Relektüre von kanonischen literarischen und philosophischen Texten widmet und so versucht unsere Beziehung zu unserer Umwelt in Frage zu stellen, hält Stephanie Kaiser ihr künstlerisches Schaffen schriftlich fest, und erhebt den tautologischen Prozess der Selbstreflexion zum Kunstwerk selbst. Beide KünstlerInnen orientieren sich in ihren Positionen an Heinrich Dunst, der sich im Rahmen der Ausstellung vor allem mit der paradigmatische Struktur des Rasters auseinandersetzt.

Im Rahmen der Ausstellung Ein Tiger in meinem Garten in der Galerie unttld contemporary sind aktuell Zeichnungen, Skulpturen sowie eine Videoinstallation der französischen Künstlerin Roxane Borujerdi zu sehen, die ihr formales Repertoire aus Dingen des alltäglichen Lebens, der Natur, Bilderbüchern, Zeitschriften, gängigen Symbolen sowie einfachen geometrischen Figuren schöpft. Ihr reduziertes künstlerisches Vokabular, das auf elementaren Zeichen und Farben beruht, wird auf verschiedene Medien und Zustände verteilt und von einem zweidimensionalen Plan in den dreidimensionalen Raum rekonfiguriert und von der Künstlerin in Zirkulation gebracht.

Im Kunstraum Sellemond ist aktuell die Gruppenausstellung Look look zu sehen, die nach einem der großformatigen Tableaus von Christian Rosa benannt wurde, dessen Arbeiten zahlreiche Assoziationen mit historischen Künstlerfiguren wie Joan Miró, Jean-Michel Basquiat oder Cy Twombly hervorrufen. Die Arbeiten des in Österreich aufgewachsenen Künstlers nehmen auch die Linienfigurationen und Farben der Arbeiten des Südtirolers Siggi Hofer und des tschechischen Malers Zdeněk Sýkora auf. Auch Raymon Pettibons gestisch-expressive Kunstwerke sowie die exegetischen Landschaftsbilder der ebenfalls in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen Alex Ruthner, Markus Bacher, Natalia Załuska und Herbert Brandl scheinen auf unterschiedlichen Ebenen miteinander verknüpft zu sein und fügen sich zu einem gelungenen Ganzen zusammen, das noch bis 26. Juni besucht werden kann.

Das quartier21 im Museumsquartier richtet seinen Blick in den kommenden Wochen auf die Vergangenheit und zeigt Arbeiten nationaler wie internationaler KünstlerInnen, die sich auf die Spuren des Ersten Weltkrieges begeben. Die Ausstellung Notes on the Beginning of the Short 20th Century möchte das Ausmaß zeitgenössischer Kunst in Zusammenhang mit unserem kulturellen Gedächtnis untersuchen und präsentiert unterschiedliche künstlerische Positionen und deren Konzeptionen von Geschichtsbildern. Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Kader Attia, Simone Bader, Thibaud Guichard,  Ruppe Koselleck, Martin Krenn, Mladen Miljanovic, Deborah Sengl und Belle Shafir.

In der Arbeiterkammer im 4. Bezirk kann aktuell auch Sven Johnes Arbeit Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts/Einige Fallbeispiele (2015) besucht werden. Ausgangspunkt des in Berlin lebenden Künstlers ist die Beschleunigung der Ungleichheit in der Vermögensverteilung. Johnes Fallsbeispiele sind Ausdruck gesellschaftlicher Fragmentierung und geben einen Einblick in die Isolation von gesellschaftlichen Absteigern, Umsteigern und Aussteigern, aber auch in die Lebensentwürfe der Aufsteiger. In rund 70 Berichten und 90 dazugehörigen Porträtfotografien setzt Johne die „Fragmentierten“ wieder zusammen und reflektiert mit seiner düsteren Komik die Folgeerscheinungen eines Gegenwartskapitalismus, dem zusehends das „Gemeinwohl“ abhanden gekommen ist. Kuratiert wurde die Ausstellung von Daniel Baumann, Yilmaz Dziewior, Kerstin Engholm und Maren Lübbke-Tidow.

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