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INTERVIEW MIT CHRISTIAN STOCK | CANVAS – Teil 2

Seite 2/3: Zur Ausstellung Canvas

 

Der Titel der Ausstellung „Canvas“ vermag in Kombination mit dem Bild auf der Einladung etwas zweideutiges: Über Leonardo da Vinci’s Vitruv-Mann wurde ein grünes Cannabis Blatt gelegt. Lässt sich auf biologischer oder materieller Ebene durchaus eine Verbindung mit dem Titel der Ausstellung herstellen, wirft der Vitruv-Mann weitere Fragen auf … Worum geht es in der Ausstellung konkret? 

Es geht um die Malerei und – wie der Titel „Canvas“ vermuten lässt – um Stoff im materiellen Sinne. Die Malerei auf der Leinwand oder auf Hanf wird zum Thema der Ausstellung, doch auch Malerei, die die Malerei thematisiert oder Kunst, die den griechischen Wortstamm Cannabis aufgreift. Auf dieser Ebene wird ein Verhältnis zwischen Kunst, Musik und Rock n Roll aufgebaut.

Die Verbindung zu Cannabis war eher ein Zufall. Am Beginn stand der Titel „Canvas“. Mir war wichtig, dass es ein griffiger Titel ist. Ein Wort, das jeder kennt, das sich eingeprägt hat. Ich habe den Begriff dann gegoogelt und bin auf Wikipedia gelandet. Wikipedia bringt gute Texte, die ich dann auch als Pressetexte verwende. In diesem Fall habe ich gar nichts daran verändern müssen.

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Am Beginn stand für dich also „Canvas“ im materiellen oder funktionellen Sinne, als Grund der Malerei, während sich die Dimension, die mit dem Begriff Cannabis verbunden ist, erst in der weiteren Recherche und durch den Wikipedia Eintrag ergeben hat? 

Nur Canvas wäre mir zu wenig gewesen. Das gibt es auch schon so oft. Aber mit Cannabis hat es Spaß gemacht.

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Warum nutzt du Wikipedia so gern, dass du die Einträge sogar als Pressetext verwendest? 

Weil es einfach schon da ist. Es ist ja ein kollektives Wissen – wie im Lexikon. Man verwendet das Wort andauernd, ohne zu wissen, wo es herkommt und was es wirklich bedeutet. Dass die Leinwand ihren Ursprung im Hanf hat und es als Malgrund fungiert, ist schön!

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Deine Einzelausstellung „Canvas Canvas on the Wall“ in der Galerie Peithner-Lichtenfels im vergangenen Jahr greift den Begriff „Canvas“ auch auf. Siehst du auf inhaltlicher Ebene Berührungspunkte zwischen den Ausstellungen?

Eigentlich nicht, außer dass es schwerpunktmäßig um Malerei geht. Auch wenn ich realisiert habe, dass ich eigentlich nicht so viel Malerei zeige… „Canvas Canvas on the Wall“ referiert vielmehr auf etwas wie „Spieglein Spieglein an der Wand“. Eine Befragung des Bildes oder des eigenen Denkens.

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Was fasziniert dich an dem Thema Leinwand so sehr, dass es sich wiederholt? 

Die Leinwand selber ist eigentlich egal. Vielmehr sind es die Zusammenhänge und dass die Malerei als altes Medium immer noch spannend ist, immer noch funktioniert. Man versucht es am Leben zu halten, obwohl es oft tot gesagt wird.

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Wie gehst du mit dem scheinbaren Tod der Malerei um? 

Als junger Student habe ich die Malerei auch als konservativ empfunden. Aber ich wollte dennoch bei der Malerei bleiben. Ich habe bei Arnulf Rainer studiert, der ja schon einen Schritt von der Malerei weg hin zur übermalten Fotografie gemacht hat. Mir war das Konzept wichtig, Bezüge zu Kasimir Malewitsch und auch dass die Ismen enthalten sind. Ich wollte nicht wieder beim Expressionismus anfangen, auch wenn während des Studiums viele wild gemalt haben und man die Arbeiten einfach in die Galerie tragen und verkaufen konnte. Das war mir zu langweilig. Ich habe es mir schwerer gemacht, wollte Malewitsch’s schwarzes Quadrat so oft wiederholen, bis es zum einem schwarzen Würfel wird. Das ist mein Hauptwerk. Es war mir wichtig beim Pinsel, der Farbe und der Leinwand zu bleiben aber in einer für mich zeitgemäßen Form. Und das ist für mich der realistische Würfel, den ich male.

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Wenn man drei Ebenen an Ausstellungsfläche bespielen kann ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten: Man könnte sich auf wenige Positionen konzentrieren, oder aber eine breite Palette unterschiedlicher künstlerischerer Positionen zeigen. Du hast dich für letzteres entschieden und Werke von 34 Künstlern gewählt. Welche Kriterien hast du am Beginn für die Künstlerauswahl formuliert? Wie verlief der Auswahlprozess?

Man hat sein eigenes Netzwerk und weiß, welche Kunst einen anspricht. Es ist eine rein emotionale Überlegung. Es geht auch darum, verschiedene Szenen zusammenzuführen. Bei der letzten Ausstellung „Antidepressiva“ gab es auch eine Gemeinschaftsarbeit von Erwin Wurm und Franz West. Das war im Sinne einer Zusammenführung von Künstlern spannend, hieß es doch, dass die Beiden zerstritten waren – dennoch existiert diese Gemeinschaftsarbeit.

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Das war folglich der erste Schritt hinsichtlich der Künstlerauswahl. Wie bist du dann bei den einzelnen Werken vorgegangen? 

Entweder machen die Künstler selber Vorschläge oder ich gehe ins Atelier und suche mir das Schönste aus. Man hat seinen Rhythmus und eine Ausstellung ist dann wie eine Komposition. Ich suche mir raus, was mir am Griffigsten erscheint.

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