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INTERVIEW MIT CHRISTIAN STOCK | CANVAS – Teil 1

Anlässlich der Ausstellung „Canvas“ in der Galerie Peithner-Lichtenfels, die am 11. Juni 2015 eröffnet wird, traf sich Sabrina Möller mit dem Künstler und Kurator Christian Stock zum Interview. Für art and signature spricht Stock über die Hintergründe der Ausstellung …

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Künstler und Kurator Christian Stock © Sabrina Möller für art and signature

Künstler und Kurator Christian Stock
© Sabrina Möller, art and signature

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Du bist erst vor wenigen Tagen aus Italien zurückgekehrt, wo du als Artist in Residence warst. Was hat sich in dieser Zeit vor Ort ergeben bzw. inwieweit bist du davon in deiner Arbeit beeinflusst worden? 

Tatsächlich hängt meine Zeit in Italien mit dem Kunstverein zusammen, den ich vor 15 Jahren im Zillertal gegründet habe. Der Verein nennt sich „Aquarell Happening“ und thematisiert das Buch als Medium einerseits und die Beschäftigung mit dem Malen in der Landschaft andererseits. Wir haben hauptsächlich abstrakte Künstler eingeladen, die dann vor Ort in Tux wieder nach der Natur malen. Das Gleiche wollte ich nun in Italien machen. Es gibt dort einen Berg mit fast 3.000m Höhe und einen Gletscher. Das wollte ich mir gerne anschauen und malen.

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Mit der Galerie Peithner-Lichtenfels bist du nun schon seit 2011 verbunden. Und das in unterschiedlichen Funktionen. Einerseits kuratierst du nun bereits deine zweite Ausstellung in der Galerie, im letzten Jahr hingegen hattest du eine Einzelausstellung mit dem Titel „Canvas Canvas on the Wall“. Wie ist es mit einer Galerie aus unterschiedlichen Perspektiven und in unterschiedlichen Rollen zu arbeiten? Gibt es da Herausforderungen?  

Es ist vielmehr eine Bereicherung. Früher war es schwieriger: Man hat als Kurator nicht auch noch sich selber ausstellen können oder dürfen. Heute hingegen kann man es machen, wie man will. Oder ich mache es zumindest gerne, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Als ich das erste Mal als Kurator eingeladen wurde – das war 1995 mit der Ausstellung RaumxZeit im Kunstraum Wien – war das eine absolute Herausforderung. Ich wusste nicht, wie man kuratiert, schließlich habe ich das ja nie gelernt. Aber es war ein spannender Prozess und wenn man dann alles beherrscht, ist es wirklich ein Spaß in die Künstlerateliers zu gehen, zu diskutieren, Inhalte zu erarbeiten und alles in Bezug zu setzen.

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Wie hast du dich an das Kuratieren herangetastet? 

Strukturen sind für zum Kuratieren sehr wichtig. Man muss alles ordnen, budgetieren und es gibt viele Kleinigkeiten. Das Handwerk muss man erlernen, der Rest ist immer Inspiration oder Phantasie. Diesen Teil kann man grundsätzlich nicht lernen, doch durchaus fördern.

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Das Auftreten in einer Doppelfunktion, oder gar das Leben als multiple Persönlichkeit -fordert der Kunstmarkt das heute bereits ein? Kann man nur noch bestehen, indem man unterschiedliche Rolle besetzt? 

Ich glaube, dass das schon immer so war. Auch Tintoretto hatte eine Firma, war Unternehmer und hat die Aufträge herangeholt, Ausstellungen geliefert, Arbeiten delegiert. Man kann einfach nicht nur oder sehr selten im Atelier stehen und malen. Man muss seine sozialen Kontakte pflegen. Andauernd muss man sich aufspalten – und auch Dinge die Buchhaltung und Steuer gehören dazu. Außer wenn man es sich natürlich leisten kann, alles zu delegieren. Aber das ist dann vielleicht auch etwas fad.

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Du hast die Räume der Galerie dadurch bereits aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, beurteilt und bespielt. Welche Vorzüge und welche Schwächen weist die Architektur der Räume auf den drei Ebenen auf? Was gilt es zu beachten?

Die Fläche ist riesig! Es sind knapp 350 qm und man muss gut in Form sein, um die Stiegen zu bewältigen. Vor allem beim Hängen und Sanieren der Räume muss man logistisch mitdenken. Doch ich mag die Räume sehr gerne – auch die Stiegen. Dass es in den Keller heruntergeht macht die Räume für Wien sehr speziell.

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Wie stark wird die Auswahl der Arbeiten durch die Architektur bestimmt? 

Die Räume sind natürlich ein Einflussfaktor. Wäre es ein White Cube, würde es sicher anders ausschauen. Hier aber kann man vielfältiger arbeiten. Im Erdgeschoss ist es kleinteiliger, im 1. Untergeschoss werden die Räume etwas größer und dann im 2. Untergeschoss bietet sich die Fläche für Großformate. Die Räume bieten an, mehr zu variieren. Man muss nicht erst noch eine Architektur im Sinne eines Displays einbauen, wie es die meisten anderen Galerien machen.

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Welche Vorgaben gab es für dich als Kurator seitens der Galerie?

Es gab keine Vorgaben. Außer, dass es eine Low-Budget-Ausstellung sein muss.

Seite 1/3: Zur Ausstellung Canvas