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INTERVIEW MIT CHRISTIAN STOCK | CANVAS – Teil 3

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Seite 3/3: Künstler, Kurator, Leihgeber

Gab es eine Art Lager, auf das du während des Auswahlprozesses zurückgreifen konntest? Denn neben jungen Positionen sind auch durchaus arriviertere wie Franz West mit Arbeiten vertreten… 

Es gibt Arbeiten, die mir von anderen Galeristen zur Verfügung gestellt wurden – darunter auch eben jene Arbeit von Franz West.

Andere Arbeiten kommen aus meiner eigenen Sammlung. Etwa die Arbeit von Norbert Schwontkowski. Norbert und ich waren seit den 80iger Jahren befreundet und haben einige Arbeiten getauscht.

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In dieser Ausstellung bist du damit in einer Dreifachfunktion vertreten: Als Kurator, als Leihgeber und darüber hinaus bist du selber auch als Künstler mit einer Arbeit vertreten… 

Wenn man so darüber nachdenkt, bin ich auch mit meinem Kunstverein involviert.

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Inwieweit? 

Viele der Künstler, die in der Ausstellung vertreten sind, kenne ich dadurch, dass ich sie als Artist in Residence nach Tux eingeladen haben. Jeder Künstler, der vor Ort eine Residency hat, hinterlässt mir am Ende eine Arbeit. Dadurch sind sie natürlich auch in meiner eigenen Sammlung vertreten. Jetzt bräuchte ich nur mehr ein Museum gründen und wäre auch noch Museumsdirektor!

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Aus welchen Gründen hast du dich entschieden, deine eigenen Arbeiten in die Ausstellung einzuflechten?

Die Künstlerposition ist mir die Wichtigste, da kann ich mich nicht selber nicht einfach zurücknehmen und mich selbst aussortieren. Dann wäre ich nur mehr Kurator und das wäre mir einfach zu wenig.

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Wie fügt sich deine Arbeit inhaltlich in die Ausstellung ein? 

Wenn man zu Leuten geht, die viel kiffen, sieht man überall Kartons herumliegen, die am Rand etwas „abgenagt“ ausschauen. Man könnte sich dann denken, dass jemand etwas nervös ist, wenn er ständig die Ecken wegreißt. Dabei verwendet man diese für den Filter beim Cannabis Konsum. Einladungskarten sind dafür aufgrund ihrer Dicke besonders gut geeignet. Diese Arbeit ist eben eine solche Karte, die rundherum „abgenagt“ ist. Ein schöner Rand!

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Handelt es sich dabei um „found footage“? 

Es ist ein bisschen „found footage“. Ich habe es gesehen, als spannend empfunden, es übernommen und weitergeführt.

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Die Dimension mit „Cannabis“ hat sich ja erst während deiner Recherche aufgrund der Analogie mit dem griechischen Wortstamm ergeben. Dennoch spürt man, dass das Thema Kiffen durchaus präsent ist in der Ausstellung. Woran liegt das? Ist es retrospektiv betrachtet auch in deinem Leben verankert?

Natürlich war man in den 70iger Jahren ein Hippie! Derzeit ist es out Hippie zu sein oder zu kiffen, daher macht es Spaß wieder mit den Themen zu spielen. Es sind heute ja vielmehr Schimpfwörter!

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Für dich ist es nicht negativ konnotiert? 

Nein, ich will es nicht propagieren, aber es ist auch nicht negativ konnotiert. Es ist vor allem eine persönliche Entscheidung, ob man kifft oder nicht, ob man Drogen nimmt oder nicht, ob man trinkt oder nicht trinkt. Es geht um die Freiheit, dass es möglich ist.

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Kiffst du? 

Ab und zu. Ich verwende es als Schlafmittel.

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Die Arbeit „Smoke a Joint before Breakfast“ von Erwin Wurm, die in der Ausstellung zu sehen sein wird, fügt sich thematisch auch dort ein… 

Wurm macht sich eher lustig über diese Hippies, spielt es aber relativ gut.

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Inwieweit spiegelt es eines Realität des Künstlerdaseins wieder? 

Es ist doch einer ein Style. Es kiffen ja nicht nur Künstler und vor allem nicht alle. Obwohl es in der Szene durchaus häufiger ist. Besonders in der Street Art Szene.

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Welche künstlerische Position ist für dich die spannendste in dieser Ausstellung? 

Meine Lieblingsposition ist die von Norbert Schwontkowski. Er ist mit 64 Jahren verstorben, war ein langjähriger Freund. Wir haben uns zwei- bis dreimal pro Jahr getroffen und ich habe viele Arbeite mit ihm getauscht. Er war auch einmal als Artist in Residence in Tux und ich habe dadurch ein Buch von ihm mit zwanzig schönen Aquarellen. Das wird besonders wertvoll, wenn er dann nicht da ist.

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Als Kurator bist du viel in Ateliers, diskutierst, arbeitest Themen mittels verschiedener Positionen auf. Inwieweit wird deine künstlerische Arbeit dadurch beeinflusst? 

Ich werde nicht sehr stark beeinflusst. Meine künstlerische Arbeit ist relativ straight. Ich habe einige Themen, an denen ich die nächsten 300 Jahre arbeiten könnte, ohne dass ich zusätzliche „Futter“ bräuchte. Sicher gibt es Kleinigkeiten, die mit einfliessen, die die eigene Arbeit ein bisschen lockerer machen oder gar die Betrachtung auf das eigene Werk. Man sieht wesentlich mehr verschiedene Position, den Kampf des Einzelnen und unterschiedliche Weisen sich thematisch anzunähern.

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Was möchtest du den Besuchern mit dieser Ausstellung vermitteln? 

Sie sollten vielleicht ab und zu einen kippen, oder kiffen, und viel Geld für Kunst ausgeben! Auch die Leute, die über Kunst schreiben zu bezahlen, wäre doch mal nicht schlecht. Sich mal einen ordentlichen Kunsttext schreiben zu lassen…

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Möchtest du das System Galerie auflockern? 

Es sollte Hippie-mäßiger sein. Natürlich geht es um das Geschäft, aber irgendwie wird es dann immer steif. Warum muss das so sein? Sobald jemand Geld hat, will er es behalten und nicht mehr hergeben. Aber es muss ja die Runde machen! Das sollte sich ordentlich verbessern und dafür kann es nicht schaden, wenn sie mal einen kippen oder kiffen.

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Gibt es für dich als Kurator einen Punkt, an dem du das Gefühl hast, dass die Ausstellung funktioniert oder gelungen ist? 

Wenn ich mich gut fühle in der Ausstellung oder alle Kunstwerke mit mir sprechen, dann ist es gut!

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Vielen Dank für deine Zeit! 

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CANVAS

Galerie Peithner-Lichtenfels, Sonnenfelsgasse 6, 1010 Wien

Eröffnung: 10/06 ab 19.00 Uhr

Mehr unter www.peithner-lichtenfels.at

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Kuratiert von Christian Stock

Teilnehmende Künstler: Walter Van Beirendonck, Patrick Baumüller, Jason Bunton, Harry Burden, Herbert De Colle, Christian Egger, Gregor Eichinger, Michael Endlicher, Frederik Foert, Michael Gumhold, Gerhard Himmer, Anna Jermolaewa, Uwe Jonas, Franco Kappl, Merlin Kratky, Eilidh McNair, Wolfgang Obermair, Ekaterina Shapiro-Obermair, Sali Oelhafen, Mari Otberg, Jürgen Paas, Claudia Plank & Hans-Werner Poschauko, Hannes Ribarits, Judith Rohrmoser, Maruša Sagadin, Norbert Schwontkowski, Ezara Spangl, Daniel Spoerri, Christian Stock, Rita Vitorelli, Stefan Waibel, Herwig Weiser, Franz West, Emmett Williams, Erwin Wurm, Gerlind Zeilner, Heimo Zobernig

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